Nach Streik bei Alpenhain in Pfaffing

Arbeitnehmer kritisieren „irreführende Behauptungen“ - Alpenhain bezieht Stellung zu Vorwürfen

Streikende am Mittwoch (30. September) bei Alpenhain: Seit dem frühen
Morgen haben sich alle drei Schichten an der Arbeitsniederlegung beteiligt,
so die NGG. Die Folge war ein kompletter Stillstand im Werk.
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Streikende am Mittwoch (30. September) bei Alpenhain: Seit dem frühen Morgen haben sich alle drei Schichten an der Arbeitsniederlegung beteiligt, so die NGG. Die Folge war ein kompletter Stillstand im Werk.

Pfaffingen - Der Konflikt beim Pfaffinger Käseproduzenten Alpenhain spitzt sich zu: Nach dem Beginn eines 24-stündigen Streiks werfen nun die Betriebsräte dem Unternehmen vor, die Situation im Werk durch „irreführende Aussagen“ verzerrt darzustellen. Kurz darauf hat jetzt auch die Alpenhain Käsespezialitäten GmbH über ein Statement veröffentlicht:

Update, 17.47 Uhr -Stellungnahme der Geschäftsführung der Alpenhain Käsespezialitäten GmbH


Pressemitteilung Alpenhain Käsespezialitäten GmbH

Vorschläge zu einem neuen Vergütungskonzept


In der Pressemeldung wird der Betriebsratsvorsitzende Mehmet Bozkurt folgendermaßen zitiert:

„Alpenhain behauptet, an einer innerbetrieblichen tariflichen Lösung mit der Arbeitnehmervertretung interessiert zu sein. Tatsächlich hat die Geschäftsführung bereits zehn Vorschläge für entsprechende Betriebsvereinbarungen abgelehnt.“

Dazu stellt die Geschäftsführung der Alpenhain Käsespezialitäten GmbH fest: „Diese Aussage stimmt nicht. Wir haben keine zehn Vorschläge abgelehnt. Es kann keine innerbetriebliche tarifliche Lösung geben. Tariflösungen sind nur zwischen Alpenhain und der Gewerkschaft möglich.

Wir sind weiterhin an einer innerbetrieblichen Lösung bezüglich eines neuen Vergütungskonzeptes interessiert. Eine solche Betriebsvereinbarung ist mitbestimmungspflichtig. Daher wurde auch eine Projektgruppe gebildet, in welcher der Betriebsrat vertreten ist. Der Betriebsrat hat bisher keine Vorschläge zu einem neuen Vergütungskonzept vorgelegt. Die Geschäftsführung wird dem Betriebsrat dagegen demnächst einen – mit der Projektgruppe erarbeiteten - Vorschlag vorlegen.“ 

Vorwurf der Gehaltskürzungen rund um Corona-Quarantäne-Fälle

In der Pressemeldung wird behauptet:

„Das Unternehmen habe sich sogar über Beschlüsse einer externen Einigungsstelle hinweggesetzt. So seien Beschäftigten, die sich nach Aufenthalten in Corona-Risikogebieten in Quarantäne begeben mussten, Löhne vorenthalten wurden – obwohl dies ein richterlicher Vergleich vorsehe.“

Dazu stellt die Geschäftsführung der Alpenhain Käsespezialitäten GmbH fest: „Das Unternehmen Alpenhain hat mit dem Betriebsrat eine Vereinbarung getroffen über die Behandlung von Rückkehrern aus Risikogebieten. Dies liegt etwa zwei Monate zurück. Die Corona-Thematik beinhaltet eine erhebliche Dynamik, die sämtliche Annahmen, die zu dieser Vereinbarung führten, obsolet gemacht hat. Vor diesem Hintergrund sieht das Unternehmen Alpenhain zwingenden Anpassungsbedarf und ist mit einem entsprechenden, zwingend notwendigen Anpassungswunsch an den Betriebsrat herangetreten. Der Betriebsrat hat sich diesem Thema in Gänze verschlossen.“

Anzahl der Streikenden

In der Pressemeldung wird behauptet, das Unternehmen spiele die Teilnehmerzahl am aktuellen Streik herunter. Die NGG schreibt weiter, „dass sich seit Mittwochmorgen die Beschäftigten aller drei Schichten am Ausstand beteiligt haben. Pro Schicht sind aktuell rund 40 Mitarbeiter zugeteilt“. Der Streik habe zu einem 24-stündigen Stillstand im Werk geführt, der bis Donnerstagmorgen (1. Oktober) andauere.

Dazu stellt die Geschäftsführung der Alpenhain Käsespezialitäten GmbH fest: „Diese Aussage ist nicht korrekt. Wir haben keinerlei Aussagen zu der Zahl der aktuell Streikenden gemacht. Das hat einen einfachen Grund: Der Streik läuft ja noch. Aktuell hat gerade einmal die zweite von drei Schichten begonnen. Es ist daher aktuell nicht möglich, Aussagen über die Zahl der Streikenden zu machen.

Was den angeblichen Stillstand im Unternehmen angeht: Richtig ist, dass mehrere Produktionslinien im Unternehmen stillstehen.“

Meinung zur Androhung weiterer längerer Streikmaßnahmen durch die NGG

„Unsere Haltung zum Thema Streik ist unverändert: Wir bevorzugen weiterhin eine innerbetriebliche Lösung im Interesse der MitarbeiterInnen und des Unternehmens. Die Position der NGG und neuerliche Streikandrohungen halten wir insbesondere in schwierigen Corona-Zeiten für verantwortungslos. Wir betonen auch noch einmal, dass Arbeitsniederlegungen und Produktionsausfälle schwerwiegende wirtschaftliche Folgen für das Unternehmen haben könnten.“

Pressemitteilung Lewis / Alpenhain Käsespezialitäten GmbH

Erstmeldung, 16.25 Uhr - Pressemitteilung Gewerkschft NGG zum Streik bei Alpenhain

Die Beschäftigten des Pfaffinger Käseherstellers Alpenhain treten erneut in den Streik. Durch die Arbeitsniederlegung am frühen Mittwochmorgen kommt die Produktion im Werk für 24 Stunden zum Erliegen.

Die Pressemitteilung im Wortlaut:

„Alpenhain behauptet, an einer innerbetrieblichen tariflichen Lösung mit der Arbeitnehmervertretung interessiert zu sein. Tatsächlich hat die Geschäftsführung bereits zehn Vorschläge für entsprechende Betriebsvereinbarungen abgelehnt“, sagt Betriebsratsvorsitzender Mehmet Bozkurt.

Das Unternehmen habe sich sogar über Beschlüsse einer externen Einigungsstelle hinweggesetzt. So seien Beschäftigten, die sich nach Aufenthalten in Corona-Risikogebieten in Quarantäne begeben mussten, Löhne vorenthalten wurden – obwohl dies ein richterlicher Vergleich vorsehe, unterstreicht Bozkurt.

„Außerdem versucht Alpenhain, den Arbeitskampf durch angeblich niedrige Teilnehmerzahlen herunterzuspielen. Fakt ist, dass sich seit Mittwochmorgen die Beschäftigten aller drei Schichten am Ausstand beteiligt haben. Pro Schicht sind aktuell rund 40 Mitarbeiter zugeteilt“, ergänzt Betriebsrats-Vize Rudi Vogel. Der Streik habe zu einem 24-stündigen Stillstand im Werk geführt, der bis Donnerstagmorgen (1. Oktober) andauere. Belegschaft, Betriebsrat und die Gewerkschaft NGG zögen an einem Strang.

Daran ändere auch die Darstellung von Alpenhain nichts. Hintergrund: Betriebsrat und NGG drängen seit mehr als einem Jahr auf den Abschluss eines Tarifvertrags für die rund 450 Beschäftigten in Pfaffing (Landkreis Rosenheim). Alpenhain solle sich hierbei an den Branchenstandards für die bayerische Milchwirtschaft orientieren.

Das Unternehmen, bundesweit als Hersteller von Obazda und McDonald’s-Lieferant bekannt, habe auf Gesprächsangebote bislang nicht reagiert. „Entgegen eigener Beteuerungen macht Alpenhain keinerlei Angebot beim Thema Entgelt“, sagt Betriebsratschef Bozkurt. Die unterschiedliche Bezahlung von Beschäftigten bei identischer Tätigkeit führe zu einer „nicht hinnehmbaren Lohnungerechtigkeit“.

Mittlerweile sei das Vertrauen der Arbeitnehmervertretung gegenüber der Geschäftsleitung auf einem Tiefstand angekommen. Sollte sich an der Haltung des Unternehmens nichts ändern, werde es zu weiteren, längeren Streikmaßnahmen kommen, kündigen Betriebsrat und Gewerkschaft an.

Pressemitteilung NGG

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