Ein aufwendiger fünfter Geburtstag

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Ortholf von Crailsheim (links) und Christian Domeier in der Maschinenhalle, die für das -Ritterfest am Schloss Amerang bis zum heutigen Freitag erstmals in die "Schlosstaverne" umgebaut wird.

Ameang - 500 Gaukler, Rittersleut' und holde Maiden tummeln sich ab heute, Freitag, zum fünften Mal beim Ritterfest am Schloss Amerang. Und rund 15000 Besucher.

Wir sprachen mit den Veranstaltern, Ortholf Freiherr von Crailsheim und Christian Domeier, über Anklang und Aufwand, Ziele und Zeit, Finanzen und Folgen.

Frage: Die Besucher nehmen das Ritterfest gut an. Und die Ameranger?

Antwort: Sehr gut: Die Feuerwehr hilft, die Gemeinde regelt alles Notwendige möglichst unaufwendig, die Firmen stellen uns Parkplätze zur Verfügung, heuer hat sich erstmals eine Gruppe Amerangerinnen zum Kuchenbacken bereit erklärt, viele Ameranger kommen als Besucher und einige, vor allem jüngere, sind mittlerweile solche Mittelalterfans, dass sie selber am Markt verkaufen. Allerdings versuchen wir auch, heimische Betriebe so gut es geht einzubinden. Sei es der Elektriker, der sich um alles kümmert oder das Unternehmen, das die Shuttlebusse stellt oder die Bäckerei, die eigens backt und noch etliche andere.

Frage: Wie groß ist denn an den drei Festtagen Ihr persönlicher Zeitaufwand?

Antwort: (Zweistimmiges Gelächter) Drei Tage haben 72 Stunden - ein paar Stunden Schlaf abziehen, sonst sind wir im Dauereinsatz. Auch wenn wir am Wochenende vermutlich mit 60 Leuten der größte Arbeitgeber in Amerang sind.

Frage: Und dann tun Sie sich ähnliche Veranstaltungen in Kufstein und Stein a.d. Traun an?

Antwort: Stein ist nicht so aufwendig. Da haben uns die Veranstalter des Musikfestes auf der Burg um Beratung beim Aufbau eines dazugehörigen Mittelalter-Dorfes gebeten. Und unsere Erfahrung in Amerang kam uns auch in Kufstein zugute. Das haben wir heuer erstmals organisiert, auf Vermittlung eines gemeinsamen Sponsors. Allerdings mit dem Schwerpunkt auf Familien, sodass das Fest sich lange nicht so weit in die Nacht zieht. Die Premiere war so erfolgreich, dass wir uns mit der Verwaltung der Festung Kufstein auf weitere fünf Jahre geeinigt haben.

Frage: Stunts, Feuershow, die Attraktionen werden immer mehr. Wie soll sich denn das Ameranger Ritterfest noch entwickeln?

Antwort: Das Festgelände soll nicht größer werden. Aber im Programm werden wir immer wieder änderungen vornehmen, das sorgt einfach für Abwechslung. Da wollen wir uns durchaus von anderen Mittelalterfesten unterscheiden. Zum Teil entwickeln sich die Veränderungen auch aus Ideen von Mitwirkenden oder Besuchern - zum Beispiel, dass sich alle mit Feuer hantierenden zur Feuershow zusammentun. Oder die Feldschlacht, die sich die Besucher länger wünschten und die dieses Jahr durch die Stunttruppe ergänzt wird.

Frage: Wie sieht eigentlich nach drei Tagen Ritterfest das Gelände rund um das Schloss aus?

Antwort: Kommt aufs Wetter an. Die Beteiligten und auch die Besucher sind schon rücksichtsvoll, aber 15000 Leute hinterlassen eben Spuren. Wir haben gelernt, mit Regen umzugehen, zum Teil auch Drainagen gelegt. Nach einem trockenen Wochenende reicht es, den Rasen gut zu walzen, nach einem mit reichlich Regen müssen wir neu ansäen. Aber nach wenigen Wochen ist dann nichts mehr zu sehen.

Frage: Herr von Crailsheim, so schön Schloss Amerang ist, so kostenintensiv sind Erhalt und Unterhalt des Gebäudekomplexes. Wie stellen Sie sich langfristig die wirtschaftlichen Grundlagen vor?

Antwort: Möglichst breit gefächert. Denn nur so ist es zu verkraften, wenn ein Standbein mal nicht so gut läuft. Bei den derzeit 45 Schlosskonzerten im Jahr soll es bleiben. Mit dem Winterfest lassen wir im Januar die Schlossweihnacht in modernisierter Form wieder aufleben. Das wäre die zweite Großveranstaltung neben dem Ritterfest, wobei eine Dritte denkbar wäre. Seit einigen Jahren vermieten wir Zimmer im Schloss. Sieben sind es derzeit, 15 bis 20 sollen es werden. Wir wünschen uns ein kleines Romantikhotel - damit wir auch exklusive Tagungen oder Fortbildungen von Firmen durchführen können. Ebenfalls in Planung ist ein Bistro-Restaurant in den alten Stallungen. Alles soll den Rahmen eines Familienbetriebes nicht sprengen, wie es in Frankreich, Italien, Großbritannien durchaus üblich ist. Mit der hochwertigen Reitanlage bauen wir die Landwirtschaft in der Richtung aus, die meines Erachtens nach sinnvoll für die Entwicklung des Schlosses ist. Schließlich geht bei der Forstwirtschaft außer der Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung nicht mehr viel vorwärts. Diese allerdings möchten wir vorantreiben. Wir wünschen uns auch in den kommenden 30 Jahren schöne und gesunde Wälder.

syl/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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