Schule wächst zusammen

Ab dem neuen Schuljahr weht ein frischer Wind

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Von links: Helga Wichmann (stellvertretende fachliche Leitung des Schulamtes), Angelika Elsner (Schulrätin) und Edgar Müller (Schulrat)

Landkreis - Auch im kommenden Jahr wird sich für die Schüler einiges verändern - beispielswiese können Zwischenzeugnisse nun abgeschafft werden! rosenheim24.de hakte nach:

Ab 16. September ist vorerst einmal Schluss mit Ausruhen und Ferienzeit für Bayerns Schulkinder, denn ab dann beginnt wieder der Ernst des Lebens! rosenheim24.de unterhielt sich mit der stellvertretenden Leiterin des Schulamtes, Helga Wichmann, und den Schulräten Angelika Elsner und Edgar Müller über alle Neuigkeiten zum Thema Schule.

Für das kommende Schuljahr werden trotz sinkender Geburtenrate stabile, ja sogar leicht steigende Schülerzahlen angekündigt, wie das Staatliche Schulamt Rosenheim verriet. Es sei obendrein das erste Mal seit drei Jahren, dass kein Rückgang zu vermelden ist.

Mittelschulen immer beliebter

Vor allem Mittelschulen finden immer mehr Anklang in der Bevölkerung. Eine Wertschätzung, die sie auch verdienen, so Helga Wichmann (stellvertretende fachliche Leitung des Schulamtes): „Die Ablösung der Hauptschule durch die Einführung der Mittelschule stoppte den Rückgang der Schülerzahlen, was ja auch von der hohen Qualität dieser Einrichtung zeugt“. Die große Spanne an Abschlüssen an den Mittelschulen sei einer der Hauptgründe für deren Erfolg.

Neuer Lehrplan steht in den Startlöchern

Erfolg - ja, das wünscht man sich auch für den neuen Lehrplan, der nun erstmals an den Grundschulen starten wird. 'LehrplanPLUS' nennt sich dieser und will ab sofort neue Maßstäbe setzen. Hierbei legt man großen Wert auf lebensbezogene Anwendungen und die Fähigkeit, geschickte Strategien entwickeln zu können, welche anschließend für verschiedene Bereiche nutzbar sein sollen.

Schulrätin Angelika Elsner bringt es auf den Punkt: “Das Kind soll hinterher wissen: 'Was habe ich gerade gelernt, und vor allem wofür?'“ Um diese Pläne zu erreichen haben die Lehrkräfte nicht wie zuvor strikte Lernziele, sondern 'Kompetenzerwartungen', die jeweils den Zeitraum von zwei Jahren umfassen. Somit können die Lehrer den Stoff individueller aufteilen und den Bedürfnissen ihrer Schüler anpassen. Die diesjährigen ABC-Schützen wird der LehrplanPLUS bis zum Schulende begleiten, denn sie werden auch in den folgenden Schuljahren unter den neu entwickelten Regelungen unterrichtet, sei es auf der Mittelschule, der Realschule oder dem Gymnasium.

Alles beim Alten bleibt es hingegen beim Thema 'Mittagsbetreuung und Ganztagsschule': Diese Angebote liegen derzeit total im Trend. Um den großen Bedarf decken zu können, werden für 2014/15 noch mehr Plätze eingerichtet werden. Wichmann stellt noch einmal klar: “Die Betreuungen sollen als fester Bestandteil der Schulgemeinschaft betrachtet werden, denn es herrscht eine intensive Zusammenarbeit zwischen Träger und Schule.“

Deutschförderung für Migrantenkinder

Auch auf die weiterhin zu erwartenden Flüchtlingswellen und die bereits in Deutschland lebenden Migrantenkinder wird reagiert. Sogenannte 'Vorkurse' waren bisher schon sehr erfolgreich und sollen nun durch Gelder aus dem Bildungsfinanzierungsgesetz noch weiter unterstützt werden. In diesen Kursen wird in 219 Lehrerstunden die Sprachentwicklung bereits im Kindergarten gefördert und durch eine Ausweitung dieses Projektes können auch deutschstämmige Kinder mit sprachlichen Schwächen miteinbezogen werden. In speziellen Deutschförderkursen werden Kinder mit Migrationshintergrund sprachlich geschult und auch Deutsch-Crashkurse für 'Quereinsteiger' werden angeboten.

Doch ohne die finanzielle Unterstützung der Sparkasse und die beherzte Arbeit der Entwicklerin dieses Konzeptes, Frau Stein-Steffan, wäre dieses Projekt wohl nicht möglich. Sobald es dann in die Schule geht, kann man als ABC-Schütze mit Migrationshintergrund in eine spezielle Klasse gehen. Diese bestehen nicht rein aus Zuwandererkindern, jedoch erlauben kleinere Klassen den Lehrerinnen und Lehrern mehr Aufmerksamkeit auf die sprachliche Förderung ihrer Schützlinge zu richten.

Dadurch entsteht für die Kleinen natürlich ein höherer Lernerfolg, weshalb es im nächsten Schuljahr 2014/2015 bereits zehn von diesen 'Mig-Klassen' geben wird. Doch diese reichen bei weitem nicht aus um die hohe Nachfrage nach Deutsch-Crashkursen abzudecken. Darum werden auch weitere deutschfördernde Übergangsklassen eingerichtet, die Deutsch als Zweitsprache behandeln und die Schüler ab einem entsprechendem Lernfortschritt in eine Regelklasse entlassen. Ganz neu ist ab dem folgenden Schuljahr der alevitische Religionsunterricht, der von einem speziellen Lehrer an der Grundschule Erlenau gehalten wird.

Eigenverantwortliche Schule - der Name ist Programm!

Neuland wird auch bei der Weiterentwicklung der Schulen betreten, denn nun schafft die 'Eigenverantwortliche Schule' eine viel größere Freiheit und Vielfalt für die Gestaltung des Schullebens. Die Schulgemeinschaft soll ab sofort mehr Mitspracherecht an zentralen Entscheidungen haben. Somit können sich die Schulen viel mehr individualisieren und ihren eigenen Weg einschlagen. Sie kann sich auf ihre speziellen Ansprüche und Fähigkeiten konzentrieren und diese mehr fördern - eine Änderung im BayEUG (Bayerisches Erziehungs- und Unterrichtungsgesetz) macht's möglich.

Diese Mitbestimmung erlaubt es außerdem in gewissen Fällen von der Schulordnung abzuweichen, wenn es als für die Schule sinnvoll erachtet wird. Beispielsweise kann eine Schule nun für sich entscheiden, ob sie die Zwischenzeugnisse beibehalten will oder doch lieber das persönliche Gespräch mit Eltern und betroffenem Schüler suchen möchte. Schulrat Edgar Müller ist sich sicher: "Das schafft für die Schulen mehr Luft und bringt sie raus aus der Isolation. Nun bilden sie ein großes Netzwerk."

mbu

Quelle: rosenheim24.de

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