Der Padre und die Copacabana

+
Gestern früh im Herzen Südamerikas: Sebastian Obermaier blinzelt an der Seite der Jungfrau von Copacabana in die Morgensonne. Die Vrgen ist in Bolivien für die großen Wunder zuständig, der Rosenheimer Pfarrer für die kleinen.

Rosenheim/La Paz - Wenn der Rosenheimer Pfarrer Sebastian Obermaier morgen in Bolivien die Pfingstmesse feiert, werden seine Kirchen voll sein wie nie zuvor. Das hat einen besonderen Grund:

Das wird ein besonderes Pfingstfest für den Rosenheimer Pfarrer Sebastian Obermaier: Wenn er morgen in Bolivien den Heiligen Geist auf die Erde holt, werden seine Kirchen voll sein wie nie zuvor. Denn die "Mutter Gottes von Copacabana" kommt in die Pfarrei - eine Sensation! Die Jungfrau im blauen Gewand wird in ganz Südamerika verehrt. Der Papst hat die Statue sogar heilig gesprochen. Der weltberühmte Strand in Rio de Janeiro ist auch nach der Schutzpatronin Boliviens benannt - und nicht umgekehrt.

In Europa pilgern die Christen nach Lourdes, Altötting, Loreto oder Fatima, in Lateinamerika ins mexikanische Guadalupe oder zur "Vrgen" nach Copacabana, das 120 Kilometer westlich von El Alto liegt - jener Millionenstadt, in der Padre Obermaier aus Rosenheim seit Jahrzehnten für den Glauben und gegen die Armut kämpft.

Obwohl auch das bolivianische Wallfahrer-Städtchen Copacabana eine Strandpromenade hat - braun gebrannte Bikini-Schönheiten wie in Brasilien trifft man dort kaum. Schließlich ist der Titicacasee nicht nur 100-mal größer als der Chiemsee, sondern auch viel kälter. Ans Baden denkt in 3800 Metern Höhe niemand.

Dennoch strömen ständig Fremde in den 20 000-Einwohner-Ort - hin zur weißen Basilika, in der die verehrte Madonna von Copacabana steht. Vor der Kirche fahren blankpolierte und fein herausgeputzte Autos vor. Die Jungfrau ist die Schutzpatronin der Chauffeure und Polizisten. Sie bitten um ihren Segen.

Doch zur Zeit ist die Vrgen auf Reisen - eine Seltenheit. Wie es Obermaier (77) geschafft hat, das Nationalheiligtum nach El Alto zu holen, ist den Menschen in seiner Pfarrei "Cuerpo de Cristo" ein Rätsel. "Die Mutter Gottes von Copacabana kommt zu uns. Das ist unser großes Pfingstfest-Erlebnis", freut sich der Seelsorger, der einer der außergewöhnlichsten Pfarrer der Welt ist. Mit Böllern, Tänzen, innigen Gebeten und den Lichtern der nächtlichen Prozession wird man die Jungfrau empfangen.

Seit März ist die Nationalheilige auch ein Filmstar. Vor zwei Monaten kam der Streifen "Vrgen de Copacabana" in die bolivianischen Kinos - mit Padre Obermaier in einer tragenden Rolle. Morgen in der Pfingstmesse wird auch er um den Beistand der Jungfrau bitten. Und den kann er auch brauchen. "1800 Kinder sind nicht getauft, eine Riesen-Aufgabe", sagt er. Eine Herkuleswerk sind auch die inzwischen 18 Sozialprojekte. Soeben ist die Gesundheitsstation vom Pfarrhaus in den Neubau umgezogen, was auch die Buben und Mädchen der Kinderkrippe "Aurora" freut. Sie beleben nun einen Seitentrakt.

"Aurora" heißt Morgenröte - und vielleicht lässt die Anwesenheit der Copacabana-Jungfrau in El Alto für viele Menschen die Sonne scheinen. Gerade jetzt, wo das Land von Streiks überzogen wird und die Menschen wieder einmal unzufrieden sind, weil die Regierung ihre Versprechen nicht hält. Wunder können Obermaiers Mitarbeiter zwar keine vollbringen. Aber die Madonna schenkt ihnen die Kraft, die sie brauchen, um den kranken, alten und hilfsbedürftigen Menschen in El Alto Halt geben zu können. Den haben vor allem die geschundenen Kinderseelen im "Casa del nio" (Kinderhaus) nötig, die Opfer von Gewalt und Missbrauch geworden sind.

1978 kam Obermaier nach Bolivien. Unter anderem wurde er 2004 zum "Mann des Jahres" gewählt, weil er im sogenannten Gas-Krieg Verwundete aus den Schützengräben holte und mit seiner Ambulanz ins Krankenhaus schaffte. In 34 Jahren Missionsarbeit werden ihm viele kleine Wunder zugeschrieben.

Für die großen Wunder ist in Bolivien die Jungfrau von Copacabana zuständig. Ihre Geschichte reicht bis 1580 zurück. Damals soll sie einem Inka-Nachfahren im Schlaf erschienen sein. Der schnitzte die Marienerscheinung nach dem Aufwachen sofort in Holz. Viele Jahrzehnte später soll ein Seefahrer im Atlantik in einen Sturm geraten sein und die Jungfrau um Beistand gebeten haben. Wenn er lebend an Land kommt, werde er ihr eine Kapelle bauen, gelobte er im Stoßgebet. Der Mann schaffte es, wurde in Rio an den Strand gespült - und dieser heißt seither ebenfalls Copacabana. 1925 sprach der Papst die Madonna heilig. Zu ihren Ehren wurden unter anderem in Madrid, Rom, Panama und Quito Kapellen errichtet.

Stiftung "Bolivienhilfe Padre Obermaier e.V.", Kontakt: Hans Obermaier, Tel. 08031/3043 632. Spenden: Kath. Kirchenstiftung St. Nikolaus, "Bolivienhilfe, P. Obermaier", Hypo-Vereinsbank Rosenheim, Konto 6 210 109 682, BLZ 711 200 77 (auf Wunsch werden Spenden bei entsprechendem Vermerk projektbezogen verwendet).

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser