Polizist und Lehrer gerieten aneinander

Wasserburg - Nach einer Lappalie im Straßenverkehr gerieten ein Polizist und ein Lehrer so heftig aneinander, dass der Polizist nun wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor Gericht musste.

Um sein Leben fürchtete nach eigenen Angaben ein 45-jähriger Berufsschullehrer aus Prien, als er im September auf seinem Heimweg die Bekanntschaft mit einem 48-jährigen Polizeibeamten machte, der mit seinem Pkw in Forsting in eine Einfahrt einbiegen wollte.

Aus einem für den nachfolgenden Priener unersichtlichen Grund hatte der Beamte eine Vollbremsung hingelegt. Um ihn zum Weiterfahren zu bewegen, hupte der 45-Jährige. Danach stellte der Polizist sein Fahrzeug ab, eilte auf den Priener zu, öffnete dessen Wagentür und drehte ihm den linken Arm um. Das brachte dem Polizeibeamten einen Strafbefehl wegen vorsätzlicher Körperverletzung ein.

Vor dem Amtsgericht Wasserburg legte der Polizist - der nicht in Wasserburg tätig ist - Einspruch ein, weil er nach seiner Ansicht Mittel der Verhältnismäßigkeit gewählt habe. Nach dem Setzen des Blinkers habe er die Geschwindigkeit reduziert, um langsam in die schwierige Einfahrt einbiegen zu können. Da habe sein Hintermann mit dem Hupen begonnen und nicht wieder aufgehört. Der Mann sei nicht ansprechbar gewesen. Das habe in ihm den Eindruck erweckt, dass es sich hierbei um einen Fall von überhöhtem Alkohol- oder Medikamentenkonsum handle.

Um zu dem Mann "durchzudringen", hat der Polizeibeamte nach eigenen Angaben an die Fahrzeugscheibe geklopft und den Mann angeschrien. Schließlich vermutete er einen Schlag des Prieners. Um diesen abzuwehren, habe er dessen Faust fixiert und von der Hupe ferngehalten, sagte der Angeklagte vor Gericht. Beim Ruf des Geschädigten nach der Polizei habe er den Mann darauf hingewiesen, dass er selbst Polizist sei.

Der Geschädigte blieb bei seiner Anschuldigung, dass der Angeklagte mit seinem Fahrzeug vor ihm aus unersichtlichen Gründen immer langsamer geworden sei, ehe er abrupt angehalten habe. Deswegen habe er mehrmals gehupt. Doch anstatt die Fahrbahn freizugeben, sei der Fahrer ausgestiegen, auf seinen Wagen losgestürmt und habe die Tür aufgerissen. Da er mit seinen Schülern viel zur Gewaltprävention arbeite, habe er schon ein Gespür für die Situation entwickeln können, sagte der Berufsschullehrer. Deshalb habe er um Hilfe geschrien und mit der Hupe auf sich aufmerksam gemacht.

Als er seinem Gegenüber mitteilte, er werde die Polizei verständigen, sei die Situation eskaliert. Denn der Angeklagte habe ihm gesagt, dass er selber Polizist und seit 24 Stunden im Dienst sei. Deshalb dürfe er unmittelbaren Zwang anwenden. Die Diskrepanz zwischen dem, was von einem Polizisten zu erwarten sei und dem tatsächlichen Auftreten habe ihn in einen Schockzustand versetzt, gab der Lehrer an.

Erst als sich eine nachfolgende Autofahrerin in das Geschehen eingeschaltet hatte, habe sich die Situation entspannt. Die Zeugin bestätigte vor Gericht die Angaben des Geschädigten weitestgehend. Der Angeklagte erkannte den Strafbefehl mit einer Geldbuße von 40 Tagessätzen zu je 40 Euro und einem einmonatiges Fahrverbot an. Für dienstliche Disziplinarstrafen ist das Amtsgericht nicht zuständig.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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