Nach dem Tod des Doppelmörders von Rott 

So viele Suizide gab es in den letzen Jahren in forensischen Kliniken 

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Selbstmord in geschlossenen forensischen Kliniken - wie kann so etwas trotz Sicherheitsvorkehrungen und Überwachung geschehen und wie oft passiert ein Suizid? 
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Rott - Der mutmaßlich Doppelmörder Izzet S. hat sich in seinem Zimmer in einer forensischen Klinik in Straubing umgebracht. Die Obduktion ergab Strangulation als Todesursache, Anhaltspunkte für fremde Gewalteinwirkung gibt es nicht. Wie kann ein Suizid in einer überwachten Abteilung geschehen und wie viele Fälle gab es in den letzten Jahren? 

Das Amt für Maßregelvollzug im Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) Bayreuth hat als zuständige Fachaufsichtsbehörde bereits eine Prüfung des Falles von Izzet S. eingeleitet. Das erklärt Pressesprecher Michael Neuner. "Eine Stellungnahme der Klinik wurde eingeholt. Der Vorfall wird derzeit noch polizeilich untersucht, sodass vor Abschluss der Ermittlungen von Seiten des ZBFS-Amt für Maßregelvollzug keine weiteren Auskünfte möglich sind." 

Im Maßregelvollzug (auch verkürzt "Forensik" von "Klinik für Forensische Psychiatrie") werden unter bestimmten Umständen psychisch kranke (§63 StGB: Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus) oder suchtkranke (§64 StGB: Unterbringung in einer Entziehungsanstalt) Straftäter zur Besserung und Sicherung untergebracht.

Wie sicher sind forensische Kliniken für Suizid-Gefährdete? 

Schriftlich heißt es vom Amt für Maßregelvollzug: "Grundsätzlich gilt, dass in allen Maßregelvollzugseinrichtungen klinikspezifische Sicherheitskonzepte bestehen, um Suizide zu vermeiden. Das Behandlungsteam in den jeweiligen Einrichtungen trifft stets Einschätzungen darüber, ob Anzeichen für eine Suizidalität der Patienten bestehen."

Die Ausstattung der Räume in den Maßregelvollzugseinrichtungen sei je nach Sicherheitsstufe des Raums oder der Station verschieden gestaltet: Besonders gesicherte Räume seien laut Neuner so ausgestattet, dass eine Gefährdung der Patienten weitgehend vermieden werden könne. Ausstattungsgegenstände seien in diesen Fällen fest installiert und Ecken abgerundet. Andere Räume, die nicht besonders gesichert sind, seien mit normalen Einrichtungsgegenständen ausgestattet.

Wie viele Suizid-Fälle gab es in den letzten Jahren? 

In den insgesamt 14 bayerischen Maßregelvollzugseinrichtungen sei es in den letzten drei Jahren zu insgesamt elf Suiziden, gekommen, wie Michael Neuner erklärt. Aufgeschlüsselt nach Jahren ergibt sich dabei laut dem Amt für Maßregelvollzug folgende Statistik: 

  • 2014: Zwei Suizide bei einer Belegungszahl von 2.549 Patienten 
  • 2015: Fünf Suizide bei einer Belegungszahl von 2.583 Patienten 
  • 2016: Vier Suizide bei einer Belegungszahl von 2.565 Patienten

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Berichterstattung bei Suizid

Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de.

mb

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