Richtkrone auf 52 Metern Höhe

Meggle-Mitarbeiter hatten die Krone geklaut, nach erfolgreicher Verhandlung brachten sie sie mit Musik zurück.

Reitmehring - Einen knapp zweistelligen Millionenbetrag investiert die Firma Meggle in den neuen Sprühturm. Zur Hebfeier bekam der 52 Meter hohe Turm jetzt die Richtkrone.

Rund 50 geladene Gäste trafen sich bei Meggle zu der Hebfeier, die Dr. Thomas Roth, Geschäftsleiter Produktion und Technik, begrüßte. Und dann war erst einmal die Richtkrone weg. Und so erzählte Roth den Gästen von dem Brauch in Bayern, dem Diebstahl der Richtkrone. "Da die Krone nun erstmal weg ist, muss nun während der Reden hart verhandelt werden".

Zum Jahreswechsel für Betrieb fertig

Toni Meggle, der sich augenzwinkernd als "Assistent meiner Vorstände" bezeichnete, erinnerte an den technischen Unfall an einem der Sprühtürme im Juli letzten Jahres (wir berichteten). Damals sei Meggle unter großem Zeitdruck gestanden, um für diesen Turm Ersatzkapazitäten zu schaffen. Toni Meggle bedankte sich bei stellvertretendem Landrat Josef Huber für die "schnelle Bearbeitung des behördlichen Genehmigungsverfahrens". Somit sei das Ziel, den Turm zur Trocknung von Molke und der Herstellung anderer Pulverprodukte für die Lebensmittelindustrie so schnell als möglich, nämlich zum Jahreswechsel 2010/2011 in Betrieb nehmen zu können, erst möglich geworden.

Auch bei den Bauarbeitern, Ingenieuren, Statikern und Architekten der Firma Bilfinger Berger und des Architekturbüros Haumann & Fuchs bedankte sich Toni Meggle für ihren Einsatz während der letzten Monate und gratulierte allen zu "dieser Glanzleistung".

Christian Heilmeier, Geschäftsführer Bilfinger Berger, betonte, dass die Firma Meggle mit diesem Bauvorhaben wieder Arbeitsplätze und Stabilität für das Unternehmen in der Region schaffe. Das schnelle Wachstum der Baustelle, wo die Arbeiten im Dezember 2009 begannen, rechnete er der ausgezeichneten Zusammenarbeit aller Beteiligten zu. Und er hob hervor, dass es bisher keine Unfälle gab.

Franz Feldner vom Architekturbüro Haumann und Fuchs, beeindruckte mit einigen Zahlen zum Bau: Der Rohbau hat eine Außenabmessung von rund 16 mal 21 Metern und eine Höhe von rund 52 Metern, "eine imposante Veränderung der Skyline", so Feldner.

Toni Meggle mit Franz Feldner vom Architekturbüro Haumann und Fuchs.

Verarbeitet wurden für den gesamten Bau 2300 Kubikmeter Beton und 400 Tonnen Betonstahl. Da die Lasten noch höher sind als beim 2005 errichteten "Pharmaturm", musste eine Pfahlgründung mit tragender Bodenplatte gewählt werden. Stützenlasten von bis zu rund 720 Tonnen müssen über die Pfähle getragen werden. Als "besonderes Schmankerl" bezeichnete Franz Feldner die Planung und Umsetzung der Halbfertigteildecke auf 39,35 Metern Höhe mit einer Fläche von rund 130 Quadratmetern und einem Gesamtgewicht von 47 Tonnen. Das riesige Halbfertigteil wurde exakt nach Planung von Bilfinger Berger vor Ort gefertigt und mit einem riesigen Autokran eingehoben. Kurz vor Mittag informierte dann Thomas Roth, dass die Verhandlungen zur Richtkrone erfolgreich abgeschlossen seien und die Krone nun dem Gebäude aufgesetzt werden könne. Zwölf Mitarbeiter aus der Produktion Funktionale Produkte hatten die Krone gestohlen und brachten sie nach erfolgreicher Verhandlung mit Akkordeon-Musik und einem 50 Jahre alten Oldtimer-Traktor zur Erheiterung aller zum Turm zurück.

Thomas Blaschko, Polier von Bilfinger Berger, hatte dann in ausgefeilter Reimform einen Richtspruch parat, der mit viel Applaus gewürdigt wurde. Die Richtkrone wurde mittels eines Kranes in schwindelerregende Höhe gezogen.

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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