Positives Signal Richtung Freiberger Holding

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Der Vogeltenn in Amerang galt bisher als unbebaubare Idylle. Nun sieht eine Mehrheit die Möglichkeit einer "Ortsabrundung" an dieser Stelle.

Amerang - Der Gemeinderat hat sich zu einem positiven Signal Richtung Freiberger Holding durchgerungen. Die will die Medical Park Verwaltung nach Amerang verlegen, dafür aber Bauplätze in bevorzugter Lage.

Eine Ansiedlung der Medical Park-Verwaltung in Amerang wird unterstützt, die Ausweisung eines Baugebietes am Vogeltenn für Führungskräfte der Firma geprüft. Das beschloss jetzt im zweiten Anlauf der Ameranger Gemeinderat mehrheitlich.

Die Zuschauerränge waren wieder überfüllt, die Stimmung angespannt: Schon beim ersten Beratungstermin hatte es teils emotionale äußerungen aus Gemeinderat und Publikum gegeben. Dabei ging es den Kritikern um zwei Kernpunkte: Eine Bebauung der Flächen am Vogeltenn war bisher immer abgelehnt worden und die Verknüpfung einer Firmenansiedlung mit der Ausweisung von Bauland durch die Freiberger Holding, zu der die Medical Park AG gehört, wurde als "Koppelungsgeschäft" abgelehnt.

Nun waren Bürgermeister Augustin Voit und die Räte - nach einer nichtöffentlichen Vorberatung - sichtlich um eine Versachlichung der Diskussion bemüht. Publikumsäußerungen waren nicht erwünscht, und die rund 100 Zuhörer hielten sich auch an diese Vorgabe.

In der Sache allerdings blieben die Positionen unverändert. Voit unterstrich in seiner Einleitung noch einmal die Vorteile des von der Verwaltung vorgeschlagenen Doppelbeschlusses für die Ansiedelung und die Bauland-Ausweisung: 50 bis 70 Arbeitsplätze, die Sicherung der Apotheke über eine Verbindung mit der zentralen Medical Park-Apotheke, eine von Freiberger in Aussicht gestellte Arztniederlassung und einfach "Wachstum für Amerang", das zuletzt stagniert habe. Die Bebauung am Vogeltenn bringe der Gemeinde die Möglichkeit, die Hügelkuppe "kostenfrei" für die Gemeinde zu sichern, ebenso den Schlittenberg. Häuser auf den vorgesehenen rund sechs Parzellen wären landschaftsverträglich, war Voit überzeugt. Und es werde sichergestellt, dass die Flächen nicht frei verkäuflich seien.

Der Bürgermeister unterstrich, dass es um eine ergebnisoffene "aber ernsthafte" Prüfung der Bebaubarkeit des Vogeltenn, auf den der Ameranger Unternehmer "Zugriff" habe, gehe. Es sei auch ein Grundstückstausch denkbar, eine andere Entwicklungsachse oder die zusätzliche Ausweisung von Einheimischen-Bauflächen. Eine denkbare Aufteilung des Areals stellte er auf einem Plan vor: Von den rund 20-000 Quadratmetern würden demnach knapp 5000 Quadratmeter der Kuppe hinter dem Friedhof und 1800 Quadratmeter Schlittenberg freibleiben, der Rest Bauland werden.

Voit versprach, dass es vor der Aufnahme des Bauleitverfahrens eine intensive Vorstellung der Pläne in einer Bürgerversammlung geben wird. Dort geäußerte Einwände würden berücksichtigt. "Auch ein Bürgerbegehren wäre kein Problem", so Voit. "Mir geht es um eine sachliche Lösung."

In der ausführlichen Diskussion wurden dann die unterschiedlichen Positionen deutlich. Alle Gemeinderäte unterstrichen, für eine Medical Park-Ansiedlung zu sein und auch die entsprechende Bauland-Suche für die Mitarbeiter zu unterstützen. Allerdings wollte die SPD- und öDP-Räte nicht akzeptieren, dass sie von der Freiberger-Holding vor eine "Entweder-oder"-Situation gestellt worden seien, wie es Mathias Schmid (SPD) formulierte.

Der erinnerte daran, dass der Gemeinderat bisher immer eine weitere Bebauung am Vogeltenn abgelehnt habe: "Die käme doch ohne diese Verknüpfung für uns gar nicht in Frage." Das Vorgehen der Firma führe zur Spaltung in Gemeinderat und Gemeinde. "Wir müssen jetzt mit einem klaren Beschluss dafür sorgen, dass wir künftig in Augenhöhe verhandeln können", apellierte er an seine Kollegen.

Freiberger müsse "eine gemeinsame und verträgliche Lösung suchen" statt das Gemeinwesen zu beschädigen, forderte Konrad Fürstenberger (öDP). Der Gemeinderat könne sich nicht die Ortsentwicklung diktieren lassen, meinte Zweiter Bürgermeister Konrad Linner (SPD).

Das sahen die CSU-Vertreter ganz anders. "Ein Unternehmer stellt eben Forderungen", akzeptierte Hedwig Gießibl. Der Vogeltenn sei kein "heiliger Berg", die Bebauung dort eine Ortsabrundung. "Entweder-oder" habe man laufend, man müsse für die Gemeinde entscheiden, so Sebastian Linhuber. Dritter Bürgermeister Werner Fröwis erinnerte daran, dass die Fläche am Vogeltenn Privatbesitz sei. Bisher hätten sich die Ameranger nicht sehr dafür interessiert. Renate Stein hatte "großes Vertrauen" in Ernst Freiberger, dass er zu offenen Gesprächen und Kompromissen bereit sei.

Konrad Linner stellte den Antrag, die Ausweisung von Wohnbauflächen für Freiberger nicht nur am Vogeltenn, sondern im gesamten Gemeindegebiet zu prüfen. Das wurde von den CSU-Räten und Franz Oberloher (Freie Wähler Kirchensur) abgelehnt. In dieser Konstellation fiel dann auch mit neun gegen sechs Stimmen der Beschluss, die Vogeltenn-Ausweisung zu prüfen. Die Ansiedelung der Medical Park AG in Amerang wurde einstimmig begrüßt, die Unterstützung zugesichert.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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