Einigung mit Prutting steht weiter aus

Woher kommt das Trinkwasser im Notfall?

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Wenn es beim Trinkwasser in Rosenheim eng wird, sollen künftig die Nachbargemeinden aushelfen. Jedoch mit einigem Wiederstand
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Rosenheim/Vogtareuth/Prutting - Sitzt die Stadt Rosenheim im Notfall auf dem Trockenen? Welche Lösungen derzeit zur Trinkwasserversorgung bei Bedarf diskutiert werden:

Das Szenario klingt auf den ersten Blick schrecklich: Ein Chemieunfall in Rosenheim verseucht das Trinkwasser. Um einem Engpass für die Bürgerinnen und Bürger entgegenzuwirken, werden Quellen im Umkreis angezapft. Soweit die Theorie. In der Praxis stehen die Stadtwerke Rosenheim unter der Leitung von Dr. Götz Brühl jedoch aktuell vor einer ganz anderen Herausforderung: Die Suche nach einer Quelle im Umland gestaltet sich schwierig, sogar mit einigen Widerständen.

Keine kommerzielle Nutzung geplant

"Rosenheim hat viel Wasser, bis auf ein paar kleinere Probleme, hat das immer gepasst (...) Was wir jedoch nicht beherrschen können, ist eine flächendeckende Störung. Deshalb müssen wir uns als Alternative und zur Sicherheit andere Lösungen suchen", erklärte der Geschäftsführer der Rosenheimer Stadtwerke, Dr. Götz Brühl, am Dienstag Abend, und weiter: "Eine kommerzielle Nutzung kommt für uns nicht in Frage, das ist Unsinn." Lediglich im Bedarfsfall, dann aber "soviel wie möglich", werde auf das Grundwasser in Prutting zurückgegriffen.

Eine mögliche Option stellt ein Standort im Grenzgebiet der beiden Gemeinde Vogtareuth und Prutting dar. Der Bereich um den kleinen Ortsteil Moosen biete dabei, laut Brühl, alle Voraussetzungen, die für die Einrichtung einer neuen Pumpstation nötig seien. Auch eine Zusammenarbeit mit der Gemeinde, auf deren Grund die Gewinnung dann stattfinde, könne sich der Geschäftsführer der Stadtwerke gut vorstellen. In Gesprächen mit Vertretern der Gemeinden Prutting und Vogtareuth sollten in der Vergangenheit die Details weiter geklärt werden. Ohne Erfolg.

"Für das Vorhaben der Stadtwerke besteht kein Bedarf"

Widerstände regen sich vor allem im Bereich Prutting. Ging sogar der ortsansässige Bürgermeister Hans Loy bereits in den ersten Planungsschritten im Jahr 2013 bereits von einer anderen Absicht der Stadtwerke aus, sehen nun vor allem die Ortsansässigen die geplanten Probebohrungen skeptisch. "Hände weg vom Grundwasser in Prutting" sei beispielsweise auf einem großen Plakat in Moosen zu lesen. Rückendeckung bekommen die Gegner dabei von der "SHR", der "Schutzgemeinschaft Hofstätter- und Rinser See." Die Initiative sieht den Bedarf als nicht erfüllt an.

"Die Erfahrungen im Landkreis Rosenheim zeigen, dass in hochsensiblen und wertvollen Naturgebieten Grundwasserentnahmen zu verheerenden Umweltschäden führen, wie z. B. im Zeller Moos und in der Eggstätter Seenplatte. Das wollen wir hier rechtzeitig verhindern," so die Haltung der Gegner. Zudem wiesen die Antragsunterlagen der Stadtwerke "massive Fehler" auf. Eine Gefährdung des Gebiets könne schlicht nicht ausgeschlossen werden.

Dr. Götz Brühl teilt die Ansicht der Gegner nicht. So sei der Hofstätter See von der Grundwasser-führenden Schicht darunter klar getrennt. Auswirkungen einer möglichen Wasser-Entnahme sehe er nicht. Unterschiedliche Untersuchungen, auch zusammen mit dem Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt, seien zu diesem Ergebnis gekommen. Gewissheit könne jedoch nur ein Pumpversuch bringen, auf den die Stadtwerke jedoch bisher verzichtet hätten.

"Hochzeit" mit Vogtareuth?

Auch die Gemeinde Vogtareuth kämpft derzeit mit der eigenen Wasserversorgung. Für Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter steht die Unversehrtheit der Seen jedoch ebenfalls klar im Mittelpunkt: "Wir haben selbstverständlich ein Interesse daran, dass der See keinen Schaden nimmt. Aber auch wir haben ein Problem mit dem Wasser", so der Gemeindevorsteher. Nachdem die Schutzgebiete der Versorgung in Vogtareuth in naher Zukunft nicht mehr gültig sind, muss sich die Gemeinde nach einer Alternative umsehen. Rund einen Kilometer nördlich der Stelle in Moosen sei man schließlich auch fündig geworden. "Zur Zeit laufen noch die Überlegungen, ob wir eine Hochzeit eingehen oder das alleine machen", so der Bürgermeister am Dienstag Abend. In Konkurrenz zum geplanten Brunnen stehe man dabei jedoch keinesfalls.

"Das Problem sind die Ängste, die geschürt werden. Die sind durch technische Argumente nicht zu widerlegen", erklärte Dr. Götz Brühl abschließend. Alle Beteiligten sollen deshalb in absehbarer Zeit zu einem runden Tisch eingeladen werden. Eine Alternative zum Brunnen in Moosen könnte jedoch auch noch ein anderer Standort herangezogen werden. Das Verfahren um den Brunnen Buchwald ruhe derzeit. Der Antrag sei jedoch noch nicht zurückgezogen worden, so Brühl abschließend. Rund ein Drittel des Bedarfs der Stadt könnte so zumindest gedeckt werden, wenn man sich dazu entscheide, dieses Projekt weiter zu forcieren.

Quelle: rosenheim24.de

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