Es ist normal, verschieden zu sein

Raubling - Im Landkreis wird ein Teilhabeplan erstellt, um Menschen mit Behinderung umfassender am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Die erste Planungskonferenz:

Das Thema Inklusion wird im Landkreis Rosenheim jetzt offensiv angegangen. Ein Teilhabeplan wird erstellt und zum Auftakt des Planungsprozesses diskutierten rund 150 Teilnehmer auf einer Planungskonferenz zu einem Dutzend unterschiedlicher Themen. Landrat Josef Neiderhell meinte schon in seiner Begrüßung, sie alle zeigen, dass sie es Ernst meinen, Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen zu wollen.

Neiderhell forderte die Teilnehmer auf, Wünsche und Anregungen zu formulieren. Für die Menschen mit Behinderung sind 2012 und 2013 die Jahre, in denen wir die Weichen für die Zukunft stellen, so der Landrat. Begleitet und moderiert wird der Planungsprozess vom BASIS-Institut aus Bamberg. Dessen Geschäftsführer Michael John, der seit 25 Jahren Planungsprozesse betreut, lobte schon zu Beginn: Man kann mit Fug und Recht davon sprechen, dass es hier ein neues Modell gibt. Für ihn ist es das erste Projekt, bei dem eine Stadt und ein Landkreis an einem Strang ziehen.

Zu der Planungskonferenz im Raublinger Gymnasium hatten sich Menschen mit Behinderung, Angehörige sowie Haupt- und Ehrenamtliche Fachleute aus Verbänden, Vereinen, Einrichtungen, Diensten und Initiativen angemeldet. In verschiedenen Arbeitsgruppen diskutierten sie Fragen wie, was ist gut im Landkreis, was sind die zentralen Probleme und wo muss etwas verändert werden. Sie entwickelten Vorschläge und brachten Ideen ein, mussten aber auch feststellen, dass der Teufel im Detail steckt. Inhaltliche Schwerpunkte waren unter anderem die Bereiche Arbeit, Schule, Verkehr und Sicherheit, neue Wohnformen, Barrierefreiheit bei der Information und Kommunikation, Migration und Behinderung, Frühkindliche Bildung oder Berührungsängste abbauen.

Am 11. Oktober wird eine Steuerungsgruppe festlegen, welche dieser Themen weiter vertieft werden sollen. Geplant ist, mehrere Arbeitskreise einzurichten, zu denen öffentlich eingeladen wird, damit jeder Interessierte teilnehmen kann. Nach Auskunft von Jürgen Laupheimer, dem Sozialplaner des Landratsamtes, ist es vorgesehen, dass mindestens zwei Themen in gemeinsamen Arbeitskreisen von Stadt und Landkreis bearbeitet werden. Bis Februar kommenden Jahres haben die Arbeitskreise Zeit, in mehreren Treffen die jeweiligen inhaltlichen Schwerpunkte zu beraten. Am Ende steht ein vom Kreistag gebilligter Teilhabeplan, der Grundlage sein soll für die Planungen und Entscheidungen von Kreispolitik und Verwaltung sowie der Dienste und Einrichtungen der Behindertenhilfe im Landkreis Rosenheim.

Wie groß die Aufgabe der Arbeitskreise ist, zeigte Michael John vom BASIS-Institut schon bei der Planungskonferenz auf. Inklusion lenkt den Blick auf die zentrale Frage, wie kann man als Mensch mit einer Behinderung überall dabei sein. Wobei es John als kurios bezeichnete, dass Menschen über ihre Defizite definiert werden. Er schlug vor, nicht die Defizite, sondern die Fähigkeiten in den Vordergrund zu stellen und Menschen in ihrer Verschiedenartigkeit anzunehmen. John schloss mit dem Satz: Es ist normal, verschieden zu sein.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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