Neu festgelegte Grenzen für "Inntal Süd"

Rosenheim - Nach einer intensiven Debatte hat der Kreistag mit großer Mehrheit einer neuen Landschaftsschutzgebietsverordnung für das Inntal zugestimmt:

Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes „Inntal Süd“ sind neu festgelegt worden. Der Rosenheimer Kreistag verabschiedete am Donnerstag, 10. April, eine überarbeitete Landschaftsschutzgebietsverordnung. Sie löst die seit über 60 Jahren geltende alte Verordnung ab, die den heutigen Anforderungen nicht mehr genügt.

Die neue Verordnung sei in den vergangenen zweieinhalb Jahren mit großer Sorgfalt vorbereitet worden, sagte Landrat Josef Neiderhell zu Beginn der Debatte. Viele Gespräche habe es gegeben und nicht alle Anregungen und Vorstellungen konnten berücksichtigt werden. Nach Angaben des Landrats hätten es einige Gemeinden gerne gesehen wenn weitere rund 600 Hektar aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen worden wären. Tatsächlich umfasst die Fläche des neuen Landschaftsschutzgebietes zwischen der Stadtgrenze von Rosenheim und der Landesgrenze bei Kiefersfelden rund 4021 Hektar. Im Zuge der rechtlich notwendigen Herausnahme vieler bebauter Bereiche aus dem bisherigen Schutzgebiet verringerte sich die Fläche um fast 650 Hektar. Im Verfahren waren alle Inntalgemeinden, die von den Gemeinden benannten Vereine, Verbände und Ortsobmänner sowie 51 Fachbehörden und Fachstellen gehört worden, von denen einige Änderungsvorschläge einreichten.

Schutz der Landschaft - Weiterentwicklung der Inntalgemeinden

Kern der Debatte im Kreistag war die Abwägung zwischen dem Schutz der Landschaft links und rechts des Inns auf der einen Seite sowie der Notwendigkeit einer Weiterentwicklung der Inntalgemeinden auf der anderen Seite. Der Inntalbürgermeister Wolfgang Berthaler aus Flintsbach sagte mit Blick auf die Goldmedaillen der Gemeinden Neubeuern, Höhenmoos, Nußdorf und Niederaudorf im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“, die Gemeinden seien in den vergangenen Jahrzehnten immer sehr verantwortungsvoll mit der Landschaft umgegangen. Sie bräuchten aber auch Entwicklungsmöglichkeiten.

Den im Rahmen des rechtlichen Verfahrens gehörten Naturschutzbeirat des Landkreises Rosenheim waren einige Änderungen zu weit gegangen. Das Gremium hatte zum Teil eigene Vorschläge beschlossen. Über sie stimmte der Kreistag einzeln ab, wobei kein Vorschlag die erforderliche Mehrheit erhielt. In der Schlussabstimmung über die gesamte neue Verordnung für das Landschaftsschutzgebiet „Inntal-Süd“ stimmten 53 Kreisräte mit „ja“, sieben mit „nein“.

In Raubling bleibt das Sportgelände Arzerwiese im Schutzgebiet. Eine Entwicklung des Sportgeländes ist damit nicht blockiert. Wenn die Gemeinde dort den Bau einer Kaltballspielhalle zulassen will, wird dieses Vorhaben im Rahmen eines so genannten Befreiungsverfahrens beurteilt.

Aufgrund einer ganzen Reihe für das Inntal typischer Biotope bleibt in Brannenburg ein mehr als 60 Hektar großes Gebiet im Bereich der Ortschaften Degerndorf sowie Grießenbach und Tiefenbach im Schutzgebiet. Gemeinde und Fremdenverkehrsverein hätten diesen Bereich gerne aus dem Schutzgebiet genommen.

Neue Entwicklungsmöglichkeiten ergeben sich in Flintsbach durch die neuen Schutzgebietsgrenzen. Neben dem Ortsteil Einöden wurden Flächen im Umfeld der Spedition Dettendorfer sowie südlich des Grießenbaches aus dem Schutzgebiet ausgegrenzt.

Auch in Oberaudorf wurden für eine sinnvolle Entwicklung der Gemeinde, Flächen aus dem bisherigen Schutzgebiet herausgenommen. Sie liegen zwischen der Autobahn und dem Inn, nördlich der Staatsstraße von Oberaudorf nach Niederndorf. Zudem befinden sich die Siedlungen Inntalstraße und Erlenau nicht mehr im Schutzgebiet. Für den Luegsteinsee, der nach seiner Eigenart nicht dem eigentlichen Talraum des Inntals zugerechnet wird, plant der Landkreis, ein eigenes Landschaftsschutzgebiet auszuweisen.

In Kiefersfelden kann die Gemeinde ihre Planungen zur Ansiedlung von neuem Gewerbe fortsetzen und zwar in dem Bereich nördlich des Autobahnzubringers. Nordwestlich der Autobahnanschlussstelle sollen, laut Regierung von Oberbayern, größere Eingriffe vermieden werden. Der Hödenauer See mit dem Wasserskiliftbetrieb wird nicht herausgenommen, weil auch Erholung ein schutzwürdiges Gut im Sinne einer Landschaftsschutzgebietsverordnung darstellt.

In Rohrdorf wurden die Vorstellungen der Gemeinde weitgehend berücksichtigt. Unter anderem sind im Bereich Thansau, Gmein und Rohrdorf große Flächen nicht mehr Teil des Landschaftsschutzgebietes.

In Stephanskirchen bleiben die Flächen im Umfeld der Kläranlage Bockau im Landschaftsschutzgebiet. Mit der Begründung, dass es sich um hochwertige und schützenswerte Bereiche handelt, wurde ein Antrag des Abwasserzweckverbands Prien und Achental, die Flächen herauszunehmen, abgelehnt.

Die Gemeinde Neubeuern kann nach der neuen Verordnung über Erweiterungsflächen bei Altenmarkt, Fröschenthal und Neuwöhr verfügen. Auch der Weiler Winkl wurde in engen Grenzen aus dem Schutzgebiet herausgelöst. Wobei die Regierung von Oberbayern darauf hingewiesen hat, dass in Winkl größere Eingriffe vermieden werden sollen. Von den Bürgerinnen und Bürgern in Winkl selbst kamen widersprüchliche Anträge. Während einige Flächen herausnehmen wollten, beantragten andere den Verbleib ihrer Grundstücke im Landschaftsschutzgebiet. Das Gewerbegebiet am Inn in Nußdorf kann von der Gemeinde in Richtung Osten erweitert werden. Gleiches gilt für die Wohnbebauung am Mitterweidachweg in Richtung Westen.  Die vom Kreistag beschlossene Landschaftsschutzgebietsverordnung „Inntal-Süd“ tritt einen Tag nach Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture-alliance

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser