Nur "die Gehrichtung gezeigt"

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Der 52-jährige Wasserburger, der im vergangenen August Polizisten angegriffen haben soll.

Rosenheim - Die Verhandlung gegen ein Wasserburger Paar, das im August Polizisten angegriffen haben soll, ist verschoben worden. Zeichnet sich ein Freispruch ab?

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Versuchte Körperverletzung, Widerstand gegen Polizeibeamte und versuchte Gefangenenbefreiung lauten die Vorwürfe gegen eine 32-Jährige aus Wasserburg. Wie berichtet, soll sich die zierliche Frau im vergangenen Sommer handgreiflich gegen eine Festnahme gewehrt und dabei sogar einen Polizisten angegriffen haben. Ihrem 52-jährigen Lebensgefährten werden ebenfalls versuchte Körperverletzung und Widerstandshandlungen vorgeworfen, seine Verhandlung wäre eigentlich für den morgigen Mittwoch terminiert gewesen.

Doch die ist nun erst einmal verschoben, genau wie die Verhandlung gegen die Lebensgefährtin. Nachdem die Fälle ursprünglich getrennt voneinander hätten verhandelt werden sollen, wird es nun einen gemeinsamen Termin im Frühjahr geben. Rechtsanwalt Peter Dürr, der die 32-Jährige vertritt, spricht von einem "Versehen des Gerichts". Von Anfang an hätten sich er und sein Kollege Dr. Andreas Michel, der den 52-Jährigen verteidigt, über die getrennte Ansetzung der Fälle gewundert. Dass es nun eine gemeinsame Verhandlung geben soll, ist laut Michel ein gutes Zeichen: "Das lässt hoffen. Nun scheint es doch ein bisschen anders zu laufen." Zumal sich in den vergangenen Wochen eine interessante Entwicklung ergeben hat: Die beteiligten Polizisten schwächten ihre Aussagen ab beziehungsweise sind sie laut Michel nun zumindest "widersprüchlich".

Und: Einer der beteiligten Polizisten hat laut Anwalt Dürr mittlerweile zugegeben, auch an dem Vorfall in der Silvesternacht beteiligt gewesen zu sein. Wie berichtet, war ein 53-Jähriger damals im Rahmen eines Polizeieinsatzes in der Wasserburger Innenstadt schwer verletzt worden. Der Programmierer wirft eben jenem Beamten vor, ihn grundlos zusammengeschlagen zu haben. Der wiederum beschuldigt den 53-Jährigen, sich ihm gegenüber aggressiv verhalten zu haben, sodass er sich nur mit Schlägen zu helfen gewusst habe. Um Licht in das Dunkel dieser Nacht zu bringen, ermitteln die Staatsanwaltschaft sowie die im Auftrag des Innenministeriums arbeitende Zentrale Ermittlungsstelle für Amtsdelikte derzeit gegen den Polizisten.

Zumindest zum strittigen Einsatz im August schwächte der in die Kritik geratene Beamte nun seine Aussagen zu Lasten des Paares ab. Die Frau soll jetzt nicht mehr versucht haben, sich auf ihn zu "stürzen", als er gerade auf dem Oberkörper des Lebensgefährten kniete, und nicht versucht haben, einem anderen Beamten "das Knie in den Unterkörper zu rammen". Vielmehr habe das 1,52 Meter große Leichtgewicht nur ihrem Lebensgefährten helfen wollen und, festgehalten von zwei weiteren Beamten, mit den Beinen gestrampelt. Auch der Mann habe die Beamten nicht wirklich körperlich angegriffen, er habe die Polizeiarbeit an jenem Abend lediglich "behindert".

Sein eigenes Verhalten, dabei aber bleibt der ehemalige Türsteher einer Diskothek, sei untadelig gewesen. Den 52-Jährigen habe er nämlich nicht, wie der behauptet, geschlagen und getreten, sondern ihm nur "die Gehrichtung gezeigt." Anschließend habe er ihn "gestupst", denn "wenn ich ihn geschubst hätte, wär der gleich zu Boden gegangen".

Die zuständige Richterin am Rosenheimer Amtsgericht, Bärbel Höflinger, trug diesen neuen Aussagen dahingehend Rechnung, dass sie die bislang im Raum stehenden Geldstrafen von 3600 beziehungsweise 4000 Euro als viel zu hoch gegriffen bezeichnete. In einem Rechtsgespräch zwischen Staatsanwaltschaft, Richterin und Verteidigung habe Dürr als "äußerstes Angebot unsererseits" eine sogenannte Einstellung gegen Geldauflage vorgeschlagen. Das hieße, dass die 32-Jährige, die in ihrem Leben noch nie straffällig geworden war, nicht schuldig gesprochen wird und sie lediglich einen kleinen Geldbetrag für einen karitativen Zweck zahlt. "Meine Mandantin will, dass die Sache endlich vom Tisch ist." Das Verfahren nehme die Frau sehr mit, so Dürr.

Die Staatsanwaltschaft aber lehnte dieses Angebot ab. Es wird nun zu einer umfangreichen Verhandlung mit zahlreichen Zeugen kommen. "Dann geht alles nochmal von null los", sagt Andreas Miller von der Staatsanwaltschaft Traunstein. Anwalt Dürr aber ist optimistisch: "Aus unserer Sicht stehen wir nun sehr gut da."

Stefanie Zipfer (OVB-Heimatzeitungen)

Quelle: rosenheim24.de

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