Bus & Bahn keine ernsthafte Alternative!

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Rosenheim - Das Auto ist für die Pendler in der Region immer noch ganz klar die erste Wahl. Eine Umfrage macht deutlich: Bus und Bahn sind keine ernsthafte Alternative!

Auf dem Weg zur Arbeit bleibt das eigene Auto wohl noch einige Zeit die erste Wahl. Die Ergebnisse einer im Auftrag des Rosenheimer Kreisausschusses durchgeführten Umfrage machen deutlich, dass Bus und Bahn im ländlichen Bereich von den meisten Pendlern nicht als ernsthafte Alternative gesehen werden.

Trotzdem will der Landkreis versuchen, so kündigte es Landrat Josef Neiderhell in der Sitzung des Kreisausschusses am 7. Mai an, den Öffentlichen Personennahverkehr im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten weiter zu verbessern. Kurzfristig könnten beispielsweise zusätzliche Bushaltestellen an neuen Gewerbegebieten wie in Schechen/Nord, Vogtareuth oder Prutting eingerichtet werden. Dies sei allerdings nicht immer ganz leicht, schränkte Neiderhell ein, weil neue Haltestellen eine Verlängerung der Fahrzeiten mit sich brächten. Busfahrten, die derzeit nur an Schultagen angeboten werden, könnten stattdessen an allen Werktagen von Montag bis Freitag durchgeführt werden und stünden somit auch in den Schulferien als Angebot zur Verfügung. Zudem könnten einige Umsteigeverbindungen besser abgestimmt werden. Auf alle Fälle möchte der Landrat die Werbung für das Umweltticket verstärken. Letzteres ist ein Jahresticket zum Preis von acht Monatskarten.

In seiner Sitzung im November vergangenen Jahres hatte der Kreisausschuss das Thema „Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes durch Bus oder Bahn“ diskutiert. Um Defizite konkreter angehen zu können, einigte man sich auf eine Umfrage. Die Schülerinnen und Schüler an den vier Berufsschulen erhielten einen Fragebogen, in dem sie anonym angeben konnten, was sie daran hindert, mit dem Öffentlichen Personennahverkehr an ihren Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz zu kommen bzw. was geändert werden müsste, damit sie auf den ÖPNV umsteigen.

Auffallend oft wurden die Fahrpreise bei Bus und Bahn als deutlich zu hoch kritisiert. Dies hängt möglicherweise damit zusammen, dass Berufsschüler für Fahrten zur Schule bei tageweisem Unterricht keine Schülertarife in Anspruch nehmen können. Die Rosenheimer Verkehrsgesellschaft rät, die in den meisten Bussen anerkannte Bahncard oder Mehrfachkarten als Möglichkeit zur Preisminderung zu nutzen. Mit sinkenden ÖPNV-Tarifen wird mit Blick auf die hohen Treibstoffpreise nicht gerechnet.

Die Pünktlichkeit von Bus und Bahn war ein weiterer Punkt, der von den Schülerinnen und Schülern bemängelt wurde. Dieses subjektive Empfinden wird allerdings durch die Fakten nicht bestätigt, denn im regionalen Bereich werden die Fahrplanzeiten weitgehend eingehalten. Als unzumutbar empfinden viele Pendler die Enge in den morgendlichen Schulbuslinien. Bis zu 85 Sitz- und Stehplätze sind in einem Standardlinienbus zugelassen. Tatsächlich sind häufig nicht mehr als 75 Personen in einem Fahrzeug. Meistens handelt es sich um Schüler mit Schulranzen und Turnutensilien. Diese „erlaubte Enge“ hält aber keinen Vergleich stand zum Platzangebot in einem Auto.

Mit sieben Bahnstrecken und 50 Buslinien ist der Landkreis gut erschlossen. Allerdings laufen die meisten Linien auf die Zentren wie Rosenheim, Wasserburg, Bad Aibling oder Prien zu. Kurze Querverbindungen wie Schechen – Vogtareuth oder Rohrdorf – Stephanskirchen fehlen oder können nur mir einem erheblichen Zeitaufwand überwunden werden. Neue Buslinien sind finanziell nur schwierig machbar. Die Rosenheimer Verkehrsgesellschaft schlug alternativ vor, über die Einrichtung zusätzlicher Haltestellen auf den bestehenden Strecken nachzudenken.

Auch wenn Einzelne einen Halbstundentakt oder sogar alle 15 Minuten eine Fahrt fordern, die meisten sind mit dem Fahrplanangebot auf den Bahnstrecken zufrieden, im Busbereich sind dagegen Verdichtungen durchaus noch wünschenswert. Im nördlichen Landkreis wurde bemängelt, dass die Busse das Schulzentrum Wasserburg erst um halb Acht Uhr erreichen, diese Kritik wurde zum Teil auch zu Bad Aibling geäußert. Bemängelt wurden zudem die so genannten S-Kurse. Diese Fahrten werden nur an Schultagen angeboten. Für Berufspendler stehen sie an etwa 60 Tagen im Jahr nicht zur Verfügung. Auch am Samstag ist das Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr meist nicht arbeitnehmerfreundlich. Ein morgendliches Busangebot fehlt, die ersten Fahrten erreichen die jeweiligen Zentren häufig erst zwischen 9 Uhr und 10 Uhr.

Die dringende Notwendigkeit für die Einrichtung völlig neuer Busverbindungen im Landkreis ergab die Umfrage nicht.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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