"Ich war doch noch nie in Mexiko"

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Mit solchen Attrappen kommen Gaunerbanden an Daten von Bankkunden und räumen Konten ab.

Rosenheim - "Ich war doch noch nie in Mexiko", sagt Hans H. aus Rosenheim. Deshalb konnte er kaum glauben, was er jetzt beim Studieren seiner Kontoauszüge lesen musste:

800 Euro sind am Sonntag im Ferienort Cancn von seinem Rosenheimer Girokonto abgehoben worden - knapp 500 Euro mittags und 300 Euro am Abend. Es handelt sich um einen neuen Fall von EC-Kartenbetrug. Kriminelle Betrüger hatten einen Geldautomaten am Ludwigsplatz manipuliert.

Hans H. (Name geändert) ist nicht das einzige Opfer. Acht illegale Abhebungen wurden insgesamt registriert. Schaden: mehrere tausend Euro.

Die Konto- und PIN-Nummern hatten sich die Täter - vermutlich Mitglieder einer international agierenden Bande - am Samstag, 2. Juni, in Rosenheim beschafft. In einer Bankfiliale am Ludwigsplatz hatten sie einen Geldautomaten so geschickt präpariert, dass sie die Daten abgreifen konnten.

Lesen Sie auch die Warnung der Polizei:

Neue "Skimming"-Fälle in Rosenheim

Die Masche, mit der vorwiegend osteuropäische Banden seit 2005 jedes Jahr zweistellige Millionenschäden in Deutschland anrichten, ist als "Skimming" (englisch für "Abschöpfen") bekannt. Dabei werden täuschend echt wirkende Attrappen - Kartenschächte, Abdeckungen und Tastenfelder - auf die Original-Automatenbestandteile gesetzt. So können die Kartendaten aufgezeichnet, an Komplizen weitergeleitet und Kopien gezogen werden. Mit der "illegalen" Zweitkarte - die ausgelesenen Daten werden einfach auf einen Kartenrohling übertragen - und der richtigen PIN-Nummer dazu, können sich die Gauner dann meist in der Fremde und in aller Ruhe bedienen. So wie im Fall von Hans H. im mexikanischen Cancn.

Knapp sechs Stunden lang spähten die Betrüger am 2. Juni die Kundendaten aus. Von 7 bis 13 Uhr waren die Skimming-Instrumente in der betroffenen Bankfiliale im Einsatz. Inzwischen wurden alle betroffenen Kunden angeschrieben und die Kartendaten gesperrt. Der Schaden wird den Kunden ersetzt.

Im Verlauf der polizeilichen Ermittlungen wurde bekannt, dass die Täter am ersten Juni-Wochenende offenbar auch in Stephanskirchen versucht hatten, einen Geldautomaten zu manipulieren. Am vergangenen Wochenende starteten sie einen weiteren Versuch in Westerndorf St. Peter - in beiden Fällen jedoch erfolglos.

In diesem Zusammenhang bittet die Polizei um Hinweise, wenn verdächtige Personen in der Nähe von Bankgebäuden oder an Automaten hantierend gesehen werden. Weiter wird gebeten, beim Abheben vorsichtig zu sein: "Kunden sollten immer mit einer Hand ihre Nummerneingabe verdecken, so dass installierte Kameras die Eingabe nicht abfilmen können", so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Auch große Spaltmaße von Automatenteilen, unpassend wirkende Blenden und Eingabefelder, lockere Elemente und Spuren von Kleber am Kartenschlitz sollten Kunden stutzig machen.

2010 entstand den deutschen Banken durch Skimming ein Schaden von über 50 Millionen Euro. Mittlerweile werden nicht nur Geldautomaten manipuliert, sondern auch Kontoauszugsdrucker, Überweisungsterminals oder Fahrkarten- und Zapfsäulenautomaten.

ls/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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