Wegen dem Discounter

Beginnt in Rott der Wahlkampf 2020 schon jetzt?

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In Rott pfeiffen es die Spatzen von den Dächern: Fast Wahlkampfstimmung im idyllischen Ort.
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Rott - Bahnt sich eine Schlammschlacht im idyllischen Örtchen an? Die verschiedenen Parteien und politischen Gruppierungen hielten sich verdächtig ruhig in den letzten Monaten. Doch jetzt beginnen wieder Streitereien.

Ums eigentliche Thema, nämlich den momentanen Stand zum Großprojekt "Discounter im Gemeindegebiet Rott" ging es nur am Rande. Es waren mehr die Sticheleien politischer Natur, die die Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend zu einer hitzigen Wortspielerei machten.

Die CSU hatte an alle Haushalte einen Flyer mit Fragen an den Bürgermeister verteilt. Darauf ging Marinus Schaber ein, gab seine Antworten und wurde von vielen Gemeinderäten unterstützt.

Ob es der Beginn eines langen Wahlkampfes für das Jahr 2020 sei, fragte Schaber die Mitglieder der CSU. Oder ob man sich nicht eigentlich um das Wohl der Bürger kümmern solle, anstatt den Bürgermeister anzugreifen?

Das Jahr seit der Wahl 2014 war relativ ruhig. Mit dem Flyer der CSU sei jetzt jedoch eine Stufe erreicht, die nicht weiter gehen dürfe, weil sonst der eigentliche Sinn eines Gemeinderates und einer Gemeindeverwaltung, sich um Belange der Bürger zu kümmern, auf der Strecke bleibe, zeigte sich der Rathauschef überzeugt.

Er betonte, dass er hoffe, dass nicht bereits jetzt der Wahlkampf beginne und weitere Flyer und Wortgefechte kommen würden, sondern sich der Gemeinderat um die wichtigen Dinge, die es zu betreuen gebe, kümmern könne. Die Erhaltung des Friedens in der Gemeinde sei ihm wichtig, so Schaber. Wenn jedoch die CSU nicht aufhöre, ständig zu hetzen, wären alle Verlierer, leider - und vor allem die Bürger.

Den bisherigen politischen Weg von Bürgermeister Marinus Schaber gingen drei Fraktionen mit, die CSU stemme sich vehement dagegen, zeigten sich einige Gemeinderatsmitglieder überzeugt.

"Mich würde es freuen, wenn ein Gemeinderat mehr gemeinschaftlich zum Wohle des Bürgers entscheiden könnte", so Schaber.

Stimmung zu machen wäre ein schlechtes Zeichen für die Gemeinde Rott, betont das Gemeindeoberhaupt.

Dem Weg, den er in und mit der Gemeinde Rott gehe, bleibe er auch zukünftig treu, weil man sehen könne, dass er den Ort voran brächte, heißt es von Schaber.

Einige Gemeinderäte bestärkten den Bürgermeister und brachten sich ebenfalls in die Diskussion am Donnerstagabend ein. So hieß es unter anderem, dass sich die CSU eigentlich die Antworten zu den gestellten und verteilten Fragen selbst geben hätte können, denn sie wurden in früheren Gemeinderatssitzungen behandelt.

Persönliche Anfeindungen gegen den Bürgermeister brächten wenig, um die Gemeinde voran zu bringen, hieß es in der Diskussion. "Lasst diese Hetzkampagne gegen den Bürgermeister endlich sein", bemerkte Gemeinderat Fredi Zimpel während der Sitzung.

Das gute Ergebnis seiner Wiederwahl spreche für ihn, ebenso die geringere Pro-Kopf-Verschuldung, betonte Schaber. "Anscheinend vergisst die Rotter CSU schnell und lernt wenig", so der Rathauschef. Diese Aussage sollte auf den damals schon sehr hitzigen Wahlkampf vor der Kommunalwahl 2014 in Rott hinweisen.

Streitthema Discounter

Das kleinteilige Gewerbe bleibt im Zentrum erhalten, auch der Vollsortimenter hat Zukunft in Rott. Es werde nichts nach draußen gezogen, versprach der Bürgermeister. Diejenigen Geschäfte, die im Ort bislang nicht seien, könnten freilich ohne Probleme in Meiling Standort finden, so Schaber. Die CSU bemängelt, dass außerhalb des Ortskerns neben den Discounter auch weitere kleinere Gewerbe angesiedelt würden. Nur einen Discounter dort anzusiedeln mache nicht viel Sinn, natürlich müssten auch Metzger, Bäcker und Café Platz finden, zeigte sich der Bürgermeister überzeugt. Den Vorwurf, kleines Gewerbe speziell außerhalb des Ortskerns ansiedeln zu wollen und vom Zentrum wegzulocken, wies er zurück. "Ich werde sicherlich nicht versuchen, draußen Konkurrenz zum Zentrum zu schaffen".

Der aktuelle Stand

Die CSU möchte gerne jetzt bereits Mietverträge sehen, doch dies sei völlig branchenuntypisch zum jetzigen Stand, hieß es von Marinus Schaber weiter.

"Wir haben noch nichts beschlossen, es ist nichts unterschrieben. Erst wenn der Bebauungsplan einen gewissen Status hat, dann werden Verträge gemacht", erklärt der Bürgermeister. Es existiere nicht einmal ein Aufstellungsbeschluss, derzeit seien lediglich die Gutachten erstellt worden, Verträge seien momentan vollkommen branchenunüblich. Vorarbeiten seien gemacht, doch es ziehe sich. Als nächster Schritt würden die städtebaulichen Verträge gemacht, danach könne der Aufstellungsbeschluss gefasst werden. "Nach diesen Dingen werden Investor und Penny in nähere Verhandlungen treten", so Schaber. Penny sei immer noch sehr interessiert, nach Rott zu ziehen.

Der immer wieder in die Runde geworfene Vorschlag beziehungsweise die Forderung der CSU, den Discounter im Bereich der Kläranlage anzusiedeln, werde mit ihm als Bürgermeister nicht weiter verfolgt werden, weil es seiner Ansicht nach, den Tod für das Zentrum bedeute, erklärte Schaber. "Wir können das gerne noch einmal auf die Tagesordnung setzen, doch dies wurde bereits 2014 abgestimmt, man hatte sich auf den Standort in Meiling geeinigt".

Warum die Gemeinde das Grundstück nicht selbst erwerbe, sondern dem Investor mögliche Millionengewinne überlasse, war eine weitere Frage der CSU an den Bürgermeister. "Wir dürfen das nicht, eine Gemeinde darf keinen Spekulationsgewinn machen", erläutert Schaber.

Man könne gerne anderer Meinung sein, aber irgendwann sollte es gut sein, waren sich viele Gemeinderäte und der Bürgermeister  während und nach der Sitzung am Donnerstag einig. Eines zeigt sich: In Rott wird sich auch weiterhin einiges tun und die Gemüter wohl nicht umgehend beruhigt sein. Ein Blick in die Gemeinde lohnt sich stets.

Quelle: rosenheim24.de

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