Dubiose Geschäftsmethoden?

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Rosenheim - Der Teufel steckt im Detail: Gewerbebetreibende sind empört über die in ihren Augen dubiosen Geschäftsmethoden einiger Anzeigenvertreter aus dem ganzen Landkreis.

Für zwei Verlage aus Hamburg und der Schweiz waren jüngst Agenten unterwegs. Durch deren Vorgehensweise fühlten sich Geschäftsleute, die den Vertrag unterschrieben, hinters Licht geführt. Sie gingen irrtümlich davon aus, dass es sich um Veröffentlichungen in Gemeinde- oder Stadtbroschüren handelte.

Die kritisierten Akquisiteure versprachen den Betroffenen eine einmalige Anzeige in einer Broschüre, so ein Aiblinger Apotheker. Im Kleingedruckten dann der Hinweis, dass es sich um vier Erscheinungen pro Jahr handelt. Kosten von bis zu 2000 Euro kommen hierbei schnell zusammen. Zudem hätten die Vertreter glaubhaft gemacht, im Auftrag der Gemeinde- beziehungsweise Stadtverwaltungen unterwegs zu sein. Diesem Vorwurf widerspricht der Geschäftsführer des Hamburger Verlags energisch: „Unsere Mitarbeiter sind strikt angewiesen, derartige Missverständnisse im Vorfeld auszuräumen.“ Dazu gebe es ein eigenes Formular, das die Kunden unterschreiben müssten. Darin sei aufgeführt, dass die Anzeigen-Akquirierung behördenunabhängig erfolge. Sein Unternehmen sei den geschlossenen Verträgen – wie abgesprochen – mit einer Veröffentlichung in einer Umweltbroschüre nachgekommen. „Einige der Kunden aus dem Landkreis haben auch bereits bezahlt“, so der Geschäftsführer.

Von derlei Unterlagen will beispielsweise ein Aiblinger Apotheker nichts wissen. Das Formblatt habe er nie zu Gesicht bekommen. „Ich bin mit der Vortäuschung falscher Tatsachen geködert worden“, moniert er. Dass er mit seiner Ansicht nicht alleine da steht, untermauerten die Beschwerden von weiteren Betrieben, die bei unserer Redaktion eingegangen sind. Besonders unglücklich: Zum Zeitpunkt der Vertreterbesuche war in Bruckmühl gerade eine neue Gemeindebroschüre im Druck. Auch im dortigen Rathaus sind Beschwerden eingegangen. Deshalb warnt die Marktgemeinde vor Trittbrettfahrern und rät gegebenenfalls sich im Rathaus rückzuversichern.

Zudem seien die Verlagsmitarbeiter für kommunale Informationsbroschüren mit einem speziellen Ausweis des Rathauses unterwegs. Darüber hinaus haben sechs Firmen aus Bernau, Bad Aibling, Bruckmühl und Kolbermoor mit einer zweiten zweifelhaften Anzeigenaktion zu kämpfen. Diese Anzeigen sind für einen Schweizer Verlag in einem Flyer für Notrufnummern erschienen.

Einigen Firmeninhabern ist dieser Verlag gänzlich unbekannt. Man vermutet, dass die Unterschriften parallel zu den Verträgen mit dem Hamburger Verlag entstanden sind. Dessen Geschäftsführer weist aber jeglichen Zusammenhang mit den Schweizern von sich. Der Aiblinger Apotheker war, so erinnert er sich, lediglich wegen einer Formalie um eine weitere Unterschrift gebeten worden. Das Logo der Schweizer Firma oder den Flyer habe er zuvor nie gesehen.

Fakt ist: Die betroffenen Landkreis-Betriebe hatten plötzlich eine Rechnung aus der Schweiz mit Belegexemplar für die erschienene Anzeige in der Post. Zwei der Firmen konnten sich bereits erfolgreich gegen eine Zahlung wehren. Das Schweizer Unternehmen war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gegenüber unserer Zeitung nicht zu erreichen

Der Knackpunkt bei den Verträgen liegt im Kleingedruckten. Aiblings stellvertretender Polizeichef Thomas Adami warnt vor „zu schnellen Unterschriften“. Derlei Fälle kämen immer wieder vor, doch der Polizei seien bei einem rechtmäßig geschlossenen Vertrag die Hände gebunden. Holger Scheiding, Jurist bei der bayerischen Handwerkskammer, stößt ins gleiche Horn. In den vergangenen Jahren habe sich diese Art der Geschäftemacherei stark vermehrt. „Dies ist ein Massenphänomen, das mit arglistiger Täuschung gerade kleine Betriebe ködern will“, ist er sich sicher. Scheiding hat aber die Erfahrung gemacht, dass diese Unternehmen letztendlich den Gang vor Gericht meiden würden.

Silvia Mischi/Mangfall-Bote

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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