"Robuste Gesundheit" trotz Defizit

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Gaudi vorbei: Der Gaudibrunnen im Badria braucht nach 35 Jahren heuer eine Grundsanierung. Insgesamt müssen im Badria fast 1,5 Millionen investiert werden.

Wasserburg - Der klassische Stadtwerke-Betrieb macht im laufenden Jahr voraussichtlich einen Gewinn von 1,1 Millionen Euro. Der wird aber durch das Badria-Defizit (1,7 Millionen) mehr als aufgezehrt.

582.000 Euro Defizit weist der Wirtschaftsplan der Stadtwerke für 2011 aus bei einem Gesamtumsatz von knapp 10,5 Millionen. Zwar rechnet wohl kaum jemand damit, dass es tatsächlich so schlecht kommt. Trotzdem gab es bei der einstimmigen Verabschiedung des Zahlenwerkes im Stadtrat auch mahnende Worte.

Noch ist nicht ganz klar, wie 2010 abgeschlossen wurde. Für das vergangene Jahr wurde ein Defizit von 350 000 Euro eingeplant, voraussichtlich laufe es aber in Richtung "schwarzer Null", so Werkleiter Kurt Fritsch bei der Vorstellung der Planzahlen für 2011. In diesem Verhältnis müsse man auch die aktuellen "vorsichtigen" Ansätze sehen.

Das Problem der Stadtwerke ist bekannt: Seit der Übernahme des Badria aus dem städtischen Betrieb wird der Gewinn aus dem Stromverkauf mehr als aufgezehrt. Gut sieben Euro legen die Stadtwerke pro Badegast drauf - und ein Ende ist nicht in Sicht. Denn der Badria-Betrieb wird nicht billiger und die Gäste werden tendenziell eher weniger.

Das galt allerdings nicht im letzten Jahr: 228 000 Besucher wollten schwimmen oder saunen, fast genauso viele wie im Vorjahr. Heuer wird wieder vorsichtiger kalkuliert, nämlich mit 206 000. Und es stehen große Investitionen an im Badria: Der Beton in der Schwimmhalle und am Gaudibrunnen muss nach 35 Jahren saniert werden, Kostenpunkt 670 000 Euro. Und das Dach und die Fenster sollen energetisch verbessert werden (566 000). Mit weiteren kleineren Posten kommen 1,47 Millionen Euro heraus.

Investieren wollen die Stadtwerke auch in das Wasserleitungsnetz (rund 1 Million) und in die Stromversorgung (330 000).

Außerdem will der Wasserburger Energiebetrieb noch selbstbewusster auf dem Markt auftreten. 2010 waren zwei der größten Stromkunden zu einem anderen Anbieter abgewandert, damit war die verkaufte Strommenge um rund 40 Prozent gesunken, der Erlös um rund 25 Prozent. Gleichzeitig sind allerdings die Einnahmen aus dem Netzbetrieb gestiegen. Jetzt wollen die Stadtwerke wieder mehr Strom verkaufen und gehen damit in die Nachbargemeinden.

Ausgebaut werden sollen auch die sogenannten Nebengeschäfte. So soll beispielsweise in die Stromerzeugung in Verbindung mit der Wärmeversorgung für Gebäude durch ein kleineres Blockheizkraftwerk eingestiegen werden. Für das alles würde nach derzeitigem Planungsstand ein Kredit in Höhe von 1,9 Millionen notwendig. Damit würde die Verschuldung der Stadtwerke auf 3,7 Millionen steigen.

Trotzdem attestierte Werkreferent Helmut Schedel bei den Haushaltsberatungen im Stadtrat dem städtischen Eigenbetrieb eine "robuste Gesundheit". Schließlich werde der Stadt-Haushalt durch die abgegebene Badria-Trägerschaft massiv entlastet.

Bürgermeister Michael Kölbl sah sogar "grundsätzliche strukturelle Verbesserungen" bei den Stadtwerken. So sei die Strom-Gewinnmarge besser geworden. Erstmals könne man 80 000 Euro Einnahmen aus der Beteiligung an den Innkraftwerken verbuchen. Und die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden bei der Wasserversorgung sei für alle positiv. Das Badria-Defizit schließlich sei angesichts der vielseitigen Nutzung für Sport, Freizeit und Veranstaltungen gut vertretbar. "Die Stadtwerke sind wirtschaftlicher und ökologischer geworden", so sein Fazit.

Für die CSU mahnte Oliver Winter, der Badria-Verlust dürfe keinesfalls steigen. Aber auch er sah die Stadtwerke auf dem richtigen Weg. Markus Pöhmerer meinte für die Ausschussgemeinschaft, dass "die schwarze Null nicht unser maximales Ziel sein kann". Er forderte, dass künftig noch stärker auf regenerative Energiegewinnung und Wärmeversorgung gesetzt werde.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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