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Wer pflegt in der Zukunft?

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Körperlich und geistig fordernd ist die Arbeit in der Pflege - attraktiv nicht unbedingt. Auch das ist ein Grund für den sich abzeichnenden Fachkräftemangel.

Wasserburg - Wasserburg hat eine sehr niedrige Arbeitslosenquote - unter anderem wegen der vielen Stellen im Pflegesektor. Dort zeichnet sich aber ein klarer Fachkräftemangel ab.

Für die Agentur für Arbeit ist die Situation eindeutig. "Egal ob Krankenhaus, Altenpflege oder Behindertenbetreuung: Es gibt überall Personalbedarf." So fasst Katharina Kristen, Pressesprecherin der Agentur, die Erfahrungen der Rosenheimer Arbeitsvermittler zusammen. Deshalb hat man dort auch eine Aktion zum "Zukunftsthema Pflege" gestartet. Derzeit gibt es in der Agentur in Rosenheim eine Bilderausstellung und am morgigen Donnerstag (13.30 bis 17.30 Uhr) einen "Marktplatz Gesundheit und Pflege", bei dem die verschiedenen Schulen und die Agentur über Jobchancen informieren.

Und die sind gut. "Jeder Absolvent bekommt im Moment eine Stelle", so Wolfgang Janeczka von der Pflegeschule am Inn-Salzach-Klinikum. Einige Häuser in der Region zahlen angeblich bereits Prämien von 1000 Euro für Vermittler, wenn eine neue Kraft ein Jahr bleibt, und ein "Begrüßungsgeld" für Wechsler, so ist an anderer Stelle zu erfahren.

"Man muss nur die Geburtenstatistik anschauen, dann weiß man, wohin die Reise geht", sagt Heidrun Engelhardt, Leiterin der Pflege-Fachschule des Landkreises in Wasserburg. Noch verzeichne ihre Schule auf die 30 Plätze "verhältnismäßig viele" Interessenten, doch die Tendenz sei rückläufig. "Auch etwas schwächere Bewerber werden künftig bessere Chancen haben", versucht sie, der Entwicklung eine positive Seite abzugewinnen.

Tatsächlich ist die eigene Ausbildung im Moment das Mittel der Wahl, um Personal zu gewinnen. Man könne dank der Schule den Bedarf beim Pflegepersonal noch decken, nur im OP-Bereich werde es schon enger, teilte die Romed-Klinik Wasserburg kürzlich mit.

Und auch im Inn-Salzach-Klinkum ist man "sehr froh um die eigene Pflegeschule", so Direktor Dr. Theo Danzl. Nachdem es Jahre gab, in denen kaum mehr Absolventen übernommen wurden, "bieten wir heuer allen an, dass sie bleiben können."

Denn auch für die psychiatrische und neurologische Klinik ist klar: "Dass es in fünf Jahren auch noch so gut ausschaut, traue ich mich nicht zu sagen." Immerhin sind auch dort die Bewerberzahlen für die Pflegeschule in den letzten Jahren deutlich gesunken. Dr. Danzl will daher vor allem mit "weichen Faktoren" werben: Kantine, Kindergarten, Fortbildungen oder Teilzeit-Möglichkeiten.

An anderen Stellen mussten für die Personalgewinnung erst neue Ausbildungs-Modelle erarbeitet werden. So bildet das Betreuungszentrum Wasserburg seit drei Jahren selbst Altenpfleger aus in Kooperation mit der Caritas-Schule in Altenhohenau. "Wir haben von außerhalb einfach zu wenig Bewerbungen erhalten", so Heimleiter Thomas Geßner. Die Bindung ans Haus über die Ausbildung habe sich bewehrt.

Geßner betrachtet die Situation ganz sachlich. Wenn der Fachkräfteschlüssel von 50 Prozent nicht mehr gewährleistet werden könne, müsse man theoretisch Heimplätze abbauen. Die würden aber für immer mehr ältere Menschen dringend benötigt.

Ähnlich schaut es in der Stiftung Attl aus. Die Behinderteneinrichtung stellt sich darauf ein, dass es noch schwieriger werden wird, Fachkräfte für die Betreuung zu finden. Auch dort setzt man momentan zum Beispiel auf die Qualifizierung von Interessenten im dualen System, also der Kombination von Arbeitseinsatz und Schule. "Aber in besonders fordernden Gruppen ist es jetzt schon schwierig, ausreichend Personal zu finden", so Direktor Wolfgang Slatosch.

So bereitet die Stiftung gerade ein Projekt vor, um Fachkräfte besser zu binden, beispielsweise auch junge Mütter über die Elternzeit hinaus. "Aber unsere Arbeit muss sicher auch finanziell interessanter werden", so Slatosch. "Da ist die politische Schiene gefragt."

"Letztlich ist es eine Frage der Attraktivität des Pflegebereiches , die sich auch über die Bezahlung definiert", sagt auch Thomas Geßner. Und Dr. Danzl sieht im Tarif auch eine Einschränkung: "Der könnte sicher ein bisschen höher sein." Einig sind sie sich in dieser Einschätzung mit der bayerischen Sozialministerin. Christine Haderthauer forderte vor wenigen Wochen im Wasserburger Rathaussaal, Pflegekräfte müssten deutlich besser bezahlt werden. Woher allerdings das Geld dafür kommen soll im Gesundheits- und Sozialsystem, das war in dieser Rede kein Thema.

Ein ganz anderes Problem steht für den Pflegedienstleiter eines Wasserburger Hauses im Vordergrund: "Die frustrierenden Hierarchien im Krankenhaus müssenabgebaut werden." Solange die Pflege-Mitarbeiter nur als "untergeordnete Hilfskräfte des Arztes" angesehen und nicht ernst genommen würden, könne der Beruf auf Dauer nicht interessant sein.

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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