Peter Ludwig: "Wasserburg mon amour"

Peter Ludwig am Flügel. Foto Janeczka

Wasserburg (wz) - Peter Ludwig hat einen stimmungsvollen Film gedreht, der von Klavierimprovisationen, Geschichten und Chansons live begleitet wird. Darin vereinen sich Musik, Bilder und Poesie zu einer Liebeserklärung an die Innstadt.

Darin vereinen sich Musik, Bilder und Poesie zu einer Liebeserklärung an die Innstadt. Premiere hat "Wasserburg mon amour" am Dienstag im Rathaussaal.

Herr Ludwig, eine Stadt als die Liebe Ihres Lebens? Was sagt Ihre Frau dazu?

Wir haben uns längst arrangiert und befinden uns sozusagen in einer Ménage à trois, also einer klassischen Dreierbeziehung: die Stadt, meine Frau und ich. Mittlerweile lebe ich 20 Jahre hier, meine Frau Frauke Liesenborghs nicht ganz so lang. Auch ihre Zuneigung zu Wasserburg ist über die Jahre entsprechend gewachsen.

Sie stammen doch eigentlich aus Brannenburg bei Rosenheim. Was genau verursacht diese Anziehungskraft auf einen "Zugezogenen"?

Wasserburg ist für mich die kleinste denkbare Stadt. Man kann alles zu Fuß erreichen und hat alles, was man braucht. Entscheidend aber sind die Menschen. Wasserburg ist für mich ein "Seelenbiotop" und zugleich eine gestenreiche Stadt mit großer Herzlichkeit. Es wird einem vertraut und man vertraut auch den Leuten.

Als Künstler sind Sie natürlich bekannt. Die Wasserburger selbst empfinden Sie eher als scheu bis zurückhaltend. Was halten Sie von den Bewohnern?

So wie die Stadt schätze ich die Liebenswürdigkeit ihrer Menschen. Ansonsten ist das meine Person. Es fällt mir nicht leicht, Kontakt zu knüpfen. Schon als Kind war ich eher scheu und schüchtern, das ist auch heute noch so. Aber auf der Bühne fällt alles von mir ab.

Herr Ludwig, hier können Sie drei Dinge an Wasserburg besonders loben.

Da ist zunächst die Nähe zu den Menschen und zu allem was man braucht. Das schafft Vertrauen. Dann folgt der Inn. Das fließende Wasser und sein wechselndes Farbenspiel inspirieren mich immer wieder neu. Und natürlich mein unmittelbares Lebensumfeld auf der Burg als Teil meines persönlichen Erfolges.

Und was hätten Sie gerne geändert?

Da gibt es stimmungsabhängig ganz viel, sei es nun der heftige Verkehr, der sich hindurchwälzt oder die vielen Motorräder, die an den Sommerwochenenden den Marienplatz zuparken. Doch letzten Endes sind es nur meine Launen; und genau betrachtet ist nichts wirklich eine Katastrophe.

In "Wasserburg mon amour" rückt auch Paris immer wieder in den Mittelpunkt. Gibt es Berührungspunkte zwischen Kleinstadt und Millionenmetropole?

Die Lieder dazu wurden in Paris geschrieben. Beide Städte sind für mich Orte, um sich zurück zu ziehen. Paris hat seine Quartiers, kleine Stadtviertel, die alles haben und zu mehreren wiederum ein Arrondissement bilden. Wasserburg ist so ein "Quartier", das mit meinem Lieblingsviertel in Paris nahezu identisch ist. Pariser, die Wasserburg kennen, unterschreiben das ohne jeden Vorbehalt. Und wer einmal länger woanders gewesen ist, der weiß, was er an Wasserburg hat.

Normalweise haben Pianisten, auch wenn sie einen Film begleiten, Noten mit dabei. Wo sind Ihre Notenblätter?

Die Notenblätter sind bei meinen Konzerten immer bei mir im Kopf. Die Arbeit an diesem Film hat über ein Jahr gedauert. Da wollte ich meine künstlerische Freiheit nicht zusätzlich noch aufgeben. Lieber gehe ich das Risiko ein und sehe was herauskommt. Das ist Improvisation pur, erleben was passiert im Hier und Jetzt.

Herr Ludwig, Ihr Film soll auch etwas von den Geheimnissen Wasserburgs enthüllen. Verraten Sie uns davon etwas vorneweg?

Wasserburgs größtes Geheimnis ist wohl der Inn: wild und mörderisch, dann aber wieder sanft und entspannt. Als Fluss liefert er uns Energie, messbar in Megawatt als Strom und für mich noch bedeutsamer messbar als Kraft fürs Leben. Und er verbindet uns auch mit dem Meer. Das weckt eine Sehnsucht, die ein Teil meines neuen Programms ist.

Interview Wolfgang Janeczka

Quelle: rosenheim24.de

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