Gedämpfte Freude über volle Silos

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Almbäuerin Katharina Kern, zugleich stellvertretende Kreisbäuerin, unterstreicht die Bedeutung der Almwirtschaft und sieht vor allem in den Bergregionen Handlungsbedarf.

Rosenheim/Landkreis - Über eine gute Ernte dürfen sich in diesem Jahr die Bauern freuen. Doch die Freude beim Kreisvorstand des Bayerischen Bauernverbandes fällt trotzdem gedämpft aus:

Keine großen Unwetter, optimale Entwicklungsbedingungen im Sommer und eine Schönwetterperiode zur Erntezeit haben den heimischen Landwirten in vielen Bereichen eine gute Ernte beschert. Doch die Freude beim Kreisvorstand des Bayerischen Bauernverbandes fällt trotzdem gedämpft aus: Denn in der Grünlandregion Rosenheim leiden die bäuerlichen Familienbetriebe weiterhin unter "nicht zufriedenstellenden Milchpreisen". Auch die schlechte Obsternte trübt die Bilanz.

"Die Silos sind proppenvoll", freut sich Josef Bodmaier, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, angesichts der "hervorragend" verlaufenen Grünlandernte. Die Bedingungen - auch für den Getreideanbau - waren nach seinen Angaben heuer aufgrund eines ausbalancierten Verhältnisses von Sonne und Regen zur rechten Zeit ideal. Auch während der Erntezeit war das Wetter den Landwirten heuer gewogen: In aller Ruhe konnten sie die Früchte ihrer Arbeit einholen.

Nur das kühle Frühjahr tanzte aus der Reihe - mit Folgen für den Obstertrag. "Weit unter dem Durchschnitt" fällt die Ernte zum Bedauern von Bodmaier heuer aus. Während der Blütezeit hatte es einen Frosteinbruch gegeben. Die Früchte, die sich trotzdem entwickeln konnten, besitzen nach Informationen des BBV-Kreisverbandes eine gute Qualität. Doch es gibt Bereiche, da kam es vor allem bei Zwetschgen zu einem Totalausfall. Bei den Äpfeln werde das Angebot lange nicht so üppig sein wie im Jahr 2011, bedauert Bodmaier.

"Sehr mäßig" fällt nach seinen Angaben auch die Honigernte aus. Auch hier wirkte sich das kühle Frühjahr negativ aus. Trotzdem müssen die Bürger, die gerne Honig aus der Region genießen, nicht auf den süßen Brotaufstrich verzichten. Der Rekordertrag vom vergangenen Jahr gleiche die Lücken von heuer aus, berichtet der Kreisobmann der Bauern.

Ein gutes Wachstumsjahr erlebte nach seinen Angaben der Wald. Von Sturm und Hagel wie 2011 blieb er heuer verschont. Die Waldbauern freuen sich außerdem über "sehr angenehme Holzpreise" - Tendenz weiter steigend angesichts des erhöhten Bedarfs an diesem Rohstoff für die Energiewende.

Die Landwirte, die Ackerbau betreiben, profitieren außerdem derzeit von guten Getreidepreisen. Sie gelten auch für Rindfleisch, ergänzt Josef Steingraber, Leiter der BBV-Geschäftsstelle Rosenheim und Holzkirchen. Pro Kilo Schlachtgewicht gebe es für Kühe derzeit 3,60 bis 3,70 Euro, bei Bullen vier Euro. Die Schweinefleischpreise könnten jedoch besser sein, findet Bodmaier: Sie lägen bei 1,50 Euro pro Kilo Schlachtgewicht.

Nicht mehr kostendeckend können nach Erfahrungen des Kreisvorstandes die Milchbauern produzieren. Von den geforderten 40 Cent pro Liter sind sie weit entfernt: Derzeit gibt es höchstens 30 Cent. Das sei auch angesichts einer festzustellenden positiven Gesamtmarkt-Entwicklung, "die leider nicht bei den Erzeugern der Milch ankommt", bedauerlich. Die Milchbauern kämpfen nach Bodmaiers Angaben außerdem mit stark gestiegenen Produktionskosten als Folge höherer finanzieller Aufwendungen für Energie sowie Milchleistungsfutter. Letzteres habe seit Januar 2012 einen Preisanstieg um 31 Prozent verzeichnet, berichtet Steingraber.

Zu kämpfen haben nach Informationen von Bodmaier auch die Schafhalter. Zahlreiche neue bürokratische Auflagen hätten dazu geführt, dass auch in Bayern in den vergangenen Jahren die Tierzahl stark zurückgegangen sei. Damit entfalle auch der Beitrag der Schafe zur Landschaftspflege. Der Fleischpreis sei zudem zu niedrig: Er liege bei nur 2,30 Euro je Kilogramm Lebendgewicht. Etwas erhöht habe sich lediglich der Preis für Merinowolle (1,50 Euro pro Kilogramm).

Die schwierigen Rahmenbedingungen für die bäuerliche Landwirtschaft verhindern den Stopp des Strukturwandels. Nach wie vor gäben pro Jahr etwa zwei bis 2,5 Prozent der Betriebe im Landkreis die Bewirtschaftung auf, teilt Klaus Gschwendtner, stellvertretender Kreisobmann, mit.

Katharina Kern, neue stellvertretende Kreisbäuerin, sieht deshalb Handlungsbedarf - vor allem in den Bergregionen. Komme es hier zur Aufgabe der Almbewirtschaftung, würden die Flächen verbuschen. Das erhöhe nicht nur die Erosionsanfälligkeit, sondern verändere auch das Bild der Kulturlandschaft. Ihre nachhaltige Pflege stelle schließlich auch einen bedeutenden Beitrag für die Tourismusförderung dar, zeigt Katharina Kern die Zusammenhänge auf.

Heike Duczek (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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