Unterversorgung der Gartenböden im Landkreis

Rosenheim - Die kürzlich durchgeführte Bodenproben des Landkreises, in Zusammenarbeit mit dem Gartencenter, belegte eine zunehmende Unterversorgung der Gartenböden.

In Zusammenarbeit mit den Gartenbauvereinen und dem Gartencenter Rosenheim sammelte die Kreisfachberatung 237 Proben ein und ließ sie von einem Labor auswerten. Seit 25 Jahren führt Gartenfachberater Sepp Stein diese Aktion durch. Auslöser war 1987 das Bekanntwerden einer teils massiven Überdüngung der Gartenböden. Immerhin 90 Prozent enthielten zu viel Phosphor und in 60 Prozent der Böden wurde zu viel Kali nachgewiesen. Die damals begonnene zurückhaltende Düngung bewirkte, dass heute nur noch gut jeder zweite Gartenboden mit Phosphor überdüngt ist. Diese recht rasche Erholung der Böden ist für Fachleute überraschend. Beim leicht löslichen Nährstoff Kali beschränkte sich die Überdüngung bereits nach zehn Jahren auf nur noch 20 Prozent der Böden. Hier hat sich die Entwicklung inzwischen umgedreht. Heute ist fast jeder zweite Gartenboden mit Kali unterversorgt. Dieser Nährstoff ist verantwortlich für die innere Qualität des Gemüses und Obstes sowie für die Widerstandskraft der Pflanzen.

Mit dem Analyseergebnis bekamen die Gartenbesitzer eine Düngeempfehlung überreicht. Diese wurde von einigen Gartenbauvereinen noch verfeinert und sogar auf die individuelle Anbauplanung mit stark- und schwachzehrenden Gemüsearten abgestimmt.

In den meisten Gemüsegärten muss Stickstoff und Kali gedüngt werden. Phosphor kommt über den Kompost ausreichend in den Boden beziehungsweise ist ohnehin im Überschuss vorhanden. Ein passender organischer und daher bodenbelebender Dünger ohne Ballaststoffe ist der Engelhart Gartendünger, phosphatfrei mit sieben Prozent Stickstoff und neun Prozent Kali.

Auch mineralische Dünger können dosiert verwenden werden. Kreisfachberater Stein rät hier aber zur Vorsicht. Diese Dünger haben häufig den Nachteil, dass produktionsbedingt Stoffe enthalten sind wie Chlor oder Schwefel, die sich auf Dauer ungünstig auf Pflanzenwachstum, Umwelt und Nutzer auswirken können.

Ein interessantes Ergebnis brachte die Analyse einer eingereichten Holzasche. Mit einem Anteil von 5,3 Prozent Kali kann sie, dünn gestreut eine durchaus sinnvolle Kompostkomponente sein. Schon früher war Holzasche, dünn auf Schnee im Obstgarten gestreut, ein hoch geschätzter Dünger.

Grundsätzlich ist der pH-Wert, also der Kalkgehalt der Böden, im Landkreis allgemein recht hoch. Er liegt aber noch im für das Pflanzenwachstum günstigen Bereich. Der optimale pH-Wert richtet sich ohnehin nach der gewünschten Kultur. Moorbeetpflanzen, Rhododendren und Heidelbeeren wollen einen niederen pH-Wert, Kirschen einen hohen.

In vier von fünf Gartenböden ist der Magnesiumgehalt zu hoch. Ursache hierfür ist vor allem das ursprüngliche Verwitterungsgestein der nördlichen Kalkalpen. Aus diesem Grund ist das relativ häufig verwendete Kalimagnesia oder Patentkali mit hohem Magnesiumgehalt kein guter Dünger im Landkreis. Gartenfachberater Stein würde sie auch deshalb nicht verwenden, weil Kali und Magnesium Gegenspieler sind, die sich gegenseitig blockieren können. Das bedeutet, Magnesiumüberschuss kann den Kalimangel zusätzlich verstärken. Stein gibt zu, dass das Wissen um den Boden, das Bodenleben und das Wechselspiel der im Boden vorhandenen Nährstoffe kompliziert ist. Er verweist aber darauf, dass es die Basis des Pflanzenwachstums und damit auch unseres Lebens ist.

Die 237 ausgewerteten Bodenproben wurden im Herbst vergangenen Jahres sowie im Frühjahr dieses Jahres genommen. Gartenfachberater Sepp Stein plant die nächste Aktion ab Herbst 2013. Eine grafische Darstellung der Ergebnisse der aktuellen Bodenuntersuchungsaktion sowie die quantitative Entwicklung der Pflanzennährstoffe in Gartenböden seit 1987 ist hier zu finden

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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