Und plötzlich flog von oben ein Stein

Wasserburg - Kurzen Prozess machte eine 44-jährige Krankenschwester aus der Umgebung von Wasserburg mit den Angehörigen ihres in der Zwischenzeit verstorbenen Lebensgefährten.

Als diese im Januar vergangenen Jahres in ihrer Wohnung auftauchten, über einen längeren Zeitpunkt klingelten und sich nicht vom Grundstück entfernten, holte die Frau einen Stein aus ihrem Aquarium und warf nach der Gruppe.

Das brachte der Krankenschwester einen Strafbefehl ein, gegen den sie Einspruch erhob. Auch der angesetzte Täter-Opferausgleich scheiterte und so musste sie sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Wasserburg verantworten. Dabei räumte die Angeklagte die Tat ein, zeigte jedoch keinerlei Reue. Vielmehr war sie immer noch aufgebracht über den damaligen Besuch des Sohnes ihres verstorbenen Lebensgefährten, dessen ehemaliger Lebenspartnerin sowie deren Sohn und zweier Bekannter.

Laut Angeklagter sei der Sohn ihres Lebensgefährten mit Bekannten am Abend an der Wohnung aufgetaucht und habe seinen Vater sprechen wollen. Da dieser aber schwer krank gewesen sei und geschlafen habe, habe sie dem Sohn den Eintritt verweigert. Daraufhin habe der nicht aufgehört zu läuten. Nach einer kurzen Pause sei auch noch die ehemalige Lebensgefährtin ihres verstorbenen Freundes mit ihrem Sohn dazu gekommen und die Gruppe habe erneut geklingelt. Sie habe sich regelrecht terrorisiert gefühlt, so die Frau vor Gericht, zumal ihr achtjähriger Sohn wegen dem Dauerklingeln nicht habe schlafen können. Zur Beruhigung habe sie eine halbe Flasche Sekt getrunken. Nachdem sie die ungebetenen Besucher von ihrem Balkon aus mehrfach aufgefordert hatte, zu gehen, habe sie versucht, diese mit dem Steinwurf zu verscheuchen und zusätzlich die Polizei gerufen. Dabei sei es zu keiner gefährlichen Situation gekommen, betonte die Angeklagte.

Anders sahen es die Geschädigte und die weiteren Zeugen. Sie sagten aus, dass der Stein sie nur knapp verfehlt habe. Ein Gutachter des LKA war nach der ersten Verhandlung damit beauftragt worden zu untersuchen, ob es der Angeklagten kräftemäßig möglich gewesen ist, den Stein auf Kopfhöhe der Geschädigten zu werfen. Laut Gutachter habe es feste Vorgaben gegeben, wo die Personen zum Tatzeitpunkt gestanden hätten. Für den Wurf gäbe es unendlich viele Möglichkeiten. Für die optimale Parabel hätte die Angeklagte den Stein mit einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern unter einem Winkel von 36 Grad abwerfen müssen. Das bedeute einen Kraftaufwand von 60 Joule und das sei für die Frau machbar. Dabei wäre der Stein einen Meter hinter der Geschädigten aufgekommen und dann noch etwa vier Meter weitergerollt.

Dies stand für die Verteidigung im Widerspruch mit einer Zeugenaussage, wonach der Stein dicht neben der Schuhspitze der Geschädigten aufgekommen sei. Zudem sah die Verteidigung die Zeugen beeinflusst, stellte einen Hilfsbeweisantrag zur Vernehmung des Polizisten, der den Vorfall bearbeitet hatte, und forderte einen Freispruch.

Staatsanwaltschaft und Gericht sahen den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung als erfüllt. Dabei sei es nicht erheblich, ob die Angeklagte gezielt jemanden habe treffen wollen. Vielmehr habe sie bei den diffusen Lichtverhältnissen die Gefährdung der Personen in Kauf genommen und Glück gehabt, dass es keine Verletzten gegeben habe.

Der Steinwurf sei sicher nicht aus heiterem Himmel erfolgt, es habe eine gewisse Alkohol bestimmte Enthemmung zum Tatzeitpunkt vorgelegen und die Frau sei bisher noch nicht mit Gewaltdelikten in Erscheinung getreten, so das Gericht in seiner Urteilsbegründung, deshalb verhängte es eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, und 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit gefordert. Die Verteidigung kündigte an, in die nächste Instanz zu gehen.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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