Qualitätsgetreide ist Mangelware

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Pausenlos bekommt Futtermittelhändler Josef Grandl derzeit neue Getreidelieferungen, Backqualität hat das Getreide selten.

Wasserburg - Zu spät kam für viele Bauern das vergangene Schönwetterwochenende. Ihre Getreideernten zeigen sich von den Wetterkapriolen dieses Sommers stark in Mitleidenschaft gezogen.

Das ist besonders für die Produzenten von Qualitätsgetreide ein Problem.

Beinahe im Minutentakt treffen neue Getreidelieferungen am Hof von Josef Grandls in Öd bei Soyen Futtermittelbetrieb ein. Die Bauern bringen ihre Getreideernte - zumindest das, was davon übrig ist. Denn die Bestände haben unter den Wetterkapriolen dieses Sommers stark gelitten. Um 15 bis 20 Prozent sind die Erträge im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, und was jetzt noch geerntet wurde, ist von schlechter Qualität. "Die Getreideernte ist jetzt eigentlich abgeschlossen, aber der größte Teil ist längst ausgewachsen. Backqualitäten sind, wenn überhaupt, nur in geringem Maß vorhanden", erklärt Josef Grandl.

Die Umstände der diesjährigen Getreideernte sind für die Bauern der Region Wasserburg zwar ärgerlich - teilweise musste wegen der hohen Feuchtigkeit auf den Feldern sogar mit Mähdreschern mit Raupenfahrwerk gearbeitet werden - existenzieller Natur sind die Probleme aber nicht, beschreibt Josef Grandl die Situation. Da dieses Jahr der Preis für Futtergetreide im Vergleich zum Vorjahr wieder gestiegen sei, hielten sich die finanziellen Schäden trotz geringerer Menge in Grenzen.

Zudem dient das Getreide hauptsächlich als Nebenprodukt. Im Vordergrund steht das Stroh, das in den modernen Laufställen zum Einstreuen gebraucht wird. Die Strohmenge ist laut Grandl dieses Jahr vergleichsweise hoch.

Auch für die Grundfuttermenge ist das Getreide nebensächlich. Entscheidend dafür ist in der Region der Mais, und der hat sich, so der Futtermittelhändler nach einer kurzen Schwächephase Anfang Juli überraschend gut erholt. "Da der Mais kurzzeitig nicht gut ausgesehen hat, haben einige Bauern bereits frühzeitig ihr Getreide zu Ganzpflanzensilage verwertet, um die Versorgung ihrer Tiere zu sichern", nennt Grandl einen weiteren Grund für den Rückgang bei der Futtergetreideernte.

Wer sich allerdings mit der Produktion von Qualitätsgetreide ein zweites Standbein geschaffen hat, beispielsweise die rund 40 Bauern, die die Drax-Mühle in Rechtmehring beliefern, ist stärker betroffen. Je nach Getreidesorte ist der Ertrag im Vergleich zum Vorjahr auf die Hälfte bis ein Drittel gesunken. "Wir beziehen unser Getreide nur aus der Region, aber was vergangenes Wochenende noch geerntet wurde, kann ich nicht mehr verwerten", erklärt Monika Drax, Betreiberin der Drax-Mühle. Sie verbringt viel Zeit im Labor, um die Lieferungen auf ihre Backfähigkeit hin zu untersuchen. Viele Bauern musste sie aber samt Ernte wieder wegschicken.

Grundsätzlich gilt: Je höher die Qualität des Anbaus, desto niedriger die Ertragsmenge. Wenn dann am Ende etwa hochpreisiger Dinkel nicht mehr zur Herstellung von Mehl geeignet ist und deshalb als Futtergetreide zu einem deutlich niedrigeren Preis verkauft werden muss, sind finanzielle Einbußen nicht zu verhindern.

von Johannes Mitterer/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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