So sieht Hilfe im Alltag aus

Deutschvokabeln und Recycling lernen

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Deutsch lernen mit viel Eifer - in Rott funktioniert die Nachhilfe gut
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Rott - Die Asylbewerber aus Syrien, die seit einigen Monaten in Rott wohnen, erlernen den deutschen Alltag. Hilfe bekommen sie von drei engagierten Frauen aus dem Ort.

Viel Mühe und Fleiß kostet es die Syrer, um den Ablauf des Tages in Deutschland zu verstehen.

Viele Bilder machen den deutschen Satz leichter

Deutsch lernen sie schon seit einigen Wochen, bei den Hausaufgaben und dem Üben der Sätze bekommen sie Hilfe durch drei ortsansässige Frauen, die sich zur Verfügung gestellt haben, den Asylbewerbern beim Deutschlernen zu helfen.

Jede Woche werden Vokabeln gepaukt und Sätze erklärt. Und auch der Alltag näher gebracht. Denn vieles ist fremd. Mit den Deutschstunden an der VHS ist es bei weitem nicht getan, um eine echte Integration zu verwirklichen. Allein die Grammatik der Sprache gibt oft Rätsel auf.

Lernbegeisterung

Der syrische Familienvater, der mit seiner schwangeren Frau und den drei kleinen Kindern in Rott eine Wohnung durch das Landratsamt bekommen hat, ist sprachlich jedoch sehr talentiert. Fünf Sprachen beherrscht er, nun kommt Deutsch hinzu. Sein Wille, sich schnell in das Gemeindeleben einzugliedern, ist da. Er ist nicht nur sprachlich begabt, sondern auch sonst ein kluger Kopf. Er hat in seiner Heimat vor Jahren eine Firma aufgebaut, hat alltagstaugliche Maschinen entwickelt und ist auch künstlerisch äußerst interessiert und handwerklich aktiv.

Jetzt fügt er sich in den deutschen Alltag ein, fängt bei Null an  und lernt – so grotesk es klingen mag, Müll zu trennen. Diese Art des Recyclings ist den neuen Bürgern von Rott noch gar nicht geläufig. Doch die Mülltonne ist voll, der Gang zum Wertstoffhof dringend erforderlich.

Auch seine verwitwete Schwester ist mit in der Wohnung. Sie ist emotional mehr angeschlagen, weil ihre beiden erwachsenen Kinder in Syrien verblieben sind. Dort gehe es ihnen nicht gut, wie der Telefonkontakt verlauten lasse. Sie bangt um ihre Lieben. Einkaufen in Deutschland will gelernt sein Eine neue Deutschstunde brachte viele Hausaufgaben mit sich.

Tolles Engagement: Regina Brandl, Ruth Herold und Beate Irl

Regina Brandl, Ruth Herold und Beate Irl kümmern sich liebevoll um die neuen Rotter Einwohner. Alle drei machen dies ehrenamtlich und mit großer Freude: „Es ist schön, wenn man anderen Menschen helfen kann. Selbst verändert es das Bewusstsein, wie viel für uns alle selbstverständlich ist, doch für Fremde zu echten Herausforderungen werden kann“.

Mit den Syrern kommen sie gut zurecht, sie treffen sich im Gemeindesaal, hier geht es zunächst um die Deutschaufgaben. Doch es fällt noch viel mehr an: „Momentan üben wir das Einkaufen“, erzählt Regina Brandl. Damit sich hier die Familie schnell auch gut verständigen kann und keine großen Sprachbarrieren aufkommen, werden normale Alltagserledigungen gemeinsam erarbeitet.

Das große Ziel: Die Menschen aus Syrien selbständig zu machen, damit die normalen Lebensaufgaben keine Hindernisse mehr darstellen. Regina Brandl hofft, dass mehr Menschen helfen: "Selbst mit ein oder zwei Stunden in der Woche ist schon viel erreicht. Es ist toll, wenn persönliche Hilfe Menschen voranbringt". Alle Bedenken, dass Engagement zeitlich nicht möglich sei, wirft sie über Bord und erklärt, dass jede Stunde wertvoll und gut sei. Wichtig wäre schließlich, dass man diese Stunde investiert. Das tut sie mit ihren zwei Mitstreiterinnen aus vollem Herzen, wie zu bemerken ist. Auch der Umgang mit den neuen Bürgern ist wunderbar. Es ist ein großes Miteinander.

Große Wünsche stehen nicht auf der Tagesordnung, mehr die kleinen Dinge gehören zum Bedürfnis der Asylbewerber. Beispielsweise würden die Männer gerne bald arbeiten.

Doch hier gilt eine Einschränkung: Nach 9 Monaten Ansässigkeit ist an eine Annahme einer Arbeitsstelle erstmals zu denken. Außerdem gilt: Nicht durch das Arbeitsamt, sondern durch eigene Recherchen dürfe eine Stelle angenommen werden, heißt es.

Momentan gestalten sich die Tage daher etwas zäh. Für die beiden drei und vier Jahre alten Kinder begann kürzlich eine spannende Zeit im Rotter Kindergarten. Die zwei wurden schnell und sehr offen von den anderen Kindern willkommen geheißen, jetzt darf unbeschwert gespielt werden.

Menschliche Hilfe tut dem Gemeindeleben gut

Die Gemeinde Rott und viele ansässige Bürger machen sich Gedanken um die Asylbewerber, großes Engagement wird den syrischen Menschen entgegen gebracht, die jede Hilfe gerne annehmen und dankbar sind für Alltagstipps. Doch einige Wochen lebten sie völlig isoliert und anonym in der idyllischen Ortschaft. Das Landratsamt hatte nicht sofort Kontakt zur Gemeinde oder den Bürgern aufgenommen, dass Neubürger eventuell integrationswillig seien. Sprachbarrieren gibt es also auch unter deutschen Ämtern  immer mal wieder.

Quelle: rosenheim24.de

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