Pfarrer als geheimer Starredner

"Everybodys Darling ist auch everybodys Depp"

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Rott - Zuhauf waren sie gekommen. Nicht nur Gäste der CSU, sondern auch Vertreter der Bundes- und Landespolitik sowie "Normalos". Sie alle gedachten Franz Josef Strauß. Einer überraschte dabei alle:

"Wir sind hier nicht bei einer Heiligsprechung, aber sicher auch nicht vor dem jüngsten Gericht" eröffnete der Rotter Pfarrer Klaus Vogl die Messe anlässlich des 100. Geburtstags von Franz Josef Strauß. Der Geistliche nahm somit allen Strauß-Kritikern am Sonntag die Segel aus der Hand.

Gottesdienst und Erinnerung an FJS

Familie, Angehörige, Vertreter der CSU, der Landes- und Bundespolitik. Weggefährten ebenso wie auch Bürgerinnen und Bürger aus dem Gemeindebereich. Die Kirche in Rott als tolle Kulisse für den Gottesdienst, der an den früheren Ministerpräsidenten in besondere Weise erinnern sollte. Großartige musikalische Umrahmung und pfiffige Worte überraschten die Anwesenden, darunter auch Ministerpräsident Horst Seehofer, Edmund Stoiber, Ilse Aigner, Alexander Dobrindt, Generalsekretär Andreas Scheuer, Otto Wiesheu, Christian Schmidt, Angelika Niebler, Reinhold Bocklet, Ursula Männle, Gerda Hasselfeldt, und viele weitere Ehrengäste aus der Politik sowie freilich zahlreiche Angehörige von Franz Josef Strauß.

Einer, der sie allesamt begeisterte in seiner frischen und aufgeweckten Art stand vorne am Altar. Pfarrer Klaus Vogl nahm kein Blatt vor den Mund und schüttelte quasi eine Predigt "aus dem Ärmel" die seines Gleichen sucht.

Er rief zur Offenheit auf und die immer größer werdenden Herausforderungen menschlich anzunehmen. "Natürlich gilt: Wer zu offen ist, kann nicht mehr ganz dicht sein um es salopp und vielleicht sogar im Sinne von Franz Josef Strauß zu sagen", betonte Pfarrer Vogl. Doch es sei die Aufgabe aller, sich der Verantwortung zu stellen, so der Geistliche weiter. "Everybodys Darling ist oft auch everybodys Depp", so Vogl in Anspielung darauf, dass sich Franz Josef Strauß, der nunmehr 100 Jahre alt geworden wäre, nicht immer Freunde mit seinen Aussagen gemacht habe, ihm das aber meist auch egal gewesen sei, auch Kritiker gehabt zu haben. 

Geradliniger Weg

Der Gottesdienst war feierlich, nicht übertrieben pompös. Und die ausgewählte Lesung wurde süffisant angekündigt: "Einige von Ihnen, liebe Kirchengemeinde, die jetzt keinen der reservierten Plätze ergattern konnten, wird bei der Lesung gleich das Schmunzeln kommen", so Pfarrer Vogl weiter. Der Text betonte, dass den Mächtigen und Reichen stets ein besonderer Platz aufgespart werde, den normalen Menschen, den nicht so Reichen oder den Kranken nur mindere Plätze zuteil würden. Die Anspielung auf die vorbereitete Platzierung der Ehrengäste war angekommen, brachte ein Lächeln und Verständnis in der Besucherschar.

Verehrung für einen echten Bayer

Bei der Kranzniederlegung vor der Strauß Familien-Gruft gab es lobende Worte und schöne Erinnerungen an das bekannte Gesicht Franz Josef Strauß. Beim anschließenden Stehempfang im Gasthaus Stechl wurde die Rede von Ministerpräsident sehr umjubelt. Er brachte Anekdoten ebenso gerne wie auch kritische Worte rund um Franz Josef Strauß.

Er nahm sich auch kein Blatt vor dem Mund und kritisierte, dass die Opposition noch nicht einmal einem Toten gedenken könne, ebenso sprach er über die menschlichen Züge des ehemaligen Ministerpräsidenten Strauß, der viel für Bayern getan habe und ein besonderer Sohn des Freistaates war. Die Bayern - aber auch Deutschlandhymne (überall war Franz Josef Strauß schließlich "daheim") ertönte, fast alle der Gäste sangen lautstark mit.

Rotts Bürgermeister Marinus Schaber würdigte das Tun und den Menschen Franz Josef Strauß. Er schätze die Familie Strauß sehr und es sei heute hier klar ersichtlich, dass es eben nicht ausschließlich eine Partei-Veranstaltung sei, sondern ein gemeinsames Erinnern an Franz Josef Strauß, der Bayern deutlich geprägt habe, so Schaber.

Ministerpräsident Horst Seehofer sowie auch die Tochter von Franz Josef Strauß - Monika Hohlmeier - brachten es in den Reden zum Ausdruck, was viele der Anwesenden dachten: Franz Josef Strauß war kein Mitläufer, doch ein würdiger Bayer und Mannschaftsspieler, der viele Ideen verwirklichte und zugunsten des Landes Bayern und auch deutschlandweit die Ärmel gerne hochgekrempelt hatte. Klaus Stöttner freute sich, dass Kollegen aus Südtirol zum Gedenk-Gottesdienst und dem Stehempfang gekommen waren, zeige es doch, dass auch über die bayrische Grenze hinaus der Name Franz Josef Strauß geschätzt werde.

Die heimische CSU betonte, dass Rott immer wieder gerne Ausstellungen zu Strauß mache. Die Veranstaltung am Sonntag in Rott war von Fröhlichkeit geprägt, von bayrischem Charme umhüllt und dennoch klar strukturiert: "Wir blicken dankbar zurück und schauen motiviert in die Zukunft - ohne den Blick zu verlieren und unsere Bürger sowie unsere mehr werdenden Aufgaben zu vergessen", hieß es von Horst Seehofer. Bei der Rede von Horst Seehofer standen im Hintergrund die Initialen von Franz Josef Strauß auf einer Leinwand. Und es war ein großer Schatten zu sehen. "Das schaut aus, als wäre Franz Josef Strauß noch immer als Schatten hier dabei", bemerkten einige Rotter Bürger. Horst Seehofer huschte nach seiner Rede zur nächsten Pflicht: Zu Beratungen bezüglich der aktuellen Flüchtlingssituation. "Auf geht's zum Flughafen Franz Josef Strauß" lächelte Seehofer.

Quelle: rosenheim24.de

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