Ohne ein neues Depot geht es nicht

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Wasserburg - Ohne Depot geht es nicht. Die Schätze des städtischen Museums müssen vernünftig untergebracht werden. Sonst nehmen sie nicht nur Schaden, sondern sind auch nicht zugänglich.

Davon ließ sich jetzt der Stadtrat überzeugen. Die Depotsituation des städtischen Museums ist nach Aussage des Bürgermeisters "unbefriedigend". Museumsleiterin Sonja Fehler fielen da vermutlich stärkere Worte ein. In der jüngsten Sitzung des Stadtrates begnügte sie sich aber damit, den Stadträten die Zustände zu schildern. Sechs verschiedene Depots gibt es derzeit, darunter die Speicher von Rathaus und Imaginärem Museum. Beide sind nicht gedämmt, im Sommer bis zu 50 Grad warm, im Winter bis zu minus 20 Grad kalt. Dass diese Temperaturschwankungen für die dort gelagerten Exponate verheerend sind, ist nachzuvollziehen. "Die schlechte Depotsituation ist ein Grund dafür, dass das Museum selber so voll ist", so Sonja Fehler.

Als sie vor einem knappen Jahr die Nachfolge von Ferdinand Steffan antrat, war klar, dass die Schaffung eines Zentraldepots und die Neukonzeption des Museums zu ihren Hauptaufgaben zählen. Klar war damit aber auch, dass das Kosten verursachen würde.

Im Frühjahr dieses Jahres machte sich die Stadtverwaltung auf die Suche nach einem geeigneten Depotgebäude. Und wurde nicht fündig. Ein Zentraldepot für die zum Teil sehr wertvollen Bestände des Museums muss nicht nur eine gewisse Größe haben - Fachleute errechneten 1200 Quadratmeter Minimum bei einer Deckenhöhe von fünf Metern - sondern auch andere Anforderungen erfüllen: Einigermaßen gleichmäßige Temperatur, trocken, einbruchssicher, stadtnah, ohne Wasserleitungen oder Sprinkleranlagen in der Decke, denn "das Einzige, was fast so schlimm ist wie Feuer im Depot, ist Wasser im Depot", so Sonja Fehler.

Ein entsprechendes Gebäude steht nicht zur Verfügung. Aber ein städtisches Grundstück weit oberhalb eines jeden vorstellbaren Hochwassers. Dort könnte ein Depot gebaut werden. Idealerweise als Passivenergiehaus, so Sonja Fehler, denn da müsse zwar beim Bau kräftig investiert werden, die Folgekosten aber wären gering. Und es passe zum Energiedialog Wasserburg 2050. Kulturreferentin Edith Stürmlinger (Bürgerforum) merkte dazu an, dass ein Depot als Passivhaus zudem ein Pilotprojekt wäre, was sich im Zweifelsfalle auch bei den Zuschüssen bemerbar machen dürfte.

Sonja Fehler machte klar, dass eine Neukonzeption des Museums nur mit einem Zentraldepot möglich ist. Denn zum einen muss das Haus in der Herrengasse/Färbergasse zur Umsetzung eines neuen Konzeptes zunächst einmal leergeräumt werden, was nicht nur die ausgestellten Exponate betrifft, sondern zusätzliche 660 Kubikmeter Depot. Zum anderen müssen Sonja Fehler und ihre Mitarbeiterinnen - eine Teilzeitkraft und demnächst eine Volontärin - nicht nur wissen, was laut Bestandsverzeichnis vorhanden ist, sondern auch, wo es ist und wie man dran kommt. Erst dann kann eine echte Neukonzeption des Museums in Angriff genommen werden. Ideen hat Sonja Fehler dazu genug, von Museumspädagogik über einen zusätzlichen kleinen Raum für Sonderausstellungen und die Ansprache verschiedenster Zielgruppen bis hin zur Dauerausstellung als Zeitreise durch die Entstehung und Entwicklung Wassserburgs.

Wie wertvoll die Bestände sind, die in einem Zentraldepot eingelagert würden, machte Sonja Fehler anhand der Möbelsammlung deutlich: Die ist nicht nur wissenschaftlich sehr gut aufgearbeitet, sondern auch in Fachkreisen sehr bekannt. In den letzten drei Jahrzehnten gibt es in ganz Deutschland kaum eine Arbeit über Volkskunst-Möbel, die nicht auf die Wasserburger Sammlung zurückgreift. Anfragen zu dieser Sammlung kommen bis aus Japan. "Das ist ein ungeheures Kapital", so Sonja Fehler. "Und wir Stadträte haben eine Riesenverantwortung gegenüber diesen Gütern und damit auch der Stadtgeschichte", so Lorenz Huber (Bürgerforum), der sich für den Bau eines Zentraldepots aussprach. Er wolle bei einem solchen Projekt nicht von einem Vermieter abhängig sein, wenn die Stadt über ein geeignetes Grundstück verfüge.

Oliver Winter (CSU) befürchtete, mit der Beauftragung eines Architekten mit den ersten Schritten hin zu einer Entwurfsplanung auf eine Schiene zu geraten, die über den Depotbau unaufhaltsam zur Sanierung des Heimathauses und zu von ihm geschätzten Kosten von sieben Millionen Euro führe.

Das sah Werner Gartner (SPD) anders: Ohne ein vernünftiges Depot sei ein vernünftiges Museumskonzept nicht möglich. Der Bau eines Depots heiße aber nicht, dass sich die Sanierung des Heimathauses sofort anschließen müsse. Da sei eine finanzielle Verschnaufpause durchaus möglich. Helmut Schedel (SPD) verstand die Skepsis Winters und der CSU-Fraktion nicht: "Sollen wir es lassen, wie's jetzt ist? Das ist doch kein Zustand!" Und Edith Stümlinger fasste es knapp zusammen: "Wenn wir die Werte, die wir haben, nicht vernichten wollen, kommen wir an einem Zentraldepot nicht vorbei."

Mehrere Stadträte hatten ganz offensichtlich Schwierigkeiten zu verstehen, dass ein Zentraldepot eben kein Versteck für Exponate ist, die dort auf Nimmerwiedersehen verschwinden, sondern dass aus einen gut organisierten Depot auch Gegenstände wieder herauszuholen und auszustellen sind. Gleich ob Bauernmöbel aus der Dauerausstellung ins Depot gehen, dafür bürgerliche Möbel aus dem Depot in die Dauerausstellung oder ob aus den Beständen im Depot Sonderausstellungen organisiert werden, "für die wir uns die Ausstellungsstücke nicht mühsam zusammenleihen müssen", so Sonja Fehler.

Dr.Christine Mayerhofer (SPD) bezeichnete das Heimathaus als Visitenkarte der Stadt. Und das sei derzeit eine, die deutlich attraktiver sein könnte, die Stadt besser erklären. "Ich freue mich über jedes Museum, das ein klares Konzept hat", und Sonja Fehler habe da offensichtlich einige Ideen. Diesen den Weg zu ebnen, sei eine langfristige Aufgabe, die Stadträte und Stadtverwaltung lösen müssten.

Den ersten Schritt dahin tat der Stadtrat, indem er - gegen die Stimme von Winter - beschloss, Angebote von Architekten über die ersten Phasen bis hin zur Entwurfsplanung - anhand derer dann auch eine Kostenschätzung möglich ist - einzuholen.

syl / Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © OVB

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