Prozess: Weihnachtsfeier endet mit Schlägerei

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Wasserburg - Ein 26-Jähriger muss sich jetzt wegen des Verdachts der vorsätzlichen Körperverletzung vor Gericht verantworten. Er hatte auf einer Weihnachtsfeier eine Schlägerei angefangen.

Die Weihnachtsfeier eines Sportvereins in einer Diskothek im Umkreis von Wasserburg werden alle Beteiligten so schnell nicht vergessen. Am 12. Dezember entwickelte sich zu fortgeschrittener Stunde in den Gasträumen des Lokals ein Disput über die Einhaltung des Rauchverbots, der zusehends zu einem handfesten Tumult eskalierte und schließlich in der Räumung des gesamten Lokals gipfelte. Denn während der Auseinandersetzungen hatte ein Gast gedroht, seine Knarre zu holen und "alles niederzuknallen".

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten es die Wirtsleute immer geschafft, Streitigkeiten ohne Polizei auszuräumen. Doch der angedrohte Amoklauf und die ausgebrochene Hysterie der Gäste erforderten erstmals in der 26-jährigen Wirtsgeschichte den Ruf nach den Gesetzeshütern.

Dies wurde einem 29-jährigen Metallbauer zum Verhängnis, der mit von der Partie war und sich, trotz mehrmaliger Aufforderung, nicht an das Rauchverbot halten wollte. Als ihm der Kellner Lokalverbot erteilte, kam es zu einem größeren Handgemenge, in dessen Verlauf der Kellner aus dem Mundwinkel blutete, die Wirtin gegen die Tür gestoßen wurde und sich der Metallbauer eine gebrochene Nase zuzog. Dies brachte dem jungen Mann einen Strafbefehl über 80 Tagessätzen zu je 40 Euro ein, gegen den er jedoch aufgrund seiner geänderten Einkommensverhältnisse einen beschränkten Einspruch auf die Rechtsfolgen eingelegt hatte.

Nun musste er sich wegen des Verdachts der vorsätzlichen Körperverletzung in zwei tatmehrheitlichen Fällen vor dem Amtsgericht Wasserburg verantworten. Dabei zeigte sich der Angeklagte reumütig und räumte den Tathergang weitgehend ein. Allerdings betonte er, eher unversehens in die Situation hineingeschlittert zu sein. Nachdem der Kellner mehrere Personen schon mehrmals auf das Rauchverbot hingewiesen habe, sei "Stress absehbar gewesen" sagte der Angeklagte. Deshalb habe er beschlossen, das Lokal zu verlassen.

Er habe bereits Jacke und Autoschlüssel in der Hand gehabt, als die Tür zur Disco aufgegangen sei und sich plötzlich ein Handgemenge mit rund 15 Leuten entwickelt habe, bei dem auch mehrmals auf ihn eingeschlagen worden sei. Dabei habe er sich dreimal die Nase gebrochen. Deshalb sei er so mit sich selbst beschäftigt gewesen, dass er gar nicht mehr gezielt habe schlagen können. Später sei er darüber erschrocken, dass er den Kellner mit einem Faustschlag verletzt sowie die Wirtin an den Türrahmen gestoßen und ihr somit einige Prellungen und Hämatome zugefügt habe.

Die Verteidigung gab zu bedenken, dass der Angeklagte bei einer Schlägerei vor rund eineinhalb Jahren einen Schädelbruch erlitten habe, an dem er beinahe gestorben wäre und an dessen Folgen er noch heute leide. Mehrere Gäste hätten nach draußen gedrängt und gleich zu Beginn habe der Angeklagte einen Schlag abbekommen. Aufgrund der Ereignisse vor eineinhalb Jahren sei er regelrecht traumatisiert gewesen, deshalb sei es wohl auch zu dieser Überreaktion gekommen. Zudem hätte der Angeklagte das Lokal unbehelligt verlassen können, wenn nicht wegen dem vermeintlichen Amokläufer die Polizei gerufen worden wäre.

Auch die Geschädigten betonten vor Gericht, dass sie kein Interesse an einer Strafverfolgung hätten. Allerdings forderte die Wirtin den Angeklagten auf, ihr Lokal künftig zu meiden. Zudem solle er sich überlegen, was er angestellt habe, denn sie habe jede Menge Unannehmlichkeiten durch diesen Vorfall gehabt und könne sich nicht vorstellen, dass die Gäste dieses Abends nochmal bei ihr feiern würden.

Da der Angeklagte noch arbeitsunfähig ist, plädierte die Verteidigung für eine Strafe von 50 Tagessätzen zu je 15 Euro, und auch das Gericht hielt dieses Strafmaß für ausreichend, zumal der Angeklagte bei dieser Auseinandersetzung selbst erheblich verletzt worden sei. Die Staatsanwaltschaft hatte 60 Tagessätzen zu je 15 Euro gefordert.

ca/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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