Grüne Bundestagsabgeordnete Walter Rosenheimer im Landkreis

"Jugendliche sind kein Problemfaktor!"

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Beate Walter-Rosenheimer (3.v.l.) besuchte am Mittwoch schattdecor in Thansau
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Rosenheim - Bei ihrem Besuch im Landkreis informierte sich die Grünen Landtagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer über die Ausbildungs- und Jugendpolitik, Integration und das Vereinsleben. 

Am Mittwoch informierte sich die Bundestagsabgeordnete der Grünen Fraktion, Beate Walter-Rosenheimer, über den aktuellen Stand der Ausbildungs- und Jugendpolitik im Landkreis. Dazu besuchte Walter-Rosenheimer am frühen Nachmittag die Firma Schattdecor in Thansau, um gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Reiner Schulz einen Einblick in die Praxis zu erhalten. Schulz stellte dabei den Ausbildungsbetrieb vor und berichtete von den Schulungsmaßnahmen, möglichen Auslandsaufenthalten und verschiedenen weitern Azubi-Projekten. Am Abend traf sich Beate Walter-Rosenheimer dann noch mit Vertretern des Kreisjugendringes Rosenheim, um über die Jugendarbeit im Landkreis zu diskutieren.

"Der Tod der Vereine"

Im Gespräch mit dem Kreisvorsitzenden des Bayerischen Landes-Sportverband e.V., Walter Mayr, kristallisierten sich schnell die Bedürfnisse und Nöte der Vereine bei der Jugendarbeit heraus. Mayr sprach dabei besonders die Problematik an, dass Schulsport in der modernen Ganztagsschule keinen hohen Stellenwert besitze. Zudem sei es sehr schwer, die Schüler auch noch nach Schulschluss für das Vereinsleben zu begeistern. Mayr habe deshalb in der Vergangenheit schon mehrfach über mögliche Kooperationen mit den Schulen im Bereich Sport nachgedacht und diese Idee auch an die Lehrer selbst herangetragen. Aus sozialpädagogischen Gründen hätten sich jedoch die Mehrheit gegen diesen Vorschlag ausgesprochen.

Das sogenannte "Campus-Prinzip", die Zusammenfassung von schulischer Bildung und außerschulischen Aktivitäten unter einem gemeinsamen Dach, sehe Mayr schließlich als nicht zielführend, sogar als "Tod der Vereine". Vielmehr sprach sich der Kreisvorsitzende des Sportkreis Rosenheim für eine intelligente Anpassung der momentanen Vereinsstruktur aus. Eine klarere Trennung von Leistungs- und Freizeitsport würde den Jugendlichen entgegenkommen, so Mayr. Anstatt von Jahresbeiträgen könne er sich zudem die Einführung von Monats- oder Quartalsbeiträgen für die Sportvereine gut vorstellen. Diese Maßnahmen würde dazu beitragen, dass sich die Jugend von heute weniger unter Druck, sowohl in leistungsbezogener als auch in finanzieller Sicht, sehen würden. "Ähnlich dem Prinzip Fitnessstudio", erklärte Mayr.

Ein großes Anliegen sei Mayr zudem, eine Änderung oder Umgestaltung des bestehenden Jugendschutzgesetzes. Das Vorliegen eines erweiterten Führungszeugnis für alle Vereinsmitglieder, die mit den Jugendlichen in Kontakt kämen, sehe der Kreisvorsitzende schlicht als "absolut überflüssig" an. "Nicht jeder braucht dieses Zeugnis, es gaukelt schließlich ja nur eine vermeintliche Sicherheit vor", so Mayr. Auch Beate Walter-Rosenheimer sehe diese Maßnahme eher als "Scheinsicherheit". Sie sehe hier bei der Prophylaxe vor Kindesmissbrauch größeren Handlungsbedarf und forderte spezielle Schulungen für Vereinsmitglieder.

Das "matching"-Problem

Beim anschließenden Vortrag zum Thema "Ausbildungs- und Jugendpolitik" im Rahmen der Kreismitglieder-Versammlung berichtete Walter-Rosenheimer dann noch über die Sichtweise der Partei auf die "jugendlichen" Themen im Bundestag. Das duale System, die Kombination aus Lernen und Praxis, betrachte Walter-Rosenheimer als großen Erfolg, den man aber auch gleichzeitig pflegen und ausbauen müsse. Die Gefahr einer "Überakademisierung" sehe sie dabei jedoch nicht. Zentrale Frage in dieser Beziehung sei die Herausforderung, "die berufliche Bildung wieder attraktiver zu machen". Rein rechnerische stehe für jeden Azubi auch eine Ausbildungsstelle bereit. Dass manche Suchenden keinen Platz finden würden, führe die Fachwelt auf das sogenannte "matching"-Problem zurück. Walter-Rosenheimer beklagte, "dass das Angebot eben nicht zur Nachfrage passt", worauf sich viele Betriebe entschieden, nicht mehr auszubilden. Das Resultat: Der Fachkräftemangel.

"Hin zu positiver Jugendpolitik und Teilhabe"

Walter-Rosenheimer sprach sich weiter gegen die zunehmende Problematisierung von Jugendlichen aus. Jugendpolitik dürfe die Jüngeren "nicht als Problemfaktor oder nur als Arbeitskraft betrachten." Es gelte "die Stärken und Interessen zu erkennen und unterstützende Rahmenbedingungen zu schaffen", so die Bundestagsabgeordnete. Teilhabe sei dabei die Basis, damit Jugendliche "die Welt von Morgen, ihre Welt," gestalten könnten. Grundlage hierfür sei, laut Beate Walter-Rosenheimer, die Weiterentwicklung der Jugendhilfe, Vorbeugung vor drohender Armut und die Prävention der sexuellen Gewalt unter Jugendlichen. Im Rahmen ihres Vorsitzes in der Kinder-Kommission sehe Walter-Rosenheimer weiter Schwerpunkte in den Bereichen Aufklärung gegen Rechtsextremismus, und der Vorbeugung vor psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen. Mittlerweile zeigten 20 Prozent aller Jugendlichen in der Pubertät psychische Auffälligkeiten, 10 Prozent sogar so schwerwiegend, dass sie sich in Behandlung begeben müssten, so die Abgeordnete. Besonders im ländlichen Raum sei hier die Versorgungssituation sehr schlecht, und auch in vielen anderen Bereichen herrsche auf dem Land akuter Nachbesserungsbedarf. Eine Tatsache, so Walter-Rosenheimer, um die sie sich persönlich kümmern wolle.

Quelle: rosenheim24.de

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