Zu wenig Auszubildende:

Erschreckender Azubi-Mangel in Rosenheim

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Rosenheim - Jeder fünfte Betrieb sucht vergeblich nach Azubis. Immer mehr junge Menschen beginnen lieber ein Studium. Jetzt sei die Politik gefragt:

Die Unternehmen in der Stadt und im Landkreis Rosenheim haben trotz eines Rekordangebots an Lehrstellen große Probleme, ihren Bedarf an Azubis zu decken. Die heimischen Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistung schlossen 2013 insgesamt 1240 Ausbildungsverträge ab und erreichten damit lediglich die gleiche Zahl wie im Vorjahr. Im Jahr 2012 war die Zahl der Neu-Verträge um 3,0 Prozent geschrumpft.

„Der Mangel an Bewerbern greift um sich und in allen Branchen bleiben mittlerweile Lehrstellen frei“, sagt Sebastian Bauer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Rosenheim. Jedes fünfte oberbayerische Unternehmen gab in einer IHK-Umfrage an, dass es nicht alle Ausbildungsplätze besetzen konnte. Als Hauptgrund nannten die Unternehmen, dass keine geeigneten oder überhaupt keine Bewerbungen vorlagen. Einerseits verlassen zunehmend geburtenschwächere Jahrgänge die allgemeinbildenden Schulen und der Trend zum Studium und zu weiterführenden Schulen wie der Fachoberschule hält an. Andererseits stellt die mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger die Unternehmen vor Probleme. Der Gremiumsvorsitzende Bauer sieht vor allem die Bildungspolitik in der Pflicht. Das bayerische Schulsystem müsse gewährleisten, dass die Jugendlichen besser aufs Berufsleben vorbereitet werden.

„Auch in den Betrieben muss die Ausbildung zur Chefsache werden“, appelliert Bauer an die Wirtschaft. Die Betriebe, die in eine attraktive Ausbildung investieren und neue Bewerbergruppen ansprechen, würden im zunehmenden Kampf um den Nachwuchs die Nase vorn haben, so der Rosenheimer IHK-Vorsitzende. Bauer empfiehlt allen Unternehmen, frühzeitig auf Schüler zuzugehen, Absolventen mit weniger guten Noten eine Chance zu geben und neue Angebote wie Duales Studium und Teilzeitausbildungen einzuführen. Auch Studienabbrecher seien in der Ausbildung willkommen, so Bauer. „Bewerber mit Abitur und Studienerfahrung können die Ausbildungsdauer um bis zu achtzehn Monate verkürzen“, erläutert der IHK-Gremiumsvorsitzende.

Bauer ermutigt gleichzeitig alle Schüler, in den anstehenden Schulferien Betriebspraktika zur Berufsorientierung zu nutzen und sich frühzeitig über Ausbildungsbetriebe und die hervorragenden Karriereaussichten für Azubis zu informieren. Zahlreiche Angebote finden sich in der Praktikumsbörse www.sprungbrett-bayern.de und in der IHK-Lehrstellenbörse unter www.ihk-lehrstellenboerse.de.

Grundsätzlich ist die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ungebrochen hoch: Der Arbeitsagentur in Stadt und Landkreis Rosenheim wurden im vergangenen Jahr insgesamt 2342 offene Lehrstellen aus allen Ausbildungsbereichen gemeldet, ein Plus von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon blieben jedoch mehr als 230 unbesetzt. Dagegen verzeichnete die Arbeitsagentur nach Beginn des laufenden Ausbildungs­jahres im Herbst 2013 in der Region Rosenheim nur noch 25 unversorgte Bewerber.

Insgesamt sind 813 IHK-Unternehmen in der Stadt und im Landkreis Rosenheim in der Ausbildung aktiv und stehen für rund 53 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.

Pressemitteilung IHK München und Oberbayern

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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