Wenn der Vater mit dem Sohne...

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Wasserburg - Der direkte Heimweg war versperrt, die Alternativroute auch. Das zerrte an den Nerven von Vater und Sohn, ließ einen Straßenbauer auf der Motorhaube landen und endete im Gerichtssaal.

Alle Wege führen bekanntlich nach Rom, aber längst nicht alle nach Schnaitsee. Diese Erfahrung musste ein 22-jähriger Student machen, als er im April des vergangenen Jahres seine Eltern vom Flughafen abgeholt hatte und auf dem Heimweg feststellte, dass die direkte Zufahrt von der B304 nach Schnaitsee gesperrt war.

Ortskundig versuchte der junge Mann anschließend über Schleichwege, sein Ziel zu erreichen. Doch wenige Kilometer später geriet sein Plan ins Wanken, denn zwischen Stephanskirchen und Kirchensur war die Fahrspur der B 304 für den Verkehr in Richtung Traunstein gesperrt und Schnaitsee schien in weite Ferne zu rücken.

Dies stellte die Geduld des Vaters, eines 52-jährigen Steuerberaters auf eine harte Probe. Um sich die weiträumige Umleitung zu ersparen, wies er seinen Sohn an, die Sperrung zu ignorieren, um bei Kirchensur einen erneuten Versuch in Richtung Schnaitsee zu starten. Doch auch hier war die Zufahrt nicht möglich und zudem versperrte eine Fräsmaschine den Weg. Beim Versuch, auf der Gegenfahrbahn daran vorbeizufahren war dann endgültig Endstation, denn ein Straßenarbeiter hielt das Fahrzeug an und forderte den Fahrer auf umzukehren.

Mit den Worten "Habt's ihr denn einen Vogel, wie sollen wir denn nach Schnaitsee kommen?" öffnete der 52-Jährige das Beifahrerfenster und äußerte seinen Unmut gegenüber dem Mitarbeiter einer Straßenbaufirma , der kurze Zeit später auf der Motorhaube des Fahrzeugs landete.

Wie der 58-jährige Kraftfahrer dahin gekommen war, musste das Amtsgericht Wasserburg klären. Hier musste sich der Sohn wegen versuchter Nötigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und unerlaubtem Entfernen vom Unfallort verantworten. Dem Vater wurde Beleidigung in Tatmehrheit mit Anstiftung zur Nötigung und zur gefährlichen Körperverletzung, sowie unerlaubtes Entfernen vom Unfallort zur Last gelegt.

Vater und Sohn räumten die Missachtung der Straßensperrung ein, bestritten jedoch die weiteren Tatvorwürfe. Laut ihren Angaben, hatte sie der Straßenarbeiter aufgehalten und nach einem Wortgefecht mit dem Vater habe er sich provokativ rücklings auf die Motorhaube ihres Wagens gesetzt, um sie am weiterfahren zu hindern. Da Gegenverkehr gekommen sei, habe der Vater den Sohn aufgefordert: "Fahr zua!" und in Richtung des 58-Jährigen habe er gerufen: "Schleich di, sonst passiert was". Da das Fahrzeug immer näher gekommen sei, habe sich der Arbeiter schließlich seitlich von der Motorhaube gedreht und habe dann am Straßenrand zum Handy gegriffen, während sie die Fahrt fortgesetzt hätten. Von einem Unfall wollten die beiden nichts bemerkt haben. Der Besuch der Polizei kurze Zeit später habe sie dann völlig überrascht.

Dem gegenüber stand die Aussage des 58-jährigen Arbeiters, der das Zusammentreffen völlig unterschiedlich schilderte. Er sei auf das Fahrzeug zugegangen, um es am Weiterfahren zu hindern. Doch anstatt anzuhalten, sei der Student mit geringer Geschwindigkeit auf ihn zu gefahren und habe ihn trotz dreimaligen Zurückweichens mehrmals leicht an den Schienbeinen berührt. Während dessen habe der Vater vom Fahrzeug aus seine Beschimpfungen fortgesetzt und den Sohn aufgefordert "fahr zua, fahr ihn um". Daraufhin habe der Sohn erneut Gas gegeben und durch den Aufprall sei er seitlich von der Motorhaube gerollt. Dabei habe er sich eine Innenbanddehnung und einen Meniskusriss zugezogen. Anschließend habe der Bauleiter die Polizei verständigt.

Wenig später habe der 52-jährige Angeklagte zweimal an der Baustelle angerufen, 15 Kisten Bier versprochen, wenn die Sache nicht zur Anzeige käme und gedroht, dass man "eh nix machen" könne, da er genügend Zeugen hätte. Den ersten Teil dieser Aussage bestätigte der Angeklagte auf Vorhalt, die Drohung wies er jedoch strikt von sich.

Die beiden Arbeitskollegen, die als Zeugen vor Gericht erschienen, bestätigten den Tathergang weitestgehend, jedoch gaben beide an, den Geschädigten rücklings auf der Motorhaube gesehen zu haben und widersprachen somit deutlich der Version des 58-Jährigen, der stets behauptet hatte, dass der Aufprall frontal stattgefunden habe.

Nach einem Rechtsgespräch wurde das Verfahren gegen den Sohn mit einer Geldauflage von 300 Euro und gegen den Vater mit einer Geldauflage von 500 Euro vorläufig eingestellt. Zudem konnte sich der 22-Jährige seinen Führerschein wieder abholen.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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