Erneute Überprüfung in Rott 

Fällung samt Demo abgesagt: Müssen wirklich alle Bäume weg?

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Der örtliche Bund Naturschutz kämpft für den Erhalt der Bäume entlang der Bahnhofstraße in Rott am Inn. 
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Rott - Neun Bäume entlang der Bahnhofstraße könnten wohl bald Geschichte sein. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten sollen sie gefällt werden. Jetzt hat sich das Blatt scheinbar in letzter Sekunde gewendet: 

UPDATE, Mittwoch, 8 Uhr: Demo auch abgesagt 

Wie Wolfgang Matschke, Vorstand des örtlichen Bund Naturschutzes Rott am Inn, gegenüber wasserburg24.de erklärt, habe er die geplante Demonstration abgesagt, da auch die Fällung der Bäume verschoben wurde. "Wir haben zumindest eine Verschiebung der Fällarbeiten erreicht. Das Straßenbauamt versprach uns bei weiteren Baumuntersuchungen zu verständigen, damit wir die Notwendigkeit der Fällung auch überprüfen können", sagt Matschke. "Unser Ziel muss sein, die Altkastanien möglichst zu erhalten und nur wirklich gefährliche zu entfernen und durch Neuanpflanzung zu ersetzen, ohne dass gleich eine ganze Allee verschwindet." 

"Diese alten Kastanien an der Bahnhofstraße sind Blickfang und Zierde - für unseren Ort gar nicht wegzudenken. Ihr Verlust würde eine Lücke hinterlassen, die die meisten Rotter Bürger nicht wollen. Der Sommersturm hat 2008 bereits große Teile des Altbaumbestandes im Ort vernichtet", mahnt Matschke weiter.  

Dass alte Bäume auch eine Verkehrsgefährdung darstellen können, liege laut dem Rotter Vorstand in der Natur der Sache. Irritiert sei Matschke jedoch von der Tatsache, dass "von einem Jahr auf das andere plötzlich alle Kastanien gefährdet" seien. 

"Nun bleibt weiter abzuwarten, inwieweit wir unser Interesse am Erhalt der alten Bäume beispielsweise durch Sanierungen durchsetzen können. Ein breiter Rückhalt aus der Bevölkerung dürfte uns aber sicher sein", so Matschke abschließend. 

UPDATE, Dienstag, 13.45 Uhr: Baumfällung in der Bahnhofstraße abgesagt 

"Im Bereich Rott am Inn haben wir in den letzten Jahren immer wieder Maßnahmen wie beispielsweise Astrückschnitte ergriffen, damit wir keine Bäume fällen müssen", heißt es schriftlich von Axel Reinicke von der Abteilung Straßenverwaltung- und unterhaltung des Staatlichen Bauamts Rosenheim. 

"Dadurch konnte die Verkehrssicherheit der Bäume noch für einige Jahre gewährleistet werden. Um den Einwendungen des örtlichen Bund Naturschutzes gerecht zu werden, wird zu unserer Baumkontrolle nun eine weitergehende Untersuchung durchgeführt. Deshalb haben wir den Termin am Mittwoch für die Beseitigung einzelner Bäume im Zuge der Baumreihe in der Bahnhofstraße abgesagt." Voraussichtlich findet am 29. November jedoch eine artenschutzrechtliche Überprüfung der Bäume statt. 

Für die Pappeln an der Saatstraße 2079 bei Ferchen jedoch gibt es kein gutes Ende: Sie müssen am Mittwoch gefällt werden, da die Vitalität der Bäume stark nachgelassen habe. "Abgestorbene Äste sowie Grünastbrüche fallen regelmäßig auf die Straße und den Geh- und Radweg und gefährden die Verkehrssicherheit. Durch einen Grünastbruch eines dicken Astes wäre es beinahe zu einem folgenschweren Unfall gekommen", so die Begründung des Staatlichen Bauamts Rosenheim. 

Das Staatliche Bauamt betreut die Bundes- und Staatsstraßen in den Landkreisen Miesbach, Ebersberg, Mühldorf und Rosenheim. Für diese Straßen besteht die Verkehrssicherungspflicht. Deshalb gehört es auch zu den Aufgaben und Pflichten des Bauamts die Bäume neben den Straßen regelmäßig auf Ihre Standfestigkeit und Verkehrssicherheit zu überprüfen. 

Vorbericht:

Entlang der Bahnhofsstraße müssen im Bereich Voglberg neun Bäume weichen. Der Grund: die Verkehrssicherung sei nicht mehr gewährleistet. Das entschied das Staatliche Bauamt Rosenheim nach einer Überprüfung durch geschulte Baumkontrolleure. Im Rahmen der routinemäßigen Beobachtung der Straßenbäume an den Staats- und Bundesstraßen stachen den Arbeitern die Bäume im Bereich Voglberg ins Auge

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Bei den Sorgenkindern handelt es sich überwiegend um Kastanien, aber auch einige Eschen sind betroffen. Im Kronen- und Stammbereich weisen sie laut einem Gutachten starke Astungswunden auf, die teilweise bis zu 50 Zentimeter tief eingefault sind. 

Aufgrund der gravierenden Schäden sei die Bruchsicherheit der Bäume mittlerweile so weit beeinträchtigt, dass die Verkehrssicherheit durch Zuschneidung und Pflege der Kronen nicht mehr hergestellt werden könne.

Zudem weisen die Bäume laut dem Gutachten einen hohen Totholzanteil auf, der auf eine abgängige Vitalität schließen lässt. Die Bäume werden vor der Fällung von einem Spezialisten hinsichtlich potentieller Fortpflanzungs- und Ruhestätten sowie den Besatz von Tieren untersucht

Die Bäume in dem rot markierten Bereich entlang der Bahnhofstraße im Bereich Voglberg müssen weichen. 

Es regt sich bereits Widerstand von Seiten des örtlichen Bund Naturschutzes gegen die geplante Fällung. Um alle neun Bäume, die bereits mit einem großen roten "F" gekennzeichnet sind, wurden Anfang der Woche Schilder mit folgendem Text gebunden: 

"Dieser Baum soll gefällt werden! Weil Totholz vorhanden ist und angeblich durch Schnittmaßnahmen nicht mehr zu retten wäre. Muss dieser Baum wirklich gefällt werden? Alte Bäume sind für Menschen und Insekten besonders wertvoll!" 

Die Mitglieder des örtlichen Bund Naturschutzes Rott am Inn haben im Namen von ihrem Vorstand Wolfgang Matschke eine Demonstration gegen die Baumfällung beim Rosenheimer Landratsamt angekündigt. Eine Sprecherin des Landratsamts bestätigte auf Nachfrage von wasserburg24.de, dass die Versammlung mit 20 Teilnehmern fristgerecht angemeldet worden sei. Die Demonstration wird demnach am Mittwochnachmittag für eine Stunde zwischen 14 und 15 Uhr in der Bahnhofstraße stattfinden. 

Darüber hinaus liefen zum gegenwärtigen Zeitpunkt Verhandlungen zwischen dem Bund Naturschutz und dem Staatlichen Bauamt über die Anzahl der zu fällenden Bäume

Widerstand in Form eines Zettels regte sich bereits. 

Rotts Bürgermeister Marinus Schaber bedauere die Fällung sehr: "Ich kämpfe wirklich darum, dass jeder Baum so lange es geht stehen bleiben kann. Seit dem letzten großen Orkansturm im Jahr 2008 ist Rott lichter geworden. Nun sollen neun weitere Bäume weichen, anfangs war nur von dreien die Rede." Da Rott aber keine Baumschutzverordnung habe und die Entscheidungsmacht durch den Standort der Bäume an der Bahnhofstraße beim Staatlichen Bauamt liege, seien der Gemeinde die Hände gebunden

Als Ersatz für die gefällten Bäume sollen im gleichen Bereich Nachpflanzungen in Abstimmung mit der Gemeinde erfolgen. Das Staatliche Bauamt habe Bürgermeister Schaber den Vorschlag zur Pflanzung von schmalen Säuleneichen gemacht. "Der Bund Naturschutz kritisiert dabei aber, diese Baumart würde gar nicht in unserer Region passen", so Schaber. 

Die Bäume sind von Totholz befallen. 

Die neun Bäume sind im Übrigen nicht die einzigen, denen das Wasser im Gemeindebereich Rott bis zum Hals steht: Wie Bügermeister Schaber erklärt, stünden drei Pappeln in Wurzach ebenfalls ein baldiges Ende bevor. "Fährt man von Rott in Richtung Aßling, kommt man direkt an ihnen vorbei. Die Pappeln sind die Nächsten, die weg müssen", konstatiert Schaber nüchtern. 

Die Fällarbeiten in der Bahnhofstraße werden am Mittwoch, 29. November, durchgeführt. Die Straßenmeisterei Rosenheim muss die Bahnhofsstraße im Bereich der Baumstandorte für die Dauer der Arbeiten komplett sperren.

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mb

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