Die zwei Seiten des Ausbildungsmarktes

Rosenheim- Die aktuelle Ausbildungssituation kommt den Jugendlichen zu Gute - die Unternehmen haben zunehmend Probleme, die offenen Stellen zu besetzen.

Für die Jugendlichen ist die Situation sehr günstig, Firmen dagegen können nicht mehr alle Ausbildungsstellen besetzen „Der Ausbildungsstellenmarkt hat sich deutlich zu Gunsten der Jugendlichen gedreht,“ so Harald Neubauer, Leiter der Agentur für Arbeit Rosenheim, zur Abschlussbilanz auf dem Ausbildungsmarkt. Neubauer weiter: „Uns liegen jetzt die abschließenden Daten vom 30. September 2012 vor, dem Ende des so genannten „Berufsberatungsjahres“, das immer vom 01.10. bis zum 30.09. des darauffolgenden Jahres läuft. Dabei kristallisiert sich heuer noch prägnanter als im Vorjahr die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage heraus. Für die jungen Menschen in unserem Agenturbezirk hat es den positiven Effekt, dass nahezu alle eine Ausbildungsstelle antreten konnten, beziehungsweise eine Alternative ergriffen haben. Für die Firmen verschärft sich allerdings das Problem, dass sie ihre freien Ausbildungsplätze nicht mehr oder nicht mehr zu hundert Prozent besetzen können. Der eine oder andere Betrieb ging nun schon im zweiten Jahr in Folge „leer“ aus. Neben dem Engagement für die Ausbildung wird es für die Unternehmen immer wichtiger, auch andere Wege – Stichwort betriebsinterne Qualifizierung - zu gehen, damit sie ihren Fachkräftebedarf decken können. Denn für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist es enorm wichtig, dass das know how für Entwicklung und Forschung im Land bleibt und dazu braucht es gut qualifiziertes Personal.“

Das Berufsberatungsjahr

Insgesamt hatten sich 3 287 Bewerber (1 825 junge Männer und 1 462 Mädchen) im Laufe des Berufsberatungsjahres bei der Agentur für Arbeit für die Vermittlung in eine Ausbildungsstelle vormerken lassen, darunter 455 Jugendliche mit ausländischer Nationalität. Damit liegt die Zahl der Bewerber um Einiges höher als im Vorjahr (plus 220). Martin Rippel, Teamleiter der Berufsberatung dazu: „In vielen Teilen Deutschlands geht die Zahl der Bewerber auf Grund der demografischen Entwicklung bereits deutlich zurück. Nicht so in Stadt und der Landkreis Rosenheim, sowie in den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen. Hier sind die Schulentlasszahlen dagegen noch konstant, da wir als Zuzugsregion auch für junge Familien gefragt sind. Der Ausbildungsmarkt ist sehr aufnahmefähig und wird getragen von vielen Klein- und Mittlebetrieben. Viele Schulabgänger finden mittlerweile – vorausgesetzt die Noten sind gut - sehr schnell einen Lehrstelle. Sie gehen manchmal den „bequemen Weg“ und beginnen dort mit einer Ausbildung, wo sie sofort eine Zusage erhalten haben. Diese schnelle „Bauchentscheidung“ hat aber Tücken, vor allen Dingen dann, wenn sich der oder die künftige Azubi/ne nicht die nötige Zeit für die eigene Berufswahl genommen hat. Häufig ist dann ein Ausbildungsabbruch vorprogrammiert, weil die begonnene Ausbildung so gar nicht zu den eigenen Wünschen und Stärken passt. Ich rate daher allen Jugendlichen, redet mit euren Eltern, Freunden und Bekannten und nutzt unser kostenloses Beratungs- und Testangebot!“

Die Ausbildungspräferenzen

Bei den Ausbildungswünschen rangieren die kaufmännischen Berufe im Einzelhandel und im Bürobereich ganz oben. Der Kfz-Mechatroniker ist bei den Jungs auf Platz zwei gerutscht, bei den Mädchen rangiert die medizinische Fachangestellte an zweiter Stelle. Die meisten Jugendlichen äußern mehrere Berufswünsche, die Zuordnung erfolgt aber nach dem Hauptberufswunsch. Unter der Gesamtzahl der Bewerber sind auch solche, die bereits im Vorjahr oder schon vor längerer Zeit die allgemeinbildende Schule verlassen haben. Neubauer dazu: „Wir wissen, dass eigentlich jeder Betrieb „den“ Top-Bewerber möchte, dies wird aber in Zukunft immer schwieriger, denn diejenigen Schüler, die gute und sehr gute Noten haben, entscheiden sich mittlerweile häufig für eine weiterführende Schule oder direkt für ein Studium. Ich möchte den Betrieben daher zwei Strategien zur Nachwuchsgewinnung ans Herz legen. Prüfen Sie, ob Sie in Ihrem Unternehmen – unabhängig von der Betriebsgröße - nicht ein duales Studium einrichten können. Unsere Hochschule in Rosenheim ist hier sehr aktiv und bietet verschiedenste Studiengänge in dieser Richtung an. Damit lassen sich gute Bewerber gewinnen. Andererseits sollten Sie zu Zugeständnissen bereit sein, wenn sich junge Menschen bewerben, die nicht unbedingt zu den schulischen Olympioniken zählen. In ihnen schlummern vielleicht Fähigkeiten, die nur geweckt und gefördert werden müssen.“

Seit Beginn des Berichtsjahres wurden der Rosenheimer Arbeitsagentur 3 623 Lehrstellen gemeldet, 3 508 für eine betriebliche Ausbildung und 115 in überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen. Neubauer dazu: „Damit haben uns Betriebe, Verwaltungen und die so genannten freien Berufe, 330 Stellen mehr gemeldet als im Berufsberatungsjahr 2010/2011. Ende September waren noch 439 Lehrstellen, 54 mehr als im Vorjahr zu besetzen. Stellen gibt es im Besonderen noch für Ernährungsberufe wie Koch/Köchin (37 Stellen), für Hotel- und Gaststättenberufe (33 Stellen für Hotelfachmann/frau, 16 für Restaurantfachmann/frau, 42 für Fachmann/frau Systemgastronomie), sowie für Ausbildungen im Handel.

Rippel ergänzt: „Trotz des vermehrten Stellenangebotes war es dennoch für so manchen Jugendlichen nicht einfach, eine Lehrstelle zu finden. Nach wie vor spielt der Schultyp, den man besucht hat, sowie das Schulzeugnis eine große Rolle bei der Erstauswahl der Bewerber. Umso erfreulicher fällt die Abschlussbilanz des Ausbildungsmarktes aus. Lediglich elf Jugendliche blieben „unversorgt“, das heißt, sie haben (noch) keine Ausbildungsstelle angetreten und es konnte auch (noch) kein Alternativangebot unterbreitet werden. Insgesamt ist es so, dass von den 3 287 Bewerbern über 2 250 eine Ausbildung begonnen haben, es wurden aber auch andere Wege einschlagen. So haben sich 470 für eine weitere Schulbildung oder ein Studium entschieden. Wieder andere entschlossen sich für ein freiwilliges soziales/ökologisches Jahr oder jobben vorübergehend. Knapp 40 Jugendlichen konnte als Alternative zur Ausbildung eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme angeboten werden und 12 haben mit einer Einstiegsqualifizierung (EQ) begonnen.“

 

Díe Abschlussbilanz

Die Abschlussbilanz des Ausbildungsstellenmarktes in den einzelnen Regionen des Agenturbezirks Rosenheim sieht folgendermaßen aus:

Stadt und Landkreis Rosenheim: 285 unbesetzte Stellen, die Jugendlichen sind weitestgehend versorgt.

Landkreis Miesbach: 68 freie Lehrplätze, keine unversorgten Jugendlichen.

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: 86 offene Stellen, nahezu alle Jugendlichen sind versorgt.

 

Pressemitteilung Agentur für Arbeit Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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