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ovb24.de stellt die Brauereien in der Region vor

Gut Forsting bei Pfaffing: Bayerns älteste Brauerei-Genossenschaft

Brauerei Gut Forsting im Landkreis Rosenheim
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Die Brauerei Gut Forsting bei Pfaffing im Jahr 1898.

Forsting (Pfaffing) - Hopfen und Malz, Gott erhalt‘s - diesen Spruch kennt jeder. Ebenso wie das Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516, ein Garant für süffiges und gutes Bier. Bayern und das bayerische Bier - eine Liebesgeschichte, die seit Jahrhunderten besteht. ovb24.de nimmt die Brauereien in der Region ein bisserl genauer unter die Lupe. Georg Lettl von der Brauerei Gut Forsting im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Pfaffing steht uns Rede und Antwort:

+++ Hier finden Sie einen Überblick über alle Brauereien der ovb24-PAY-Serie+++

Seit wann gibt es Ihre Brauerei?

Das Gründungsjahr der Brauerei ist 1871. Der Gasthof ist etwa 500 Jahre alt. Vor Erbauung der Brauerei wurde das Bier aus Burgrain bei Isen bezogen. Gut Forsting wird von einer Genossenschaft geführt.

Wie sieht die Gründungsgeschichte aus?

Bis 1916 war die Brauerei, die Gastwirtschaft sowie das dazugehörige landwirtschaftliche Gut mit 104 Hektar Grund im Privatbesitz. Viele Jahrhunderte im Besitz der Familie Schmidramsl. Martin Schmidramsl war der letzte alleinige Besitzer der Brauerei. Er liegt im Altstadtfriedhof in Wasserburg begraben. Am 30. Januar 1916 gründeten 57 Landwirte aus der Umgebung unter Federführung von Anton Stängl, dem Bürgermeister von Steinhöring, eine Genossenschaft zum Zwecke des Ankaufs der Brauerei inklusive aller Besitzungen. Seitdem wird die Brauerei in dieser Gesellschaftsform geführt und ist somit die älteste Brauereigenossenschaft in ganz Bayern.

Haben Sie einen Werbeslogan und gibt es einen prominenten Vertreter Ihrer Brauerei?

Einen Promi, der Werbung für uns macht, gibt es nicht. Allerdings kennen wir Promis, die gerne unser Bier trinken. Die beste Werbung ist das Bier im Glas. Deshalb haben wir auch keinen Slogan.

Gibt es Vereine, Mannschaften, etc., die von Ihnen gesponsert werden?

Natürlich die umliegenden Sportvereine - allerdings nur, wenn wir diese auch zu unserem Kundenkreis zählen dürfen.

Wie viele Angestellte gibt es bei Ihnen? Bilden Sie aus - wenn ja, in welchen Bereichen?

Derzeit beschäftigen wir 17 Mitarbeiter in Vollzeit. Es gibt einen Auszubildenden im Brauer- und Mälzerhandwerk.

Welche Biere stellen Sie her? 

Wir brauen 13 Biere, darunter drei Radler. Zugpferd ist eindeutig unser Export Hell. Weiter im Sortiment sind: Weißbier, Dunkles Bier, Bio-Bier Hell, Bio Hopfenpils, Xamax Lager, Dunkler Doppelbock (nur zur Fastenzeit), Frühlingsfestmärzen (zum Wasserburger Frühlingsfest), Kirtabier (Kirchweih), Weihnachtsbier (Weihnachten) und die drei Radler Hell, Dunkel und Naturtrüb. Außerdem brauen wir 23 Biere für befreundete Genossenschaften, Braumeister und Craftbeerbrauer.

Ist das Reinheitsgebot noch zeitgemäß?

Alles, was wir brauen, erfolgt im Rahmen des bayerischen Reinheitsgebotes - es ist definitiv noch zeitgemäß, da es dem Schutz des Verbrauchers dient. Wo Bier draufsteht ist auch Bier drin - darauf kann sich jeder Biertrinker in Bayern verlassen. Die Vielfalt, die sich aus der unterschiedlichen Kombination der vier Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe ergibt ist nahezu unbegrenzt. Außerdem verfügt jede Brauerei über unterschiedlichste Technik und technologische Besonderheiten, welche ebenfalls Einfluss auf Geschmack und Qualität der Biere haben.

Wie stehen Sie zur Craft-Beer-Bewegung?

Trotz der vorangegangenen Gesichtspunkte zum Reinheitsgebot finde ich die Craftbierbewegung sehr gut. Plötzlich ist Bier interessant und man befasst sich mit den unterschiedlichsten Bierstilen. Die Wertigkeit - wie beim Wein - ist deutlich gestiegen. Braut jemand Craftbier außerhalb des Reinheitsgebotes muss dies deutlich deklariert werden. Wer sowas trinkt ist, der ist dann selber schuld. Übrigens: In den USA gilt jede Brauerei unter sieben Millionen Hektoliter Ausstoß als Craftbeerbrauerei. Die Definition Craftbeer sagt also eigentlich nix aus. Jeder der „handwerklich und ursprünglich“ braut ist Craftbrauer. Wir haben also noch nie was anderes gemacht als Craftbier.

Woher beziehen Sie Ihre Rohstoffe für die Herstellung Ihrer Biere?

Die Rohstoffe beziehen wir – so weit es möglich ist – aus der Region. Wasser kommt natürlich aus dem Brunnen, Malz aus der Oberpfalz, Hopfen aus der Holledau und die Hefe kommt aus Weihenstephan. Aber nicht nur die Rohstoffe sondern diverse Leistungen kommen direkt aus der Umgebung - so rufen wir auch nur Handwerker aus dem Umland.

Stichwort Einzugsgebiet: Wo kann Ihr Bier überall erworben werden?

Unser Bier gibt es eigentlich nur direkt um die Brauerei. Radius circa 30 Kilometer und in München. Es gibt ein paar Ausnahmen. Wir liefern nach Südtirol, Berlin, Herford, Frankfurt am Main und nach Wien.

Auf welchen Festen sind Sie vertreten und welche Wirtschaften werden beliefert/stehen bei Ihnen unter Vertrag?

Viele Feste im Umland beziehen unser Bier. In Wasserburg beim Frühlingsfest sind wir Festwirt. Das ist mit Abstand das größte Fest welches wir ausrichten oder beliefern. Direkt in der Brauerei gibt es in der Fastenzeit ein Starkbierfest und immer am letzten Sonntag im August den traditionellen Bräu-Kirta mit Kellerbier wie anno dazumal und Ochsenbraten. Wir beliefern 35 Wirte, die größtenteils frei sind und sich aussuchen können, welches Bier sie verkaufen. Am liebsten ist es uns, wenn der Wirt frei entscheiden kann und sich trotzdem für uns als Bierlieferant entscheidet.

Wie viel Liter Bier werden pro Jahr bei Ihnen abgefüllt?

Wir werden heuer circa zwei Millionen Liter Bier absetzen: Das sind pro Tag 10.958 Halbe - und das rund um die Uhr. Hört sich viel an, wir sind aber trotzdem eine der kleinsten Brauereien im Umland.

Wie geht es Ihnen in der Corona-Pandemie aktuell und wie blicken Sie in die Zukunft?

Die aktuelle Lage stecken wir gut weg, weil wir den Schwerpunkt beim Absatz nicht in der Gastronomie und bei Veranstaltungen haben, sondern im Handel in den letzten Jahren deutlich zulegen konnten. Die Produktion läuft trotz Corona an der Kapazitätsgrenze.

Rückblick auf die letzten 10 Jahre: Was ist da besonderes passiert? Gab es ein besonderes Jubiläum?

In den letzten 10 Jahren haben wir unseren Bierabsatz nach Jahrzehnten des Ausstoßrückgangs wieder verdoppeln können. Es ist also eine durchaus positive Entwicklung. Dies resultiert aus der Tatsache, dass wir einige Millionen Euro in die Modernisierung der Brauerei gesteckt haben. Entsprechend hat sich die Bierqualität verbessert. Wir hätten heuer 150-jähriges Jubiläum und wollten dies eigentlich gebührend feiern. Warum das nicht geht, ist bekannt ...

Ausblick: Stellen Sie in Zukunft besondere Aktionen in Aussicht?

Besondere Aktionen sind nicht geplant. Aber - und das ist kein Witz - sobald wir wieder dürfen, gibt’s auf dem Brauereigelände Freibier für alle.

Abschließend ein Satz über Sie: Was zeichnet Ihre Brauerei aus?

Besonders macht unsere Brauerei, dass wir zufriedene Partner haben, die wissen was wir können und vor allem was nicht geht. Die Unternehmensform der Genossenschaft ist nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt sondern wir investieren erwirtschaftete Gewinne größtenteils in die Brauerei. Dadurch konnten wir in den letzten Jahren – wie bereits erwähnt – die Qualität unserer Biere auf höchstes Niveau bringen. Außerdem haben wir nur zufriedene Mitarbeiter in einem außerordentlich gutem Betriebsklima. Bei uns kommt auch der zwischenmenschliche Kontakt nicht zu kurz.

mb

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