Eine Burg als Gotteshaus

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Auf dem nördlichen Ausläufer eines Bergrückens bei Hochhaus stand die Burg, deren Langhaus zur Kirche wurde.

Rechtmehring - Wer nach Hochhaus bei Rechtmehring kommt, begegnet dem Mittelalter: Vermutlich auf den Mauern einer alten Burg wurde die Kirche Maria Hochaus errichtet, deren Sanierung jetzt abgeschlossen wurde.

Der Ort Hochhaus wurde um das Jahr 1130 erstmals in Zusammenhang mit einer Schenkung an das Kloster Gars erwähnt. Ein Zeuge war hier ein gewisser Ascwin und desses Sohn von Hohinhus (zum Hohen Haus). Im Jahr 1201 ist der Ort als Hochhausen in einer Schenkungsurkunde für das Kloster Attel genannt.

Hier hatte das Geschlecht von Hohenhaus seinen Sitz das später nach Württemberg auswanderte - und einen Schatz zurückließ: Südlich der Burgställe wurde ein Münzschatz gefunden, dessen Silbermünzen aus der Zeit von 1183 bis 1231 stammen, und der immer noch die Fantasie von Schatzsuchern beflügelt: Erst vor einigen Tagen waren wieder Sondengänger zu beobachten, die zwar vieles an Unrat fanden, aber keine Münzen.

Aus verschiedenen Abschnitten des Barock stammt die Innenausstattung der Kirche.

Kirchengeschichtlich tritt Hochhaus in der Matrikel aus dem Jahre 1315 neben 14 anderen Kirchen als Filialort von Kirchdorf bei Haag erstmals auf. Die Kirche Maria Heimsuchung dürfte unter Benutzung der romanischen Langhausmauern mit 1,10 Meter Dicke der früheren Burg im 15. Jahrhundert erbaut worden sein. Mit Übergang des Kirchenpatronats an die Grafschaft Haag kam im Jahr 1380 die Kirche an die Pfarrei Rechtmehring.

Während der Säkularisation sollte auch dieses Gotteshaus verkauft werden. Auf Bitten der Bevölkerung wurde sie dann aber auch wegen des schlechten Bauzustandes den Filialangehörigen überlassen. Andere Diebstähle machten in der Neuzeit Sorge, so dass die Kirche 1985 eine Alarmanlage erhielt.

Die hielt aber nicht einen anderen ungebetenen Gast ab: Begonnen hat die Revovierung, die nun nach vier Jahren abgschlossen wurde, mit der Hausschwammbekämpfung. Dabei wurden Bänke, der dazugehörige Holzboden und Teile des Pflasters renoviert. Um dieses Problem für die Zukunft in den Griff zu bekommen, fand eine Langzeitklimamessung statt. Als Folge daraus wurde eine automatische Lüftungsanlage eingebaut. Die schaltet dann ein, wenn die Luftfeuchtigkeit draußen niedriger ist als drinnen.

Das Deckengemälde stellt Christi Geburt dar und wurde 1939 von Josef Albrecht gemalt.

Restauriert wurde die Raumschale mit Innenwand und Decke und letztlich die zahlreichen Figuren umfassende Innenausstattung. Ständige fachliche und auch finanzielle Begleiter waren das Landesamt für Denkmalpflege und vor allem das Kunstreferat als Teil des Ordinariates. Die Gesamtkosten der Renovierung beliefen sich auf etwa 200.000 Euro, von denen die Pfarrei 75.000 Euro aufzubringen hat. Bis auf einige tausend Euro ist das Geld auch zusammen. Die alljährliche Sternwallfahrt, der Opferstock und vor allem die zahlreichen Spenden haben dies möglich gemacht, so die Kirchenverwaltung, die sehr froh über diese Unterstützung ist.

Die Kirche ist eine beliebte Marienwallfahrtskirche. Das sieht man auch an den Inschriften an der Ostseite, die auf Wallfahrten seit dem 16. Jahrhundert hinweisen. Im Inneren sind zahlreiche Votivtafeln und Kreuze zu sehen, die auf Bitten oder gelungene Heilungen hinweisen.

Der linke Seitenaltar mit der Heimsuchung Mariens.

Vor einigen Tagen fand wie jedes Jahr zur Mariä Himmelfahrt am 15. August eine Lichterprozession statt, die rund um den Bergrücken führt, auf dem die frühere Burg steht. Jeden Sonntag um 14 Uhr wird dort Rosenkranz gebetet, den zahlreiche Gläubige auch aus den Nachbarpfarreien besuchen.

Maria Oppenrieder und Lisl Bernhard teilen sich den Schlüsseldienst. Vorher hatte die Familie Mühlhuber lange Zeit den Mesnerdienst inne. Die Kirche ist tagsüber für den Gelegenheitsbesucher bis zum Absperrgitter frei zugänglich. Als Trauungskirche wird sie nicht nur von den Heiratswilligen der Pfarrei Rechtmehring, sondern auch oft vom nahen Haag gerne genutzt.

Quelle: rosenheim24.de

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