Energiewende braucht Aufklärung

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Rosenheim - Wie soll die Energiewende im Landkreis umgesetzt werden? Darüber sprachen nun die Bürgermeister der Gemeinden, der Landrat und Vertreter von E.ON Bayern.

Die Bedeutung der Stromnetze und kommunale Energienutzungspläne standen im Mittelpunkt einer Dienstbesprechung der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Landratsamt Rosenheim. Landrat Josef Neiderhell hatte den Vorstandsvorsitzenden der E.ON Bayern AG Thomas Barth sowie Professor Dr. Markus Brautsch von der Hochschule Amberg eingeladen.

In ihren Vorträgen belegten beide eindringlich die enormen Herausforderungen der Energiewende in Deutschland. Der Kreisvorsitzende des Bayerischen Gemeindetags, Flintsbachs Bürgermeister Wolfgang Berthaler forderte dann auch mehr Aufklärung. Die Energiewende sei noch nicht in den Köpfen angekommen, so sein Fazit.

Stromleitungen führten vor der Energiewende nur in eine Richtung, begann Thomas Barth von E.ON Bayern. Jetzt sorgen mehr als 230.000 Stromeinspeiser allein im Bereich von E.ON Bayern für Gegenverkehr, davon sind 225.000 Photovoltaikanlagen. Laut Barth ist das Weltrekord. In Bayern gibt es mehr Photovoltaikanlagen als in den gesamten USA.

Der Vorstandsvorsitzende des landesweiten Energieversorgers sprach von einer Riesenherausforderung. Bis zu 6.000 Megawatt Strom aus erneuerbaren Energien sind im Netz und zwar immer dann, wenn wir sie nicht brauchen. Als Beispiele führte Bart einen sonnigen Sonntag an, an dem mittags nur 800 Megawatt verbraucht werden. Im Unterschied zu einem Werktag im Winter um 17 Uhr. Dann bräuchte es die 6.000 Megawatt Strom, wir haben aber nur 700 aus erneuerbaren Energien. E.ON Bayern investiert in die Stromnetze, allein in diesem Jahr rund 260 Millionen Euro. Zudem braucht es neue Umspannwerke, um den aus Sonne erzeugten Strom in den Hochspannungsnetzen abtransportieren zu können.

Bei der Nutzung von Windenergie hofft Barth auf so genannte Clusterlösungen. Das heißt, der Standort für ein Umspannwerk wird so gewählt, dass alle Windräder in einer Region angeschlossen werden können. Beim Biogas will E.ON Erdgasqualität erreichen, um es direkt ins Gasnetz einspeisen zu können.

Die Energiewende wird, so Barths Überzeugung, technisch und wirtschaftlich nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen. Entscheidend ist, dass wir es im Netz bewältigen und die Kosten tragen können. Barth schloss hier die Verbraucher mit ein.

Ein wesentlicher Baustein um die Energiewende zu schaffen, können kommunale Energienutzungspläne sein. Für Professor Dr. Markus Brautsch sind sie ein Instrument um die Fülle der Maßnahmen zu strukturieren. Bevor eine Gemeinde oder ein Landkreis konkrete Maßnahmen festlegen kann, müssen die exakten Stromverbräuche von Kommunen, privaten Haushalten und den örtlichen Unternehmen festgestellt werden.

Brautsch schlug vor, zuerst Möglichkeiten zur Einsparung und Effizienzsteigerung zu nutzen. Der Sanierungsstand von alten Gebäuden ist viel zu niedrig, beklagte Brautsch. Wenn alle älteren Häuser den aktuellen Energiestandard hätten, bräuchten wir 60 Prozent weniger Wärme. Beim Ausbaupotential an erneuerbaren Energien gilt es zu prüfen, welche Mengen beispielsweise an Holz und Biomasse in der Region zur Verfügung stehen. Bei der Nutzung von Dächern kann ein Lösungsvorschlag sein, es zunächst für die Warmwasserbereitung von Frühjahr bis Herbst in privaten Haushalten zu nutzen und nur den Rest des Daches für Photovoltaik, also zur Stromerzeugung zu verwenden. Wenn ein Industriebetrieb Abwärme erzeugt, kann man überlegen, ob ein Fernwärmenetz wirtschaftlich dargestellt werden kann. Das Spannende an Energienutzungsplänen ist laut Brautsch, dass die Rahmenbedingungen überall anders sind und die Lösungen damit jedes Mal komplett neu entwickelt werden müssen. Am Ende steht eine Prioritätenliste, in der die Reihenfolge der konkreten wirtschaftlichen Lösungen aufgeführt wird.

Landrat Josef Neiderhell schloss die Debatte mit dem Hinweis, dass sich Stadt und Landkreis unter dem Label „Energiezukunft Rosenheim“ zusammen mit einem Netzwerk aus regionalen Akteuren, darunter der Hochschule Rosenheim, um die Energiewende in der Region kümmern.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser