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Im Landkreis Rosenheim eine neue Heimat gefunden

Angst vor Abschiebung: Flüchtling Ahmed M. möchte eine sichere Zukunft für seine Kinder

Die oft hoffnungslose Situation Geflüchteter aus verschiedensten Herkunftsländern zeigt sich am Beispiel von Ahmed M. aus dem Irak.

Die Pressemeldung im Wortlaut:

Rosenheim – „Wir wünschen uns doch nur eine sichere Zukunft für unsere Kinder – doch Deutschland macht es uns nicht leicht“ sagt Ahmed und sieht dabei müde aus. Müde vom jahrelangen Versuch hier Fuß zu fassen und endlich Sicherheit zu bekommen „Wir machen es für unsere Kinder – und weil es für uns in unserem Heimatland, dem Irak keine Zukunft gibt“ erzählt er weiter.

Ahmed M. verliert zwei Kinder durch Autobombe

Ahmed arbeitete im Irak als LKW-Fahrer in Tikret, einem Ort etwa 200 km von Bagdad entfernt. „Es wurde zu gefährlich für uns. Zwei meiner Kinder verstarben – mein damals 6-jähriger Sohn kam in einer Autobombe ums Leben. Ich hatte Angst um meine anderen drei Kinder, so flohen wir über die Türkei bzw. Balkanroute bis Deutschland. Teilweise mit dem Bus, aber auch viel zu Fuß und in der Nacht, über das Mittelmeer – der Kleinste war damals gerade mal 2 Jahre alt. An diese Wochen der Ungewissheit und Angst möchte ich auch nicht mehr zurückdenken. Aber wir haben es geschafft, bis Deutschland“. 

Über Nürnberg und Hannover im Landkreis Rosenheim angekommen

Ahmeds Deutsch ist gut geworden in all den Jahren, vor allem seit er in der Arbeit viel reden muss. „Nur mit Bayrisch ist es ab und zu noch etwas schwer“, sagt er lächelnd. In Deutschland ging die Reise weiter, erzählt Ahmed, erst im Camp bei Nürnberg, dann eine Umverteilung nach Hannover und schließlich in den Landkreis Rosenheim – hier auch an drei unterschiedliche Orte. „Seit 5 Jahren leben wir nun in Albaching in einer Asylunterkunft.“

„Es herrscht nach wie vor Krieg im Irak“

Er habe schnell versucht, Arbeit zu finden, „irakische Pässe haben wir und diese auch beim Landratsamt abgegeben. Unser Asylantrag wurde jedoch abgelehnt. Trotzdem konnten wir nicht abgeschoben werden“. Jahrelang gab es einen faktischen Abschiebestopp in den Irak – der sich nun auch wieder auflöst. „Was wir zur Lageeinschätzung aus den Medien erfahren, und aber Angehörige vor Ort von unserer Heimat berichten, stimmt für uns oft nicht überein. Es herrscht nach wie vor Krieg im Irak. Täglich sterben Menschen und auch Kinder“, erzählt Ahmed.

Ahmed möchte nicht noch ein Kind verlieren

Seit sechseinhalb Jahren leben sie nun hier. Mousa, der älteste Sohn, hat eine Ausbildung als Zahnarzthelfer begonnen, die ihm viel Spaß macht. Er bekam einen Aufenthaltstitel (vorerst) für 1 Jahr, weil er als gut integrierter Jugendlicher gilt. Noch ist er minderjährig, so können auch die Eltern bzw. restliche Familie nicht zurück in den Irak abgeschoben werden. Im September wird er 18Jahre alt – was passiert dann? „Wir hören wieder von Abschiebungen in den Irak, erzählt Ahmed weiter und wir haben Angst. Ich will nicht noch ein Kind verlieren“.

Deutschland ist das Zuhause seiner Kinder

„Meine Kinder sind nun hier zu Hause und aufgewachsen, mein Kleinster hier geboren, sie gehen in den Kindergarten, die Schule, sind in Vereinen aktiv, haben Freunde – sprechen schon teilweise bayrisch. Ich will für sie eine gute Zukunft – das hier ist ihr zu Hause, sie erinnern sich teilweise gar nicht mehr an den Irak und wollen daheim in Deutschland bleiben“.

Angewiesen auf Sozialhilfe – weil Gehalt nicht ausreicht

Ahmed hat einen unbefristeten Vollzeitvertrag bei einem Fahrdienst. „Es war schwer überhaupt einen Arbeitsvertrag zu bekommen, da mein Ausweis, die Duldung, immer nur 3 Monate – und jetzt 6 Monate gültig ist. Vielen Arbeitgebern ist das zu unsicher“. Auch reicht das Gehalt aktuell nicht aus, um seine doch sehr große Familie komplett alleine zu versorgen. So sind sie auf aufstockende Sozialhilfe angewiesen.

„Hätten wir aber einen Aufenthaltstitel, könnten wir Kindergeld bekommen und würden somit keine Hilfe vom Staat benötigen. Erst dann haben wir Chancen aus unserer jahrelangen unsicheren Bleibestatus herauszukommen und endlich keine Angst mehr vor einer Abschiebung zu haben“, schildert Ahmed.

„Jeder Mensch sehnt sich doch nach Sicherheit“ – Ahmeds Blick sieht fragend aus. „Ich bin müde geworden, vom ständigen Kämpfen, Hoffen, Versuchen – aber wegen meiner Kinder werde ich nicht aufgeben. Unsere Wohnsituation ist schwierig, wir leben abgelegen in einer 2-Zimmer-Wohnung mit sechs Personen. Aber auch das halten wir seit Jahren aus“. 

Ahmed träumt vom Aufenthaltstitel auf Probe

„Große Hoffnung hatten wir auch, was die neue Regierung versprach. Vor allem die Chance für uns, den Aufenthaltstitel auf Probe zu bekommen“. Ahmed spricht von der Regelung im Koalitionsvertrag, die besagt, dass alle geduldeten Flüchtlinge, die am 1. Januar 2022 bereits 5 Jahre in Deutschland sind, nicht straffällig wurden und sich zur freiheitlichen, demokratischen Grundordnung bekennen, einen Aufenthaltstitel auf Probe erhalten sollen, der ihnen ermöglicht innerhalb eines Jahres durch Arbeit und Integration einen Aufenthalt zu erarbeiten. „Wir haben gehofft, dass sich hier bald etwas für uns ändern wird“.

Melanie Bumberger vom Caritas Fachdienst Asyl und Migration Rosenheim erzählt, dass viele Familien zu ihr in die Beratung kommen, denen es ähnlich geht. Durch das Asyl- und oft anschließende Klageverfahren vergehen meist viele Jahre. Familien werden gegründet, Kinder nachgeboren, für die das Verfahren von vorne beginnt. 

So kommt es, dass viele schon vor 10 bis 15 Jahren ihre Heimatländer verlassen haben. Die Flucht aus den westafrikanischen Ländern dauert oft viele Jahre, weil finanzielle Mittel fehlen, geprägt von schrecklichen Erfahrungen, erzählt Bumberger. Manche sind nun schon 6-7 Jahre hier in Deutschland, mit abgelehnten Asylverfahren, teilweise in Arbeit, teilweise im Beschäftigungsverbot, weil kein Pass vorliegt.

Trotz wenig Unterstützung: Ich halte durch für meine Kinder!

Es gibt zwar Gesetze, für gut integrierte Jugendliche ab 14 Jahren einen Aufenthaltstitel zu bekommen, jedoch nicht für Kinder unter 14 Jahren. Hier müssten es die Eltern schaffen, unter anderem, den Lebensunterhalt für ihre ganzen Familien zu erwirtschaften, eigenen Wohnraum nachzuweisen, entsprechende Sprachkenntnisse zu erwerben, um einen Aufenthaltstitel zu bekommen. Bei jedem dieser Punkte gibt es aber viele Hürden und Regelungen für abgelehnte Asylbewerber, so Bumberger.

Vor allem deshalb ist es für z. B. Westafrikaner schwierig, weil sie während des Asylverfahrens keine integrativen Maßnahmen erhalten. Hierfür wird die Bleibeperspektive als zu schlecht angesehen, um z. B. einen weiterführenden Sprachkurs oder die Fahrtkosten dorthin finanziert zu bekommen, erzählt Bumberger. Diese Menschen sind oft sehr verzweifelt in der Beratung, stoßen auch an ihre psychischen Grenzen, sagen sie sind jung, stark und könnten doch arbeiten. Und auch hier fällt immer wieder der Satz: Ich halte durch für meine Kinder!

Pressemitteilung Caritas Zentren in Stadt und Landkreis Rosenheim

Rubriklistenbild: © Christian Mang/IMAGO

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