24-Stunden-Ausstand am Mittwoch

„Die Beschäftigten sind wütend!“ - Erneut Streik bei Alpenhain in Pfaffing

Knapp 70 Alpenhain-Mitarbeiter streikten Ende Juli 2020 in Pfaffing für eine Bezahlung nach Tarifvertrag. Am Mittwoch., den 30. September wollen die Beschäftigten dort erneut in den Ausstand gehen. Sie seien wütend, so Gewerkschaftssekretär Manuel Halbmeier (rechts).
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Knapp 70 Alpenhain-Mitarbeiter streikten Ende Juli 2020 in Pfaffing für eine Bezahlung nach Tarifvertrag. Am Mittwoch., den 30. September wollen die Beschäftigten dort erneut in den Ausstand gehen. Sie seien wütend, so Gewerkschaftssekretär Manuel Halbmeier (rechts).

Pfaffing - Am Mittwoch, den 30. September, wollen Beschäftigte des Käseherstellers Alpenhain erneut in den Streik treten. Sie fordern einen Tarifvertrag.

Die Beschäftigten des Pfaffinger Käseherstellers und Mc Donald’s-Lieferanten Alpenhain treten erneut in den Streik. Durch die Arbeitsniederlegung am frühen Mittwochmorgen kommt die Produktion im Werk für 24 Stunden zum Erliegen, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilt. „Die Beschäftigten sind wütend darüber, dass sich Alpenhain weiterhin weigert, nach Tarif zu zahlen. Sie verlangen dieselben Standards, wie sie in der bayerischen Milchindustrie gang und gäbe sind!“, sagt Gewerkschaftssekretär Manuel Halbmeier.


Streik in Pfaffing am Mittwoch: Gewerkschaft fordert Tarifvertrag für Alpenhain-Mitarbeiter - Unternehmen will „innerbetrieblich regeln“

Nach NGG-Informationen schreibe der Hersteller von Obazda, Back-Camembert und Grillkäse auch in der Corona-Pandemie gute Geschäftszahlen. Um die Nachfrage zu bedienen, gelte im Werk eine Sechs-Tage-Woche. „Durch den erneuten Arbeitskampf könnte es zu erheblichen Produktionsausfällen und auch Lieferengpässen kommen“, so Halbmeier. “Bereits seit gut einem Jahr treten die 450 Beschäftigten im oberbayerischen Pfaffing mit ihrer Forderung nach einem Tarifvertrag immer wieder in den Ausstand. Alpenhain hat Gespräche darüber bislang abgelehnt.“


„Alpenhain ist bisher sehr gut damit gefahren, innerbetriebliche Themen auch innerbetrieblich mit dem Betriebsrat zu lösen, ohne betriebsfremde Vorgaben von außen“, erklärte unterdessen ein Pressesprecher von Alpenhain gegenüber wasserburg24.de Ende Juli. „Dies soll auch zukünftig der etablierte Standard bleiben.“ Ein Tarif, wie ihn die NGG bei Alpenhain fordere, sei für ein Unternehmen wie dem ihren keine Lösung. „Wir sind sehr handwerklich geprägt, mit einer hohen Fertigungstiefe und -breite. Daher benötigen wir größtmögliche Flexibilität im Interesse der Firma sowie aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Dies könne durch einen Tarifvertrag nicht adäquat abgebildet werden. „Unsere langjährig praktizierten Vergütungskonzepte garantieren ein markt- und branchenübliches Einkommen. Auf diese Weise gelingt es uns seit Jahrzehnten, gute und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an uns zu binden.“

Man befände sie sich mit dem Betriebsrat bereits in intensiven Verhandlungen bezüglich neuer, notwendiger Arbeitszeit- und Schichtmodelle. Die Corona-Krise habe dem Unternehmen durchaus zugesetzt. Vor allem aus der Gastronomie habe es erhebliche Stornierungen gegeben. „Das aktuelle Verhalten der NGG bei Alpenhain in einer derart auch wirtschaftlich anspruchsvollen Situation sind aus unserer Sicht verantwortungslos. Streikbedingte Produktionsausfälle helfen uns in der jetzigen Situation nicht weiter“, so der Alpenhain-Vertreter und bemerkt abschließend: „Von den rund 450 Mitarbeitern waren zuletzt weniger als 80 am Streik beteiligt, dies sind unter 20 Prozent.“  

Streiks bereits seit September 2019

Bereits im September 2019 hatte es einen 24-stündigen Ausstand in dem Pfaffinger Werk gegeben. Dem folgte zuletzt Ende Juli 2020 ein weiterer derartiger Streik, an dem sich etwa 70 Mitarbeiter beteiligten. Ende August warf die NGG der Geschäftsleitung des Pfaffinger Käseherstellers zudem vor, immer härtere Bandagen gegen Arbeitnehmervertreter einzusetzen. Konkret sei am Auto von Gewerkschaftssekretär Manuel Halbmeier rechtswidrig eine Parkkralle angebracht worden. Alpenhain-Geschäftsführer Robert Winkelmann habe dies mit den Worten „Man muss die Gewerkschaft von den Mitarbeitern fernhalten. Dann geht es ihnen besser.“ kommentiert.

Die Geschäftsführung von Alpenhain ließ mit einer Stellungnahme nicht lange auf sich warten und schilderte auf Nachfrage von wasserburg24.de ihre Sicht der Dinge. Demnach habe sich Halbmeier auf dem Firmengelände aufgehalten, obwohl er laut richterlichem Beschluss vom 25. September 2019 keine offizielle Zutrittsberechtigung hatte. Nachdem er allerdings nicht auffindbar gewesen sei, hätten Geschäftsführung und Werksleitung beschlossen, dessen Auto mit einer Parkkralle festzusetzen. Das angebliche Zitat von Winkelmann sei überdies „so nicht gefallen“, sondern „sinngemäß aus einem größeren Zusammenhang konstruiert“.

hs/Pressemitteilung NGG-Region Rosenheim-Oberbayern

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