Vortrag über "Endlagerung radioaktiver Stoffe - Strategie in Deutschland und internationale Konzepte"

"Sachlichkeit bleibt auf der Strecke"

Soyen - Bei den Diskussionen über Kernenergie, Castor-Transporte, Gorleben oder Endlagerung blieben oft Sachlichkeit und Fachwissen auf der Strecke.

Das bedauerte Professor Bernd Delakowitz von der Hochschule Zittau-Görlitz, der sein Publikum mit einem Spruch von Alexander von Humbold ("Die gefährlichste Weltanschauung ist die der Menschen, welche sich die Welt nicht angeschaut haben") begrüßte und anschließend ausführlich informierte.

Zu dem Thema "Endlagerung radioaktiver Stoffe - Strategie in Deutschland und internationale Konzepte" sprach der international arbeitende Umweltforscher, Sachverständige und Hochschulprofessor auf Einladung des AKU (Arbeitskreis Umweltschutz CSU), der Mittelstandsunion und des CSU- Ortsverbandes Soyen im Seminarraum des Seecafés in seiner Wahlheimat Soyen. Der Raum war bis in die hinterste Ecke gefüllt.

Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich Delakowitz mit Forschungsprojekten zur Geologie und Radiochemie. Regelmäßig besucht er mit seinen Studenten der Hochschule Zittau-Görlitz, Fachrichtung Umweltschutz, das Erkundungsbergwerk Gorleben.

"Mehr Sachlichkeit in den Diskussionen" forderte der Wissenschaftler zu seinem Thema. Zunächst erläuterte er in seinem informationsintensiven Vortrag das Prinzip der Kernspaltung, mögliche Medien zur Lagerung radioaktiver Stoffe und Begriffe wie "Castor"-Behälter, "Endlagerung" oder "30mrem-Prinzip". Ausführlich ging er auf Energiearten und deren CO2-Ausstoß ein, sprach über die Anzahl der Kernkraftwerke weltweit und über derzeitige deutsche Endlager "Asse II" "Morsleben" und "Schacht Konrad" und zeigte international übliche Lagermethoden. Aktuell entstünden in China über 25 neue Kernkraftwerke und in Russland acht.

Sehr klare Aussagen machte Delakowitz über den heiß diskutierten Standort Gorleben. Den Salzstock im "Erkundungslager Gorleben" sehe er durch seine geologische Beschaffenheit durchaus als mögliches Endlager geeignet, er sei lange Jahre erforscht und könne nach Abschluss der letzten Untersuchungen und anschließenden Planungsverfahren frühestens etwa ab 2035 genutzt werden. Salz ist seiner Meinung nach als Medium gut geeignet, denn es sei trocken, ein hochgradiger Wärmeleiter und zudem auch elastisch.

Für den Wissenschaftler allerdings ist es eine Hauptaufgabe, "unbedingt aus fossilen Energien raus und auf den Weg zu regenerierbaren Energien hin" zu gehen, auch "wenn dies für manche abgedroschen klingt". Um aber dies zu etablieren und ein regeneratives Energienetz aufzubauen, bräuchte man noch Zeit. Ebenso deutlich stellte sich Delakowitz hinter das "Verursacherprinzip".

Delakowitz berichtete auch ausführlich über Beispiele anderer Lagerungsmethoden in Nordamerika, Russland, Japan und China, die, wie er betonte, lange nicht die Zuverlässigkeit böten wie die Salzstöcke in Deutschland.

Die anschließende Diskussion unter der Leitung von Reinhold Maier von der Mittelstandsunion verlief recht kurz und ruhig, obwohl nicht nur Kernkraftbefürworter unter den Zuhörern waren. Fragen gab es zur Grundlast, aber auch zur Kernfusion, zu Lagervolumina, alternativen Energien und anderen Lagermöglichkeiten. Zum Aufbau eines dezentralen Energienetzes durch Windenergie oder Fotovoltaikanlagen in Wüsten führte der Referent aus, dass dies erst in frühestens einem Jahrzehnt möglich wäre. Eine Deckung des immens steigenden Energiebedarfs unter anderem durch Bevölkerungszuwachs weltweit hielt er ohne Kernenergie derzeit für nicht denkbar.

Lobend erwähnte er das politische Konzept der Schweiz zur Energiepolitik, in Deutschland würde dies erst anfangen. Aber um jetzt Alternativen zu Gorleben zu erforschen, wäre der Zeit und Kostenfaktor zu hoch, meinte Delakowitz.

mbe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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