Vier Angebote, viermal Hochbetrieb

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Wuchtig mutete die Holzdecke im Amtszimmer des Bürgermeisters an, die Kreisheimatpfleger Ferdinand Steffan eingehend erläuterte.

Wasserburg - In einer mittelalterlichen Stadt ist immer viel zu sehen: Beim "Tag des offenen Denkmals" herrschte Hochbetrieb in Museum, Rathaus, der Stadtpfarrkirche und im Stadtarchiv.

Großen Zuspruch im Rahmen des bayernweiten "Tag des Denkmals" haben am gestrigen Sonntag im Stadtbereich sämtliche Sonderführungen mit dem zentralen Thema "Holz" erfahren. Die Verantwortlichen der Stadtverwaltung sowie des Heimatvereins hatten ein ansehnliches Programm zusammengestellt, gleich an vier Schauplätzen erfuhren die zahlreichen Interessierten Ortskundliches über die Arbeit mit Holz, Holz als Forschungsobjekt und über Holzkunstwerke.

Bundwerk und Zunftbahrschilder, Prozessionsstangen und Dachkonstruktionen: Ausführlich erläuterte Museumsleiterin Sonja Fehler die individuellen Exponate, die im Städtischen Museum zum Motto des Tages anzutreffen waren. Mit welcher Kreativität, andererseits aber auch Perfektion und Kraftaufwand die Zimmermannsleute früher ihre Arbeit zu erledigen hatten, veranschaulichten nicht zuletzt lustige Lichtpfettenköpfe sowie die mit einem Breitbeil beschlagenen Tragbalken im Speicher des Museums.

Die Werkzeuge der früheren Zimmermannsleute beeindruckten bei der Führung im Städtischen Museum mit Sonja Fehler.

Ein richtiggehendes Gedränge herrschte im Rathaus, wo Kreisheimatpfleger Ferdinand Steffan den Werkstoff Holz anhand profunder Kenntnisse von unten betrachtete. Die Holzdecken sowohl des Kleinen Rathaussaals von 1564 sowie die Decke im Amtszimmers des Bürgermeisters und letztlich die Tonnendecke im Tanzhaus wurden in den Fokus gerückt. Insbesondere bei der Deckenarbeit von Paulus Fuxhofer, eines Wasserburger Kistlers im 17. Jahrhundert und jetzt im Bürgermeisterzimmer, faszinierte die Tatsache, dass dieses Werk, das aus Fuxhofers Privathaus in der Färbergasse stammte, erst im Jahr 1891 im Rathaus eingebaut wurde. Interessant auch die Tatsache, dass die Deckengestaltung des früheren Tanzhauses, also des jetzigen Großen Rathaussaales, in der Zeit vor dem 18. Jahrhundert selbst bis heute unbekannt ist. Die aktuelle Tonnendecke stammt erst aus dem Jahr 1905.

Wer hätte gedacht, dass der Turm der Stadtpfarrkirche zumindest im unteren Bereich bis ins 19. Jahrhundert Ocker getüncht war, als Imitation einer steinsichtigen Fassade mit Fugen? Oder dass die oberen zwei Abschlussgeschosse des Pfarrkirchturms erst ab 1472 fertiggestellt wurden? .Über die Baugeschichte von St. Jakob unter Berücksichtigung der aktuellen Forschungsergebnisse referierte Dr. Gerald Dobler vor Ort für rund 70 Interessierte. Anhand von dendrochronologischen Untersuchungen konnte jüngst festgestellt werden, dass der Holzdachstuhl des Langhausbaus noch aus den Jahren 1416 stammt, geschlagen im oberen Inntal und durch Flößerei nach Wasserburg verbracht, wo er sachgerecht bearbeitet wurde. Auf der Südseite der Kirche war noch bis 1826 östlich des jetzigen Eingangsportals ein kleinräumiger Speicherraum auf den Seitenkapellen aufgesetzt, der aber im Zuge des Einbaus der jetzigen Portale egalisiert wurde. Und auch die frühere Öffnung in die jetzige Orgelempore für den Holzsteg von der Burg in die Kirche, der noch bis ins 18.Jahrhundert existierte, wurde aufgezeigt.

Wie man all das herausfinden kann, das erklärte Stadtarchivar Matthias Haupt im Stadtarchiv. Dort gehört die Bauforschung mittlerweile zu den häufigsten Nutzungsarten. Anhand der Aussegnungshalle im Friedhof und eines Privathauses am Marienplatz zeigte Haupt, wie man anhand von Plänen, Zeichnungen, Haus- und Gewerbeakten, Namen, sowie des Bildarchivs und anderer Quellen die Geschichte eines Hauses erarbeiten kann.

Einige Besucher im Stadtarchiv hatten offensichtlich ganz konkretes Interesse, da sie selbst Eigentum in der Altstadt haben. "Da kommt bestimmt der eine oder andere wider", ist sich Haupt sicher. Wer gestern keine Zeit hatte, sich die Bauforschung erklären zu lassen, der kann sich ab heute eine gedruckte Anleitung im Stadtarchiv abholen.

tro/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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