Westtangente: Die (fast) unendliche Geschichte

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Zwischen 8000 und 15 000 Fahrzeuge passieren täglich die B15 im Bereich der Rathausstraße in Rosenheim.

Rosenheim - Vor fast 50 Jahren gab es schon die ersten Planungen für eine Westumfahrung Rosenheims. Nun endlich kann mit dem Bau begonnen werden! Eine Chronik der Ereignisse:

Vor fast 50 Jahren gab es erste Planungen für eine Westumfahrung Rosenheims. Gestern setzte der Haushaltsausschuss des Bundestags den Schlusspunkt hinter die jahrzehntelange Diskussion: Mit der Freigabe von zwei Millionen Euro kann heuer der erste Bauabschnitt zwischen A8 und Schwaig begonnen werden. Die Entscheidung in Berlin ist Anlass genug für einen Blick zurück auf ein Projekt, das so manchen Umweg genommen hat.

Wer einen Blick in das Archiv des Oberbayerischen Volksblatts wirft, kann in Sachen Westumfahrung den stockenden Planungsverkehr zwischen Rosenheim, München und Berlin mit seinen zahlreichen Umleitungen, Sackgassen, und Umwegen miterleben.

1960er-Jahre

Es gibt erste Planungen für eine Entlastung des Verkehrs auf der Nord-Süd-Achse bei Rosenheim. Damals ist eine Fortführung der Inntalautobahn A93 Richtung Regensburg vorgesehen. Später wird aus der A93-Verlängerung eine Bundesstraße.

26. März 1986

"Keine Alternative zur Rosenheimer Westumfahrung" titelt das Oberbayerische Volksblatt. Die Aufnahme des Projekts in die höchste Dringlichkeit des Bedarfsplans für den Ausbau des Bundesfernstraßennetzes wird für 1990 angepeilt. Um den Schwerlastverkehr aus Rosenheim herauszubekommen, setzt die Stadt auf eine bereits raumgeordnete Trasse zwischen Bad Aibling und Kolbermoor.

7. Dezember 1990

Lesen Sie auch:

"Keine Chance für Westumgehung", heißt es nun im OVB. Die Stadt befürwortet stattdessen eine Ostumfahrung. Der damalige Rosenheimer Oberbürgermeister Dr. Michael Stöcker glaubt, man werde die Westtrasse "wohl in Bälde begraben". Die Umgehung ist damals als Fortsetzung der Ebersberger Straße geplant und soll im Stadtteil Egarten über die Wasserburger Gleise führen, der Pürstlingstraße bis zum Brückenberg folgen und von dort über das Bahngelände Richtung Kufsteiner Straße geleitet werden.

5. November 1991

Der CSU-Landtagsabgeordnete Adolf Dinglreiter bringt eine völlig neue Trassenführung ins Spiel, die der heutigen Lösung entspricht: Abzweigung bei Pfaffenhofen, entlang des Fürstätter Waldes, über das Aicherpark-Gelände hinweg mit Einmündung in die A8 westlich des Inntaldreiecks.

16. Juli 1992

Die Westtangente mit der neuen Trasse wird erstmals in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen.

5. Mai 1994

Die Westtangente befindet sich weiterhin im vordringlichen Bedarf, schafft es aber nicht in den Fünf-Jahres-Plan. Damit kann auch mit den Planungen nicht konkret begonnen werden. Die Baukosten sind mit 50 Millionen Mark veranschlagt.

28. April 1995

Keine Aussicht auf Realisierung hat ein Vorschlag der Rosenheimer Freien Wähler/UP: Sie wollen statt der Westumgehung eine Untertunnelung des Schloßbergs. Von der bis heute nicht realisierten dritten Innbrücke nördlich von Rosenheim soll der Tunnel bis in die Hofmühle reichen, um dort den Anschluss an die Miesbacher Straße zu schaffen.

29. März 1997

"Raumordnung für Westtangente läuft", ist im OVB zu lesen. Noch immer steht der exakte Verlauf nicht fest: Es gibt einen 200 bis 500 Meter breiten Planungskorridor, der von Schechen bis zur Autobahn reicht. Gestreift wird auch das Gebiet von Großkarolinenfeld und Kolbermoor. Die Baukosten werden nun auf 75 Millionen Mark geschätzt.

2. Mai 1997

Der Rosenheimer Stadtrat spricht sich für eine konkrete Trassenführung aus.

2. Oktober 1998

Rot-Grün hat die Bundestagswahl gewonnen. Die CSU fürchtet, dass die Westtangente auf den Prüfstand kommt. Doch nur wenige Wochen später gibt die SPD-Abgeordnete Angelika Graf Entwarnung: Die Planungen laufen weiter. Mit einer Aufnahme in den Fünf-Jahres-Plan für 2000 bis 2005 sei zu rechnen.

1999

Das Bundesverkehrsministerium erteilt den für die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens notwendigen Sichtvermerk. Die Kostenschätzung steigt dramatisch von 80 auf 120 Millionen Mark: Das Brückenbauwerk über den Aicherpark und der Grunderwerb werden deutlich teurer.

19. Januar 2000

Das Bundesverkehrsministerium stimmt dem Vorentwurf zu und schafft damit die Grundlage für die Aufnahme des Bauvorhabens in den Bundeshaushalt.

5. April 2002

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens melden 448 Beteiligte 1200 Bedenken gegen das Vorhaben an. Im August bestätigt ein Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, dass die Westtangente in der Prioritätenliste des Bundesverkehrsministeriums ganz oben stehe.

21. Oktober 2005

Die Regierung von Oberbayern genehmigt den Plan für die Westtangente.

29. Dezember 2005

Der Bund Naturschutz, eine Jagdgenossenschaft und 16 Einzelpersonen klagen vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gegen den Planfeststellungsbeschluss.

Oktober 2006

Die Westtangente schafft es in den Fünf-Jahres-Plan. Eine Finanzierungszusage steht aber noch aus.

4. Juni 2007

Die Finanzierung scheint gesichert: Das Projekt ist im Investitionsrahmenplan 2006 bis 2010 berücksichtigt.

24. Oktober 2008

Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht verzögert sich. Knackpunkt ist die Durchquerung eines Naturschutzgebiets. Die Richter fordern neue Gutachten an.

1. Oktober 2009

Die Westtangente darf gebaut werden: Der Verwaltungsgerichtshof weist die Klagen zurück und lässt keine Revision zu.

5. Januar 2010

Der Bund Naturschutz Rosenheim klagt vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen die Nichtzulassung der Revision, obwohl selbst Vorsitzender Ernst Böckler die Erfolgsaussichten als "äußerst gering" einschätzt.

17. September 2010

Das Bundesverwaltungsgericht weist die Klage des Bund Naturschutz zurück. Damit steht dem Bau juristisch nichts mehr im Weg. Doch nun fehlt das Geld: Die Haushaltsmittel für 2011 sind längst verteilt.

26. Januar 2011

Eine Delegation in Rosenheim spricht im Bundesverkehrsministerium vor: Angesichts der schwierigen Haushaltslage könne mit dem Bau wohl erst 2013 begonnen werden, heißt es dort.

27. Oktober 2011

Die CSU-Abgeordnete Daniela Ludwig bringt einen Funktionsbauvertrag ins Spiel, um einen Spatenstich noch 2013 zu schaffen: Ein privates Konsortium soll den Bau vorfinanzieren und der Staat die Kosten in Raten zurückzahlen.

28. Januar 2012

Überraschende Wendung: Bekannt wird, dass die Westtangente auf der Liste der möglichen Projekte steht, die das Bundesverkehrsministerium für 2012 finanzieren kann. Doch noch steht die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestags aus. Die aktuelle Kostenschätzung beläuft sich jetzt auf 74 Millionen Euro.

Klaus Kuhn/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Rosenheim

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser