Rauferei endet vor Gericht

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Wasserburg - War es Notwehr oder nicht? Ein 36-Jähriger hatte sich vor dem Amtsgericht Rosenheim wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu verantworten.

Erst hatte ein 36-jähriger Kasache seine Beteiligung an einer Schlägerei am frühen Morgen nach dem unsinnigen Donnerstag in Wasserburg bestritten. Zur Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Rosenheim, Zweigstelle Wasserburg, wo er sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten musste, brachte er nun seinen eigenen Belastungszeugen mit.

Mit Verspätung begann die Verhandlung: Kurzfristig musste ein Dolmetscher organisiert werden, ein wichtiger Zeuge hatte verschlafen und auch die Notwendigkeit seines Erscheinens bezweifelt. Mit der Androhung eines Ordnungsgeldes änderte er seine Meinung und die Hauptverhandlung begann mit einstündiger Verspätung. Und dann überraschte der Angeklagte mit seinem Eingeständnis der Tat, plädierte aber auf Notwehr. Auf die Aussage seines mitgebrachten Zeugen konnte verzichtet werden.

Laut Anklage soll der Kasache nach dem UDO gegen 2.20 Uhr in der Herrengasse einen Mann ohne Grund mindestens zweimal ins Gesicht geschlagen haben. Der alkoholisierte Mann stürzte, schlug mit dem Kopf auf dem Boden auf und war bewusstlos. Beim Sturz hatte er sich zwei Beulen am Hinterkopf, Schürfwunden, eine Wunde an der Lippe und eine Gehirnerschütterung zugezogen.

Der Angeschuldigte sagte, er habe in der Bar Bier getrunken. Auf dem Weg zur Toilette hätten ihn zwei Männer gefragt, ob er Russe sei und ihn damit provoziert. Daraufhin habe es ein Geschubbse gegeben, bei dem seine Jacke zerrissen worden sei. Anschließend hätten die Männer gefragt, ob er Angst habe, mit nach draußen zu kommen. Dort hätte ihn der Geschädigte dann am Arm gepackt. Da er erst kürzlich eine Herz-OP gehabt habe und am Bauchraum noch empfindlich sei, hätte er Angst bekommen und einmal zugeschlagen. Vielleicht sei das auch nur ein Schubs gewesen. Dann sei er nach Hause gegangen.

Das Gericht bezweifelte, dass ein Schubsen mit geballter Faust möglich sei. Notwehr setze einen Verteidigungswillen voraus und es stelle sich die Frage, warum der Angeklagte mit nach draußen gegangen sei, wenn drinnen schon geschubst worden sei.

Von einem klärenden Gespräch sprach die Verteidigung, was das Gericht nicht glauben wollte. Das fände vielleicht im Büro, nicht aber in einer Bar statt.

Die Zeugen sagten aus, der Geschädigte sei stark angetrunken gewesen und habe sich nicht gewehrt.

Die Staatsanwaltschaft sah den Anklagesachverhalt bestätigt. Demnach habe der Angeklagte von seinem Recht zu lügen Gebrauch gemacht. Die Geschichte habe sich anders zugetragen und der Angeklagte habe ohne rechtfertigenden Grund und auch nicht aus Notwehr zugeschlagen. Aus seinen Vorverurteilungen habe er nichts gelernt. Eine mögliche Provokation sei keine Rechtfertigung. Drei Vorahndungen wegen Diebstahls und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz zeigten, dass er mit einer Geldstrafe nicht von weiteren Straftaten abzuhalten sei. Eine Bewährungsstrafe von fünf Monaten sei deshalb tat- und schuldangemessen.

Der Verteidiger räumte ein, dass sich die Notwehrlage nicht beweisen lasse. Die Zeugenaussagen hätten den Sachverhalt geändert, die Provokation sei nicht wiederlegt und in der Strafzumessung zu berücksichtigen. Er hielt eine Geldstrafe für angemessen, zumal eine gewisse alkoholbedingte Enthemmung vorgelegen habe.

Das Gericht verurteilte den Harz-IV-Empfänger schließlich zu 120 Tagessätzen zu 15 Euro. Es habe keinerlei Notwehrhandlung gegeben, das sei durch die Zeugenaussagen belegt. Die Geschichte sei frei erfunden, auch wenn eine Provokation nicht auszuschließen sei, hieß es in der Urteilsbegründung.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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