Hagelflieger nur unterdurchschnittlich gefordert

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Rosenheim - Das Jahr 2014 wird in der Statistik des Rosenheimer Hagelforschungsvereins in der Kategorie „unterdurchschnittlich“ geführt. Die Einsätze hielten sich in Grenzen.

Der Vereinsvorsitzende, Rosenheims stellvertretender Landrat Josef Huber sprach in der Mitgliederversammlung im Trachtenheim Irschenberg von einem ruhigen Jahr. Laut Chefpilot Georg Vogl waren die Hagelpiloten an 16 Tagen im Einsatz und verbrannten rund 344 Liter Silberjodidlösung.

Vogl nannte weitere Details: Die Piloten flogen jeweils 17 Stunden über den Landkreisen Rosenheim und Miesbach, fünf Stunden über dem Landkreis Traunstein und drei Stunden im benachbarten Tirol. Zu ernsthaften oder großflächigen Schäden durch Hagel kam es nicht.

Für die Zukunft plant der Hagelforschungsverein mit einem neuen Flugzeug. Wie der Vereinsvorsitzende Huber mitteilte, reichen die Rücklagen des Vereins, zusammen mit einem finanziellen Engagement des Landkreises aus, um ein drittes Flugzeug anzuschaffen. Eine der beiden derzeit genutzten Maschinen soll dann nach Tirol verkauft werden.

Dort gründete sich in diesem Jahr ein eigener Hagelforschungsverein. Dessen erster Vorsitzender, Professor Walter Mayr kündigte an, das Flugzeug aus Rosenheim 2016 kaufen zu wollen. Mayr berichtete, wie schwierig es ist, Piloten mit einer Lizenz für zweimotorige Maschinen zu finden. Flugzeugführer gibt es genügend, allerdings haben fast alle nur eine Lizenz für einmotorige Maschinen. Um den Bereitschaftsdienst während einer Hagelsaison organisieren zu können, sind mindestens vier oder fünf Piloten notwendig. Wir brauchen weiterhin die Hilfe der Rosenheimer Kollegen, sagte Mayr. Für die Zukunft hofft er, dass Tiroler Hagelpiloten irgendwann auch im bayerischen Inntal fliegen.

Das Schadenspotential von Hagel machte Diplom-Meteorologe Manuel Schmidberger vom Karlsruher Institut für Technologie deutlich. Den größten Versicherungsschaden weltweit im vergangenen Jahr verursachten Hagelunwetter am 27. und 28. Juli sowie am 6. August in Deutschland. Unter anderem zog am 28. Juli eine Hagelzelle vom Schwarzwald über eine Strecke von 300 Kilometern bis kurz vor Nürnberg. Am 6. August fiel das größte bisher in Deutschland gefundene Hagelkorn zu Boden. Es hatte einen Durchmesser von 14 Zentimetern. Der Versicherungsschaden wurde mit drei Milliarden Euro angegeben, der Gesamtschaden mit 3,9 Milliarden Euro.

Anhand von Radar-, Satellit-, Blitz- und Versicherungsdaten sowie von Hagelmeldungen machte das Karlsruher Institut in Deutschland mehrere von Hagel gefährdete Gebiete ausfindig. Der Raum München und die Region Rosenheim gehören dazu, referierte Schmidberger. Die Daten der Forscher zeigen zudem, dass in den vergangenen drei bis vier Jahrzehnten sowohl die Gewitter als auch die Hageltage zunahmen. Die spannende Frage war nun, was wird die Zukunft bringen, so Schmidberger. Sieben verschiedene Modelle wurden berechnet. Die Ergebnisse zeigen in jedem Fall eine weitere Zunahme der Hageltage, unklar bleibt, wie viele es genau sein werden.

Zu einer auch international beachteten Erfolgsgeschichte hat sich RO-BERTA entwickelt. Das gemeinsame Projekt des Hagelforschungsvereins und der Hochschule Rosenheim liefert den Piloten einen Röntgenblick durch die Wolken, sagte Professor Peter Zentgraf. Er erhält aktuelle Radarbilder sowie Positions- und Wetterdaten. Zentgraf kündigte an, die Datenübertragung weiter verbessern zu wollen. Die Webseite zum Projekt RO-BERTA wurde weiterentwickelt und im Google-Playstore kann die App „Hagelabwehr“ kostenlos heruntergeladen werden. Der Flug der Hagelpiloten kann live auf dem Smartphone mitverfolgt werden und wenn ein GPS-Sensor vorhanden ist, hilft das mobile Gerät bei der Suche nach dem Hagelflieger am Himmel. Zudem unterstützt es den User durch ein Niederschlagsformular dabei, zum Wettermelder zu werden. Professor Zentgraf hofft auf viele Wettermeldungen, weil diese Daten RO-BERTA auch interessant für den Deutschen Wetterdienst machen.

Pressemeldung des Landratsamtes Rosenheim 

Quelle: rosenheim24.de

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