"Die Vernunft hat gesiegt"

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Balthasar Biechl.

Rosenheim - Der Miesbacher Zuchtverein bekommt einen neuen Stammsitz - dank eines Bürgerentscheids! Wir haben mit dem Zuchtverbands-Vorsitzenden Balthasar Biechl gesprochen:

Der Zuchtverband Miesbach, dessen Mitglieder zu über 50 Prozent aus dem Landkreis Rosenheim kommen, errichtet einen neuen Stammsitz in Miesbach und will damit seine Position als Viehvermarkter mit bundes- und europaweiter Bedeutung untermauern.

Mit einem Bürgerentscheid wurde jetzt der Weg hierfür geebnet. Das OVB sprach mit dem Zuchtverbands-Vorsitzenden Balthasar Biechl über die Bedeutung des Entscheids für die Bauern.

Seit Jahren bemüht sich der Zuchtverband Miesbach, dessen Sitz sich derzeit noch in der Miesbacher Oberlandhalle befindet, um einen Neubau in der Stadt. Mit rund 73 Prozent haben die Miesbacher im Rahmen eines Bürgerentscheides den Weg für dieses Vorhaben jetzt freigemacht, weil sie die Errichtung eines Supermarktes am jetzigen Zuchtverbands-Standort gebilligt haben, die die Finanzierung der Aussiedlung innerhalb Miesbachs sichert. Wie groß ist der Stein, der Ihnen vom Herzen fällt?

Ich bin froh, dass bei der Abstimmung die Vernunft der Bevölkerung gesiegt hat.

Wie viele Bauern, die dem Verband angehören, sind im Landkreis Rosenheim von der Entscheidung betroffen?

Den Viehzuchtgenossenschaften (VZG) Rosenheim, Bad Aibling und Wasserburg gehören derzeit rund 900 Herdbuchbetriebe mit 34867 Kühen an.

Mit welchen Folgen hätten die Ihrem Verband angehörenden Viehvermarkter im Landkreis rechnen müssen, wenn die Bürger in Miesbach anders entschieden hätten?

Für die notwendige Aussiedlung hätte die solide finanzielle Grundlage gefehlt, sodass die Zukunft des Verbands völlig offen gewesen wäre.

Der mehrjährige Meinungsbildungsprozess in Miesbach ging, vorsichtig ausgedrückt, sehr schleppend voran. Haben Sie eigentlich jemals daran gedacht, den Hauptsitz des Verbandes in den Landkreis Rosenheim zu verlegen?

Selbstverständlich haben wir alle Konstellationen durchdacht, aber schließlich hängt vom Baurecht auf dem jetzigen Zuchtverbandsgelände die Finanzierung des neuen Standortes ab. Der Stadtrat Miesbach hätte hier sicher sein Veto eingelegt.

Hand aufs Herz: Auch wenn Miesbach der größte Viehmarkt Deutschlands ist, können regelmäßige Viehmärkte in Zeiten, in denen die Internet-Vermarktung immer mehr an Bedeutung gewinnt, sich auf Dauer behaupten?

Die Internet-Vermarktung wird bisher so gut wie nicht angenommen. Zuchtvieh ist nicht vergleichbar mit einem Auto.

Welche wesentlichen baulichen Unterschiede bestehen zwischen Ihrem bisherigen und dem künftigen Hauptsitz, die für eine moderne Viehvermarktung Voraussetzung sind?

Er garantiert praktische Abläufe und kurze Wege. Zudem bietet er eine gute Anfahrt außerhalb des Stadtgebietes und die Möglichkeit, die notwendigen veterinär- und baurechtlichen Vorgaben einhalten zu können.

Mit welcher Investitionssumme rechnen Sie für den Neubau?

Mit sieben Millionen Euro.

Steht der Finanzierungsplan bereits, und können Sie sagen, wie er in groben Zügen aussieht?

Nach dem Bürgerentscheid ja. Die Finanzierung erfolgt duch einen Teilverkauf des Grundstücks an der Schlierseer Straße in Miesbach, durch Erbpacht, durch den Griff in die Rücklagen und durch die Gewährung von Fördermitteln.

Kommen auf Ihre Mitglieder und damit auf die Viehzüchter im Landkreis Rosenheim aufgrund der Baumaßnahme unter Umständen finanzielle Sonderbelastungen zu?

Diese Frage kann ich mit einem klaren Nein beantworten.

Werden Sie die Neuorientierung in Miesbach nutzen, um sich im Landkreis Rosenheim um neue Mitglieder zu bemühen?

Unabhängig von unserer Baumaßnahme bemühen wir uns ständig um neue Mitglieder, um die gute Nachfrage nach Zuchtvieh und Kälbern decken zu können.

Interview: Norbert Kotter (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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