Soziales Gefüge im Betrieb muss passen

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Rosenheim - Beim Treffen der Behindertenbeauftragten und der Bürgermeister aus dem Landkreis wurden zahlreiche neue Projekte vorgestellt und besprochen.

Arbeitsplätze am ersten Arbeitsmarkt und eine in Bayern bisher einmalige Wohnanlage waren zwei der spannenden Themen, mit denen sich die Behindertenbeauftragten der Gemeinden bei ihrem gemeinsamen Treffen mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern beschäftigten. In seiner Begrüßung verwies der stellvertretende Landrat Dieter Kannengießer auf die Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung: Durch sie gebe es neuerliche Impulse.

So plant der Tourismusverband Chiemsee-Alpenland eine Broschüre, in der barrierefreie Angebote in Stadt und Landkreis Rosenheim zusammengefasst werden. Die verantwortliche Projektleiterin beim Tourismusverband, Corinna Raab, sammelt derzeit Daten. Sie bat die Behindertenbeauftragten um Mitarbeit, in dem sie die bisher bekannten Angaben überprüfen und bei Bedarf ergänzen. Raab hofft, dass die Datensammlung noch im April abgeschlossen werden kann und die Broschüre rechtzeitig zu Saisonbeginn fertig gestellt ist. Nach Angaben von Raab sollen alle Informationen zum barrierefreien Tourismus in einem zweiten Schritt auch online dargestellt werden.

Die Vorgehensweise für den im Februar vom Kreisausschuss in Auftrag gegebenen Teilhabeplan stellte der Sozialplaner im Landratsamt Jürgen Laupheimer vor. Am Ende sollen, so Laupheimer, Maßnahmenempfehlungen stehen, die von kommunaler Seite aufgegriffen werden können. Die Behindertenbeauftragte des Landkreises, Anita Read, korrigierte an dieser Stelle: .. aufgegriffen werden müssen. Der Sozialplaner verwies ebenfalls auf die Konvention der Vereinten Nationen und dem darin vorgegebenen Ziel, weg von der Vorsorge, hin zur gleichberechtigten Teilhabe zu kommen.

Einen Weg, Menschen mit Behinderung in Betrieben am ersten Arbeitsmarkt unterzubringen, stellte Johann Irlbeck, Sozialarbeiter in den Caritas Wendelsteinwerkstätten vor. Gesucht sind Unternehmen, die bereit sind Tätigkeiten anzubieten, die bisher im täglichen Arbeitsablauf nicht vorgesehen sind. Ein interessierter Bewerber kann sich dann in einem sechswöchigen Praktikum auf diesem Nischenarbeitsplatz beweisen. Danach wird entschieden, ob es zu einer dauerhaften Kooperation zwischen dem Unternehmen und den Wendelsteinwerkstätten kommt. Denn der Arbeitnehmer mit Behinderung bleibt weiterhin Mitarbeiter der Wendelsteinwerkstätten. Laut Irlbeck kann eine erfolgreiche Integration meist an zwei Faktoren festgemacht werden. Zum einen gilt es, die Berührungsängste der nichtbehinderten Arbeitnehmer zu überwinden und zum anderen, arbeitsrechtliche Vorbehalte abzubauen. Ähnlich äußerte sich Hans-Peter Schwarzfischer, der Personalverantwortliche eines Online-Warenhauses aus Großkarolinenfeld. Das soziale Gefüge im Betrieb müsse passen. Die Zusammenarbeit mit der Caritas beschrieb Schwarzfischer als sehr einfach und ohne bürokratischen Aufwand. Schwarzfischer gab zu, die Beschäftigung eines Arbeitnehmers mit Behinderung zunächst skeptisch gesehen zu haben. Er habe seine Meinung um 180 Grad gedreht, sagte Schwarzfischer. Christopher Schwarz, der zuvor in den Wendelsteinwerkstätten in Raubling beschäftigt war, schilderte seine jetzige Tätigkeit für das Online-Warenhaus selbst. Der knapp 30-Jährige fotografiert die Waren für die Onlinepräsenz. Und wenn es nichts zu fotografieren gibt, hilft er im Lager. Abschließend meinte er, die Arbeit gefalle im gut. Sozialarbeiter Irlbeck forderte die Behindertenbeauftragten auf, Firmen in den Gemeinden anzusprechen, die Nischenarbeitsplätze anbieten könnten.

Ein in Bayern bisher einmaliges Projekt wird derzeit in Prien verwirklicht. In einer Wohnanlage sollen im Herbst 30 Menschen mit Behinderung einziehen. Der Vorstand des Vereins „Leben mit Handicap“, Günther Bauer, sagte bei der Vorstellung, dass jeder Bewohner sein eigenes Apartment bekommt. Laut Bauer geht es in dem Haus um Selbstbestimmung. Die Bewohner sollen nicht vollversorgt, sondern stattdessen so selbstständig wie möglich sein. Die Behindertenbeauftragte des Landkreises, Anita Read, war an der Entwicklung des Konzepts beteiligt. Sie sei selber gespannt, sagte sie. Die Anlage in Prien könne ein Wohnmodell der Zukunft sein.

4,5 Millionen Euro werden in die dreieinhalb Etagen umfassende Wohnanlage investiert. Ein Drittel davon brachten die Eltern der zukünftigen Bewohner ein. Die darüber hinaus notwendigen Darlehen werden über die Monatsmiete finanziert. Vereinsvorstand Bauer wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich die Miete am sozialen Wohnungsbau orientiere und keinesfalls dem hohen Mietniveau Prien entspräche. Diesen Freitag wird Richtfest gefeiert.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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