Wie der Bund Naturschutz trotzdem weiter kämpft *Mit Voting* 

Nach jahrelangem Tauziehen: Ramerbergs Gewerbegebiet kommt

+
Auf dieser Wiese nahe der B15 in Sendling-Ost wird das Gewerbegebiet entstehen. 
  • schließen

Ramerberg - Nun ist es fix: Nach mehr als sieben Jahren Diskussionen, Auslegungen und Gutachten steht fest, dass das Gewerbegebiet in Sendling-Ost nahe der B15 in Richtung Kloster Attel realisiert wird. 

Am Dienstagabend des 4. Juni stand der Satzungsbeschluss zum Gewerbegebiet Sendling-Ost auf der Tagesordnung des Gemeinderats Ramerberg. 

"Rein formal ist das Thema endlich durch", erklärt Bürgermeister Georg Gäch am Mittwoch im Gespräch mit wasserburg24.de. Dem Bürgermeister fällt nach über sieben Jahren Debatten um Für und Wider ein Stein vom Herzen, dass diese "Endlosgeschichte" nun vom Tisch ist. 

Beschluss ohne Gegenstimmen

Seit Anbeginn der Diskussionen stand Gäch hinter dem Projekt. Er untermalt ferner die seiner Meinung nach gegebene Notwendigkeit für die Ausweisung des Gewerbegebietes, das in Ramerberg definitiv fehle. Er sieht in der Realisierung eine "Chance für Ramerberg", wolle die kleine Gemeinde langfristig selbständig bleiben. In den vergangenen Jahren seien ohnehin viele Handwerker und Kleinbetriebe mangels Flächen ausgewandert.

Der gesamte Gemeinderat sei am Ende hinter dem Projekt gestanden, der Beschluss einstimmig über die Bühne gegangen. In der Sitzung am Abend seien Gäch zufolge "nur wenig interessierte Bürger" anwesend gewesen. Gäch untermauert: "Als Bürgermeister möchte ich keine Entscheidung übers Knie brechen. Mir ist es wichtig, dass die Bevölkerung den Entschluss mittragen kann. Beim Gewerbegebiet bin ich überzeugt, dass die Mehrheit der Bürger ebenfalls hinter dem Projekt steht."  

Firma Riedl baut Standort in Ramerberg aus

Weiter gehe es laut Gäch jetzt mit der offiziellen amtlichen Bekanntmachung und der Auslegung des Projekts. In den vergangenen Jahren musste der Gemeinderat immer wieder auf seitenlange Einsprüche der Träger öffentlicher Belange reagieren. Hauptsächlich angekreidet wurde in Richtung Natur- und Denkmalschutz und die Frage der Zerstörung einer schützenswerten Landschaftsstruktur in der Nähe des Kloster Attel in den Raum geworfen. 

"Es ist freilich essentiell gerade in Zeiten des Klimawandels und des Flächenfraßes entsprechend zu reagieren. Deshalb haben wir kontinuierlich an den Plänen nachjustiert", betont Gäch. Nachbesserungen wie Grünstreifen, Ausgleichsflächen, Auflagen für die Werbeanlagen und Fledermauskästen sowie Korrekturen bei den Wandhöhen seien in die Planungen eingearbeitet worden. 

Auf einer Bruttofläche von drei Hektar und einer Nettofläche von zwei Hektar entsteht nun also das Gewerbegebiet von Ramerberg. Die Firma Riedl als Bauwerber wird dann ihr bestehendes Außenlager in der Nachbargemeinde Pfaffing auflösen und ihren Handel mit Schalungen, Gerüsten und Baugeräten vollständig in Ramerberg, wo sich der Firmensitz ohnehin schon befindet, aufbauen. Mit dem positiven Beschluss bekommen sie für ihr Vorhaben nun auch grünes Licht von Seiten der Gemeinde Ramerberg

Fraglich sei laut Gäch noch, ob sich auch die Deutsche Post mit einer Zentrale mit bis zu 80 Arbeitsplätzen in Ramerbergs neuem Gewerbegebiet ansiedeln wolle. 

Bund Naturschutz kämpft weiter und kündigt Demo an 

Das geplante Gewerbegebiet hat aber nicht nur Befürworter, sondern auch Gegner: Unterschriftenaktionen, lautstarke Proteste und eine Petition an den Landtag, die jedoch abgelehnt wurde, zeugen von jahrelanger Gegenwehr. Für den Bund Naturschutz ist das Gewerbegebiet auch mit dem Beschluss des Rats noch nicht vom Tisch. 

Es werde weiter gekämpft, mahnt Wolfgang Matschke von der Ortsgruppe Rott am Inn des Bund Naturschutzes. Man wolle eine Bebauung des Attelthals nicht hinnehmen. "Wird die Fläche erst einmal bebaut, ist einer weiteren Ausweitung des Gewerbegebiets Tür und Tor geöffnet", warnt Matschke. 

Am Freitagnachmittag des 7. Juni halten der Bund Naturschutz und eine Bürgerinitiative gegen das geplante Vorhaben in Sendling-Ost eine Kundgebung vor Ort ab - gerade jetzt wo es in die heiße Phase geht. "Der Bund Naturschutz, die Bürgerinitiative und weite Teile der Bevölkerung halten den Standort des geplanten Gewerbegebietes Sendling - Ost nach wie vor für im Sinne von Landschafts- Natur- und Kulturschutzes für nicht vertretbar", wettert Matschke. 

Ab 17 Uhr treten nahe der Einmündung der RO43 in die B15 am geplanten Standort des Gewerbegebiets als Redner der Landesbeauftragte des Bund Naturschutzes, Martin Geilhufe, sowie örtliche Vertreter des Bund Naturschutzes und der Bürgerinitiative auf.

"Fehlentwicklung in Ramerberg" 

"Gerade in der heutigen Zeit, in der Flächenverbrauch, Landschaftsschutz und 'grüne' Themen in der Öffentlichkeit als immer wichtiger angesehen werden, dürfte es eine derartige Fehlentwicklung wie in Ramerberg nicht mehr geben", ergänzt Matschke schriftlich gegenüber wasserburg24.de. 

Zur Veranschaulichung verweist er auf eine Fotomontage, die ihm eine besorgte Bürgerin habe zukommen lassen. Diese "Zeitreihe" mit der Darstellung des Gewerbegebiets, so gibt er gegenüber wasserburg24.de zu, möge zwar übertrieben sein, "die Sorge jedoch, dass es bei der derzeit geplanten Fläche nicht bleibt ist berechtigt und macht unseren Protest umso dringlicher." 

Die Fotomontage der Bürgerin.

Der Bürgermeister indes sieht das Ganze gelassen. Den Gegner stünde laut Gäch nun nach der positiven Beschlussfassung im Gemeinderat rechtlich gesehen nur mehr der Klageweg offen. Er bezweifelt, ob der Bund Naturschutz sich darauf wirklich einlassen wolle.

Ihre Meinung: 

mb

Zurück zur Übersicht: Ramerberg

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT