Regen senkte Flohmarktfieber

Kauflaune behalten.

Wasserburg - Regen und Wind von allen Seiten, Kälte obendrein: Beim Nachtflohmarkt waren heuer Plastikfolien und zum Regenschirm umfunktionierte Sonnenschirme sowie Pavillons die wichtigsten Utensilien.

Für die meisten fiel das sonst so beliebte Trödeln und Feilschen ins Wasser - der Dauerregen wollte einfach nicht enden.

"Dös hot's ja überhaupt no nia geb'n, garnianet!", machte sich ein Stammverkäufer über die für den Flohmarkt-Freitagabend so gar nicht üblichen Wetterkapriolen Luft. Seit Bestehen des weitum beliebten Trödel-Highlights, also seit gut vier Jahrzehnten, könne man sich an ein so schlechtes Wetter nicht erinnern. Kurze Gewitterschauer ja, aber Dauerregen, 13 Grad und den Hauch vor dem Gesicht, "nein!"

Das Schmuddelwetter hielt viele der rund 250 Platzkartenbesitzer vom Aufbau ihres Marktstandes ab. "Doa verkaufst ja nix, und krank werst a no", meinten die meisten und die Stimmung war doch ordentlich getrübt. Selbst die ansonsten robusten Kerle von der Wasserburger Feuerwehr hatten den Aufbau ihres traditionellen Brotzeitstands abgeblasen: "Da kommen heuer keine Leute. Zuviel Aufwand für zuwenig Umsatz", hieß es.

Die Leute kamen dann zwar und waren dann meist mehr als verwundert. Wo sonst ab spätestens 16 Uhr das allbekannte Flohmarktfieber ausbricht, da war heuer so gut wie nichts. Abgekühlte Stimmung, leere Gassen und nur vereinzelt abgedeckte Kartons, die auf Flohmarkt tippen ließen und somit schlechte Karten für Schnäppchenjäger, ungläubige Gesichter und enttäuschte Blicke allenthalben. Stattdessen versuchte man, sich unter dem Regenschirm trocken zu halten. Der ein oder andere, mit vollbepacktem Auto in der Herrengasse stehend, rätselte, ob er seinen Tapeziertisch überhaupt noch aufbauen sollte.

Regenschirme und Plastikfolien waren heuer die wichtigsten Utensilien für Käufer und Verkäufer. Fotosheck

Trotzdessen: Es gab auch Hartgesottene, die sich von ihrer Händlerlaune nicht abbringen ließen und ihren Stand, wenngleich auch mit Plastikfolien und Regenschirmen verbarrikadiert, pünktlich zum Start öffneten. "Ja mei! Jetzt san ma hoit scho moi do! Und außerdem räu'n mich de 15 Euro für die Platzkarten" - man trug sein Schicksal mit Fassung. Besonders begehrt waren die trockenen Plätze unter den Arkaden, unter den Pavillons oder man zog kurzerhand in den heimischen Hausgang um. Dort, wo gehandelt wurde, waren die Stände dicht umlagert und die Verkäufer mit dem Umsatz zufrieden. Ausgediente Straßenschilder und Lederhosen, Maßkrüge und Tafelsilber, ein Rollstuhl und ein in die Jahre gekommener Fernmeldeapparat: Alle fanden ihre Abnehmer.

"Der Markt ist dann schon noch angelaufen, nur halt um zig Drehzahlen niedriger als sonst", wie Vorstand Sepp Christandl vom veranstaltenden Theaterkreis Wasserburg gegen 19.30 Uhr analysierte. Und das war auch feststellbar. Die Distanz von einem Flohmarktstand zum nächsten war ungewöhnlich lange, teilweise gar nicht mehr in Sichtweite, und es waren auch deutlich weniger Leute in der Stadt als in den Vorjahren.

Die, die sich nicht hatten abhalten lassen hätten heuer meistens einer Tasse Glühwein den Vorzug gegenüber einem kalten Bier gegeben. Die heiße Bratwurst machte dann doch wieder warm.

Leid tun konnten einem die vielen Ordner, die teilweise bis auf die Haut nass wurden, sowie auch die Leute vom Theaterkreis, die sich trotz teils herber Kritik sichtbar mühten, aus der "nassen Lage" für alle noch das Beste zu machen. Einige Verkäufer wollten auch die Platzgebühren zurück, doch das war grundsätzlich ausgeschlossen.

Die ersten Stände bauten bereits um 20 Uhr wieder ab, manche hielten es freilich mit Prosecco und Rotwein deutlich länger aus.

Und eines bestätigte sich: Wenn am Weinfest die Sonne schien, dann musste es am Flohmarkt regnen.

tro/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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