Artikelserie: "regional, nachhaltig, saisonal"

Überzeugung statt Profitgier: Mehrgenerationen-Hof in Thansau 

+
Auf dem Gemüse-, Kräuter- und Hühnerhof in Thansau bauen drei Generationen aus Leidenschaft Gemüse an. 

Rohrdorf/Thansau - Auf einem ruhig gelegenen Hof bauen drei Generationen zusammen saisonales Gemüse für sich und die Region an. Damit das Gemüse so unbelastet wie möglich ist, bedienen sich die Bewohner besonders bei der Schädlingsbekämpfung eher unkonventioneller Methoden. 

++ In unserer vierteiligen Artikelserie "regional, nachhaltig, saisonal" stellen wir Betriebe und Initiativen aus der Region vor, die für ökologische Landwirtschaft stehen. 

Teil 1: Simseer Weidefleisch

Teil 2: Bio-Kiste aus Waging am See

Teil 3: Rinser Natureis

Letzter und 4. Teil: Gemüse-, Kräuter und Hühnerhof in Rohrdorf/Thansau  ++

Während andere Samstags entspannt am See liegen wird auf diesem Hof wortwörtlich geackert. 15 Personen zwischen 10 und 63 Jahren ziehen in Thansau saisonales Gemüse und kümmern sich liebevoll um ihre Pflanzen und Hühner. Hier haben die Pflanzen einen eigenen Waschtag und Kartoffelkäfer werden noch per Hand gejagt.

Aber wie kommt es, dass sich so viele verschiedenen Menschen zusammenfinden, die neben ihren Hauptberufen auch noch eine kleine Landwirtschaft schultern wollen?

Fünf Familien, ein Hof

Bereits 2010 begannen fünf befreundete Familien zusammen einen geeigneten Hof für ihr Projekt zu suchen. Hier wollten sie in einem Mehrgenerationen-Konzept leben und Gemüse anbauen.

"Die Qualität des Gemüses war uns das aller Wichtigste", teilt Gerlinde Reith, eine der treibenden Kräfte auf dem Hof, rosenheim24.de gegenüber mit. Die heutigen Bewohner wollte genau wissen, woher ihre Lebensmittel kommen. 

Sie wünschten sich bewusst mehrere Generationen unter einem Dach, damit die Älteren auch wieder Verantwortung für die Kleinen übernehmen und sie voneinander lernen können, erklärt Frau Reith. "Wir haben einfach festgestellt, dass ein großes Wir sehr viel mehr Spaß macht, als ein kleines Ich."

So ist es auch auf dem Feld. Hier ist keiner ausgebildeter Landwirt. Den Ertrag von beispielsweise fünf Doppelzentner Kartoffeln im letzten Jahr erarbeiten sich die Hofbewohner aus ihrem privaten Erfahrungen und dem Austausch mit anderen Bauern.

Die eigene Sämerei

In den Gewächshäusern wachsen auch südliche Pflanzen wie Paprika und insgesamt acht Tomatensorten. 

Begonnen hat es mit Samengut von Demeter und Arche Noah im privaten Rahmen. Inzwischen können die Hofbewohner ihre Pflanzen aus ihrer eigenen Sämerei selbst ziehen. Gepflanzt wird alles, was über das Jahr gerne in Oberbayern gegessen wird. 

Südliche Pflanzen, wie Auberginen und Artischocken reifen in zwei Gewächshäusern heran. Hier wachsen auch acht Tomatensorten, darunter besonders alte Varianten, die man in normalen Supermärkten kaum noch findet. 

Von Dezember bis März ist das Gemüse aus den Gewächshäusern allein für den Hausgebrauch. Ab Februar beginnt die Feldarbeit wieder mit der ersten Aussaht von Paprika und Auberginen. 

Das Gemüse wird nicht nur roh, sondern auch verarbeitet verkauft. Je nach Jahreszeit gibt es verschiedene Marmeladen, Säfte oder Liköre aus eigener Produktion. 

Wellness für die Pflanzen 

"Wir arbeiten so, dass keinerlei Gift hier auf dem Hof kommt", sagt Frau Reith entschieden. Gedüngt wird mit Steinmehl und Animalin von der Firma Oscorna.

Gespritzt wird gar nicht. Bei der Schädlingsbekämpfung wird auf zum Teil unkonventionelle Methoden zurückgriffen. Die großen Kartoffelkäfer werden per Hand von den Pflanzen gesammelt. Bei kleineren Schädlingen, wie Blattläusen wird die Arbeit abgegeben: "Wir nehmen auch Nützlinge her, wie Marienkäfer, die Feldwespe oder Vögel, die sehr viel an Ungeziefer für uns vertilgen."

Für die Pflanzen auf dem Hof gibt es sogar einenWaschtag. Ab und zu wird Kernseife stark verdünnt und die Blätter mit einem Schwammtuch in Handarbeit von Läusen befreit. Die Seife schadet dabei weder Pflanzen noch Nützlingen.

Bilder: Der Gemüse-, Kräuter-, Hühnerhof

Bei so viel Handarbeit, wie sieht es da mit dem Preis aus? 

"Wir sind eigentlich im mittleren Preisniveau, die Menschen kaufen gerne bei uns, weil es nicht so teuer ist, wie beispielsweise im Bioladen", erzählt uns Frau Reith. 

Zweieinhalb Kilo Kartoffeln, abhängig von der Sorte natürlich, beläuft sich auf circa 2,90 Euro. Das macht 1,16 Euro pro Kilo. "Wir machen das nicht aus Profitgier, sondern aus Überzeugung, und wir wollen, dass sich das jeder leisten kann." 

Alle Hofbewohner sind berufstätig, der Hof ist ihr Nebenerwerb, deshalb fließt das Geld aus dem Verkauf bisher ausschließlich in Gerätschaften für den Hof. 

Hier sind die Hühner Italiener

Neben Gemüse kann man auch Eier von rund 45 Italiener-Hühner, einer besonders alten Rasse, kaufen. Hier haben sie einen weiten Auslauf mit Schatten und einem extra Wintergarten. 

Wo gibt's das Gemüse?

Freitag Nachmittag und Samstag Vormittag kann man direkt am Hof kaufen. "Die Menschen können alles, was wir hier machen, immer einblicken. Sie sehen wer wird sind und wie wir arbeiten." Desweiteren gibt es einen Stand mitten in Rosenheim an dem Lokal "Fischküche" in der Gillitzerstraße, der jeden Freitag Vormittag bis circa 13 Uhr besetzt ist.

Tamara Zühlsdorff

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Rohrdorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser