Immer mehr jugendliche Flüchtlinge im Landkreis

Landkreis - Im Landkreis Rosenheim wurde eine deutliche Zunahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen festgestellt. Die Unterbringungskapazitäten reichen nicht mehr aus.

Die deutliche Zunahme bei den Aufgriffen unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge im Landkreis Rosenheim hat am Mittwoch, 28. März, den Jugendhilfeausschuss beschäftigt. Da die Unterbringungskapazitäten nicht mehr ausreichen, wurde die Einrichtung einer so genannten Clearingstelle diskutiert.

Clearingsstelle soll Fürsorge verbessern

Der Jugendhilfeausschuss beschloss, die freien Träger der Jugendhilfe, konkret das Caritas Kinderdorf Irschenberg, das Diakonische Werk Rosenheim und Startklar Schätzel, die sich bei den Inobhutnahmen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen bisher schon engagieren zu bitten, ein Angebot für eine Clearingsstelle für neun bis 12 Personen zu erstellen. Mit einer solchen Clearingsstelle soll die Fürsorge der Kinder und Jugendlichen verbessert werden. Landrat Josef Neiderhell sagte, es gehe um die Kinder. Nach ihren Erfahrungen durch die Reise bräuchten sie Betreuung. Der Landrat geht davon aus, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge keine Erscheinung für einen beschränkten Zeitraum sind. Die Aufgabe bleibe uns, meinte er.

Im Ausschuss war die umfangreiche Betreuung der unter 16-jährigen dargestellt worden. Regelmäßig werden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Landkreis Rosenheim seit dem Krieg im Kosovo, Ende der 1990er Jahre aufgegriffen. Das Kreisjugendamt nimmt sie in Obhut und kümmert sich um die Kinder und Jugendlichen unter 16. Bis 2008 wurden jährlich zwischen fünf und zehn junge Flüchtlinge festgestellt, die ohne Begleitung ihrer Eltern einreisten. Diese Zahlen steigen seit 2009 deutlich an. 2010 waren es schon 29 und im vergangenen Jahr 31. Die Kinder und Jugendlichen stammen inzwischen vorwiegend aus dem arabischen Raum, vor allem aus Afghanistan, Irak und Iran.

Hilfplan orientiert sich am schulischen, therapeutischen und erzieherischen Bedarf

Nach dem Aufgriff durch die Polizei kümmert sich der Allgemeine Sozialdienst um eine Unterbringung. Abends und in der Nacht werden die Minderjährigen von den Beamten ins Caritas Kinderdorf Irschenberg gebracht. Um eine bedarfsgerechte Hilfe organisieren zu können, werden mehrere Gespräche mit dem Kind geführt. Dabei muss jedes Mal ein Dolmetscher dabei sein. Am Ende steht ein Hilfeplan, der sich am festgestellten erzieherischen, schulischen und therapeutischen Bedarf orientiert. Zudem ist es notwendig, beim Familiengericht einen Vormund zu bestellen. Dieser kümmert sich unter anderem um Behördengänge, stellt sprachliche Unterstützung oder gesundheitliche Versorgung sicher und versucht Familienangehörige zu finden.

Im vergangenen Jahr gab der Landkreis Rosenheim, über die Jugendhilfe, 1,2 Millionen Euro für die Betreuung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge aus. Während die Kosten für die Unterbringung und die ärztliche Versorgung komplett vom Staat erstattet werden, muss der Landkreis alle darüber hinaus anfallenden Kosten übernehmen.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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