Betrug statt Beschädigung

Wasserburg - Viele offene Fragen zu zwei Versicherungsmeldungen gibt es in einem Prozess gegen einen 20-jährigen Maler und Lackierer aus Wasserburg.

Mächtig Ärger hat sich ein 20-jähriger Maler und Lackierer aus Wasserburg eingehandelt, weil er sich anfänglich zu zwei vermeintlichen Missgeschicken bekannt und diese Schäden, zwecks Regulierung, an seine Haftpflichtversicherung gemeldet hatte. Später aber überlegte er es sich anders.

Nach der ursprünglichen Version hatte er im Dezember 2009 mit seiner Hand einen Sprung in der Windschutzscheibe des Pkws eines Freundes verursacht und nur einen knappen Monat später den Außenspiegel eines parkenden Fahrzeugs beschädigt. Mittlerweile waren dem jungen Mann jedoch Zweifel über den Hergang der Geschehnisse gekommen und nun musste er sich wegen Sachbeschädigung in Tatmehrheit mit versuchtem Betrug vor dem Amtsgericht Wasserburg verantworten.

Zum Gerichtstermin erschien er mit seinem Pflichtverteidiger, der mehrmals sein Unverständnis über die Zulassung der beiden Anklagen äußerte und der Meinung war, dass die Tatbestände nicht ausreichend geprüft worden seien. Aufgrund fehlender Zeugen und der möglichen Hinzuziehung eines Sachverständigen musste die erste Verhandlung unterbrochen und ein zweiter Verhandlungstag anberaumt werden.

Da beteuerte der junge Mann vor Gericht, die Beschädigung der Scheibe nicht bemerkt zu haben. Mit Freunden habe er sich an besagtem Abend an einer Tankstelle in Edling aufgehalten. Während das andere Paar ausgestiegen sei, habe er auf der Beifahrerseite gesessen und sich mit seiner Freundin im Fahrzeugrückraum unterhalten. Da habe er wohl eine ausladende Handbewegung gemacht und mit seinem Ring ein Loch in der Scheibe verursacht, sagte der 20-Jährige, der den Schaden dann auch erst im Laufe der Weiterfahrt bemerkt haben wollte.

Der Fahrzeuginhaber und seine Begleiterin sagten jedoch aus, dass an der Tankstelle eine Diskussion des Angeklagten und seiner damaligen Freundin im Wagen stattgefunden habe, in deren Verlauf auch ein Knall zu hören gewesen sei. Schon beim Einsteigen sei der Sprung in der Scheibe festgestellt worden und der Angeklagte habe sich auch gleich dafür entschuldigt. Die Schadensregulierung der kaputten Windschutzscheibe ist auch bereits erfolgt.

Anders sah es beim zweiten Vorfall aus. Hier bemerkte ein 51-jähriger Wasserburger an seinem Pkw, den er in der Dr.-Fritz-Huber-Straße geparkt hatte, den kaputten Außenspiegel. In den darauffolgenden Tagen hatte er in den Wohnblocks der Nachbarschaft Ausschau nach Zeugen gehalten und war dabei auf einen Anwohner aufmerksam gemacht worden. Der bestritt die Tat und verwies auf den Angeklagten. Augenzeugen zu dem Vorfall gab es jedoch nicht.

Nachdem der Geschädigte den Angeklagten in der Wohnung seiner damaligen Freundin aufgesucht und auch in der folgenden Zeit nicht locker gelassen hatte, habe er den Schaden schließlich seiner Versicherung gemeldet. Obwohl er sich keiner Schuld bewusst gewesen sei und sich an keine Beschädigung des Fahrzeugs erinnern konnte, habe er angegeben, dass er sich an einem Wagen festgehalten habe, um einen Sturz zu vermeiden, sagte der Angeklagte.

Die doch recht widersprüchlichen Zeugenaussagen vor Gericht reichten hier schließlich nicht für eine Verurteilung aus. Die Verurteilung wegen Betrugs beruhte allein auf Grund der Einlassung des Angeklagten, der nun wegen Sachbeschädigung in Tatmehrheit mit versuchtem Betrug einen Dauerarrest von zwei Wochen absitzen muss und die Kosten des Verfahrens trägt.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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