Renaturierung: "Stück Natur zurückgegeben"

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Neue Dynamik am Fluss: Altarme wurden wieder an den Inn angebunden und so vor Verlandung geschützt.

Wasserburg - Wasserburger Fischer und Naturschützer hatten im vergangenen Winter kontinuierlich im unwegsamen Gelände der Auenlandschaft am Inn gearbeitet - mit Erfolg.

Die Anstrengungen waren beim Festakt zum Abschluss der Renaturierungsmaßnahmen im Sparkassensaal vergessen. Denn in diesem Frühjahr haben Nase, Hecht und Brachse, fast ausgestorben am Inn, hier wieder ihre Kinderstube eingerichtet.

Freute sich über die gelungene Wiederbelebung der Auenlandschaft am Inn: Franz Göpfert (rechts), Vorsitzender des Kreisfischereivereins Wasserburg, der zum Festakt aus Anlass der Beendigung der Arbeiten Vertreter aller unterstützenden Verbände und Vereine sowie der Sponsoren geladen hatte.

Bilder sagen oft mehr als tausend Worte: Stolz zeigte Franz Göpfert, Vorsitzender des Kreisfischereivereins Wasserburg, Fotos von der wiederbelebten Auenlandschaft im Bereich Attler Au und Freiham: In den neuen Flachwasserzonen hat die vom Aussterben bedrohte Nase, deren Bestand von 1971 bis 2009 auf nahezu Null herabgesunken war, wieder gelaicht. Der stecknadelgroße Nachwuchs wimmelt im Nebenarm des Inns, von dem aus die Fische später in den Fluss wechseln werden. "Ein Stück Natur ist zurückgegeben worden", freute sich auch Landrat Josef Neiderhell, Schirmherr der Renaturierungsmaßnahme.

Ihren Erfolg hat sie vor allem der Tatsache zu verdanken, "dass die Beteiligten nie aufgegeben haben", ergänzte der Präsident des Fischereiverbandes Oberbayern, Alfons Blank. Dabei hätte es niemand verwundert, wenn die Aktiven die Segel gestrichen hätten. Denn der Genehmigung durch die Obere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberbayern ging ein zäher, siebenjähriger Kampf voraus.

Dass die Zustimmung zu der von Helmuth Meixner angestoßenen und von ihm intensiv betreuten Maßnahme schließlich gegeben wurde, lag nach Überzeugung von Göpfert an einer ungewöhnlich breiten Allianz renommierter Naturschutzorganisationen mit dem Kreisfischereiverein als Maßnahmenträger an der Spitze. Gemeinsam kämpften mit ihm Bund Naturschutz, Kreisgruppe Wasserburg, und der Landesbund für Vogelschutz. Die Patenschaft für die Wiederbelebung übernahm die Sparkasse Wasserburg, Unterstützung leisteten außerdem der Kreisfischereiverein Rosenheim, der Fischereiverband Oberbayern und der Landesfischereiverband, die Interessengemeinschaft der Jäger und Fischer an Inn und Mangfall und auch der Verbund, Eigentümer der Innkraftwerke.

Gemeinsames Ziel: der Flusslandschaft im Bereich Freiham und Attler Au ihre Dynamik wieder zu geben. Sie hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund der Stauhaltung durch die Wasserkraftwerke zu einem sterilen Gewässergebiet entwickelt. Überschwemmungen, in deren Verlauf sich neue Arme bilden, blieben aus, erläuterte Göpfert beim Festakt, an dem neben Vertretern zahlreicher Natur- und Umweltschutzorganisationen sowie der Sponsoren auch Bürgermeister Michael Kölbl, selber Fischer, teilnahm. Altgewässer verlandeten, Flutmulden, Zuläufe und Gräben verschwanden. Mit den Fischen wie der Nase, die flaches Warmwasser als Rückzugsgebiet und für die Neuaufzucht benötigt, zogen sich nach Informationen von Göpfert auch die Vögel und für die Auenlandschaft typische Reptilien und Pflanzen zurück.

Obwohl die Notwendigkeit zur Renaturierung allgemein anerkannt wurde, gab es ein großes Hindernis: Im europäischen Vogelschutzgebiet Freiham ist das Arbeiten mit schwerem Gerät eigentlich verboten. Saugbagger waren jedoch vonnöten, um Altarme wieder zu öffnen, Anbindungen zum Inn zu beleben. 2010 gab es endlich die ersehnte Genehmigung für die Maßnahme. Von November bis Anfang 2011 grub sich der Riesenquirl des Saugschiffes mit Bagger in den Untergrund - nachts, am Wochenende, bei Schnee und Eis arbeiteten die freiwilligen Helfer. Allein die Fischer leisteten über 1000 Ehrenamtsstunden am Inn. Etwa 400 Meter Verbindungen wurden nach Informationen von Göpfert geschaffen, 1600 Quadratmeter neue Wasserfläche erstellt, vier Hektar Altwasser an den Inn angebunden, 20.000 Kubikmeter Sediment weggepumpt. Die Maßnahmen kosteten nach seinen Angaben 125.000 Euro.

Vision des Kreisfischereivereins: die Fortführung solcher Projekte zum Erhalt und zur Schaffung neuer Lebensräume am Fluss. Dass die Energiegewinnung aus Wasserkraft eine große Bedeutung besitzt - erst Recht in Zeiten, in denen die Sensibilität für saubere Energie gewachsen ist - steht für den Vorsitzenden Göpfert fest. Das Beispiel Freiham und Attler Au habe jedoch gezeigt, dass Stauhaltung und Naturschutz sich nicht ausschließen müssten, lautete sein Fazit.

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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